zwei Kinder

zwei Kinder
drei Gesichter aus PNG

Dienstag, 28. September 2010

Korrektur der Adresse!

Mr. Johann Hempel

Private Mail Bag „Logaweng“

435 Finschhafen

Morobe Province           

Papua New Guinea

Heldsbach, Lae, Goroka, Logaweng

Ihr Lieben.

 

Heute bin ich drei Wochen in Papua-Neuguinea und habe schon eine Menge erlebt. Am vorletzten Freitag bin ich zu einer deutschen Familie gefahren. Tobi und Bine leben mit ihren beiden kleinen Mädchen etwa eine Dreiviertelstunde nördlich von mir. In Heldsbach. Tobi ist mein Mentor. Von der Kilometerzahl her, ist Heldsbach eigentlich gar nicht so weit weg. Nur dauert eine kurze Strecke hier einfach viel länger. Wenn die Brücke kaputt ist, muss man eben durch den Fluss fahren, wenn er nicht zu tief ist. Tobis Auto ist dafür ausgelegt. Wenn ich im Auto sitze, denke ich viel an Gerbau und vor allem Jonas! Das wäre was für euch:D

Das Wochenende in Heldsbach war ein Traum. Tobi und Bine schaffen es, dort im Busch eine kleine deutsche Oase zu betreiben. Die Kinder haben ein Bobbycar und „Puki-Fahrräder“. Es gibt Nutella und Brezeln. Das Motto des Hauses: „Wer nicht genießt, wird ungenießbar“. Ein sehr gutes Motto, wie ich finde.

Bevor diese Familie ungenießbar wird, muss wirklich einiges passieren.

Am Samstag sind wir auf den Sattelberg gefahren, um Judith (eine andere Freiwillige, bleibt bis Dezember) abzuholen. Eine traumhafte Fahrt. Auf dem Rückweg meinte es der Reisegott leider weniger gut mit uns. Ein Schlammloch ließ sogar den sonst so robusten „Toyota Hilux“ aufgeben. Also wurde im Lehm gegraben, Steine wurden zusammengesucht und so weiter. Dummerweise bückte ich mich einmal direkt hinter dem Auto, als der Fahrer Vollgas gab. Wie ich danach aussah, muss ich jetzt nicht beschreiben. Es war auf jeden Fall interessant!

Am Sonntag waren wir in Nugidu Beach. Ein traumhafter Platz, wie aus dem Bilderbuch.

Das Schnorcheln war unfassbar. Korallen und eben alles was so dazugehört.

Am Dienstag ging es dann mit dem Schiff nach Lae. Am Wochenende war ein Treffen in Goroka, im Hochland.

Wenn man von Finschhafen irgendwo hin will, muss man eigentlich immer erst nach Lae. Das Schiff fährt nicht täglich, daher ist man meistens noch mindestens eine Nacht in Lae.

Die zwei Tage in Lae waren super. Tobi hat mir alle Läden gezeigt. Eigentlich kriegt man in Lae fast alles, man muss eben nur wissen wo. Und es gibt wirklich eine Menge. In einem Supermarkt gab es sogar „Original German Sauerkraut“. Das ist dann nur eben furchtbar teuer. Wie eigentlich alles, was Richtung typisch westliche Nahrung geht. Bei Wurst und Käse fängt es an.

In mehreren Supermärkten habe ich mich mit Vielem eingedeckt. Zudem habe ich mir eine Gitarre gekauft. Gitarre lernen ist eines meiner Projekte hier. In Logaweng hab ich einen sehr netten Mann getroffen, der mir das Spielen beibringen wird. Natürlich wollte ich am ersten Abend anfangen. Wie das dann so ist, habe ich versucht das Ding zu stimmen und leider am falschen Rad gedreht. Plötzlich machte es „Zing“ die Hand tat weh und das scheiß Ding war gerissen:D Zum Glück passiert mir sowas ja sonst nie..:)

Zudem werde ich jetzt zum Star am Herd. So habe ich mir das zumindest gedacht. Ab morgen wird hier fleißig gebacken. Ich habe sogar die Zutaten für Brezeln;)

 

Am Freitag ging es dann mit einer ganzen Gruppe nach Goroka. Die Fahrt mit dem Auto war ein Traum. Nach ca. zwei Stunden Fahrt geht es ins Hochland. Oben angekommen ist alles anders. Nach Tropen, Palmen und etc. ist man plötzlich in einem warmen Frühling. Die Natur ist anders, die Stimmung, die Menschen. Wirklich beeindruckend. Ich muss da unbedingt wieder hin!

Das Treffen in Goroka war sehr nett. Am Sonntag bin ich dann abgereist und wieder zurück nach Lae gefahren. Da ich der einzige war, der nach Lae musste, fuhr natürlich kein Auto. Hier in PNG gibt es kleine Busse, die von Stadt zu Stadt fahren. Gerne sind die Fahrer high vom Buai (Betelnuss) kauen oder ähnliches. Alle Fahrer versuchen durch lautes Geschrei auf ihre Karre aufmerksam zu machen. Wenn ein Weißer kommt, geht das Geschrei erst so richtig los;)

Als Fahrgast sucht man dann das PMV, welches am wenigsten kaputt aussieht. Den Fahrer sollte man sich auch angucken.

Mein PMV war randvoll, 29 Leute in einem Kleinbus. Dazu Taschen etc, ein Huhn fuhr auch mit. Ziemlich schnell kam eine gute Stimmung auf. Ich habe jede Story rausgeholt, die mir so eingefallen ist. Natürlich geht es immer zuerst um meine Körpergröße. Als ich dann die Größe meiner Mutter erwähnte, war erst einmal Ruhe;) Von deutschen Autobahnen habe ich diesmal nicht erzählt. Ich wollte den Fahrer nicht dazu zwingen, seine Männlichkeit unter Beweis zu stellen!

 

Mit dem PMV braucht man von Goroka nach Lae knappe 6 Stunden. Meistens fahren die ziemlich schnell (war bei mir auch so). Um den nächsten Berg gut hochzukommen, wird am Hang möglichst wenig gebremst. Gerne ist dann in der Senke ein Fluss mit einer kleinen Brücke. Jedes Mal hofft man dann, dass der Fahrer gut zielen kann. Am besten ist es einfach nicht hinzusehen. Fazit: Eine sehr spannende und interessante Fahrt. Ich habe mehr erlebt, als in jedem Auto!

 

Mit Kisten, Taschen und Tüten ging es am Montag in Lae aufs Schiff. Neuguineas Küste zeigte sich von ihrer schönsten Seite und vor allem die Einfahrt in Buki ist einfach unglaublich schön. In Gagidu ist in der letzten Woche überall eingebrochen worden. Bei uns in Logaweng ist zum Glück nichts passiert. Dennoch hat irgendein Affe an meiner Wasserpumpe rumgeschraubt. Ich hatte sie ausgestellt. Als ich wiederkam, war der Strom an und nichts ging mehr. Irgendjemand war unters Haus gekrabbelt, hatte den Deckel abgeschraubt und in der Pumpe rumgewerkelt. Was soll denn sowas!?

Heute hatte ich meine erste Englischstunde. Es war echt nett. Leider ist der Leistungsstand einfach ziemlich unterschiedlich. Der Großteil versteht gerade mal Bahnhof, die anderen etwas mehr. Mal sehen wie ich das mache.

Ich hoffe sehr, dass ich jetzt in einen Alltag reinrutsche, der mir viel Arbeit gibt. Morgen werde ich im Office mein Büro beziehen. Das Guesthouse habe ich übernommen und immer mehr Aufgaben fallen mir zu. Am Samstag gehe ich mit den Studenten in den Busch, um mit Buschmessern eine Fläche für einen neuen Garten zu roden. Das soll wohl eine zioemlich anstrengende Arbeit sein, die Europäer verbinden sie mit Blasen überall an den Händen. Mal sehen.

„Nur die Harten komm’n in Garten!;)“

Eben hat mich ein wirklich sehr netter Mann hier aus dem Dorf in sein Haus Win eingeladen. Das ist eine Buschhütte aus Bambus etc. Die Hütte ist zu den Seiten hin fast ganz offen und steht erhöht. Direkt an der Kante vom Berg. Man hat einen unglaublichen Ausblick auf Wald und vor allem den Pazifik. Wir haben Feuer gemacht, Tee getrunken und uns unterhalten. Als dann über dem Meer der Mond aufging, war ich einfach sprachlos. Das werde ich niemals mit Worten beschreiben können…

Generell sehe ich Vieles mit dem Gedanken, es für mich zu erleben, da ich es weder mit Fotos, noch mit Worten werde angemessen beschreiben können. Ein komisches Gefühl. Manchmal lege ich die Kamera dann einfach weg, da der Moment ohne Fotos und den „Festhaltegedanke“ einfach schöner ist.

 

Internet nutze ich nur, um Mails hoch- und runterzuladen. Facebook liegt jetzt erstmal ein Jahr auf Eis, ich bin noch nicht einmal online gewesen. Das stört mich nicht, ich bin da nur jetzt einfach nicht mehr erreichbar. Leider habe ich von vielen die Mailadresse nicht. Wenn ihr Lust habt, schreibt mir einfach, ich schreibe dann so schnell es geht zurück.

 

Leider habe ich ein kleines Problem mit meiner Malariapille. Aber das kriege ich auch noch in den Griff. Das Ding schlaucht mich einfach ziemlich doll. Ich werde sie wohl bald absetzten.

Ich hoffe sehr, dass es euch allen gut geht und freue mich sehr von hoffentlich einigen zu hören.

 

 

Macht es gut, Johann.

Donnerstag, 16. September 2010

Meine Adresse

Mr. Johann Hempel

Private Mail Bag „Logaweng“

Finschhafen

Morobe Province

Papua New Guinea

 

 

Nachricht aus Logaweng

Es tut mir furchtbar leid, dass ich mich noch nicht gemeldet habe. Das mit dem Internet war so eine Sache. In Papua-Neuguinea gibt es ein ziemlich gut funktionierendes Mobilfunknetz. Ich habe hier eine Simkarte (Nummer folgt). Geplant war es, dass ich mein Handy via Bluetooth als Modem nutze und so mit meinem Laptop ins Internet komme. Hat leider aber alles nicht geklappt. Ich bin mir sicher, dass ich in den letzten sieben Tagen mit jedem Menschen im Digicelcallcenter gesprochen habe. Alle waren immer nett und taten enorm kompetent, gebracht hat es allerdings wenig. Hier in Logaweng habe ich mir jetzt von einem sehr netten Pastor einen Stick ausgeliehen mit dem es geklappt hat. So viel dazu..

 

Das Einkaufen in Lae am letzten Mittwoch war eine spannende Angelegenheit. Zuerst einmal ist das mit den Straßen da so eine Sache. Ich würde sie eher als leichte Ralleystrecke bezeichnen. Schlaglöcher gibt es alle paar Meter. Und was für welche.. Lustig wird es, wenn Wasser drin steht. Dann weiß man nämlich nicht wie tief sie sind;)

Lae ist keine sehr schöne Stadt. Überall wimmelt es von Menschen. Viele haben nichts zu tun und sitzen einfach nur so herum. Als ich gerade Geld holen war, ging auf einem Platz nebenan gerade eine Schlägerei los. Sie wurde als Ethnical Crash bezeichnet. Da liefen dann ein paar Männer mit Buschmessern herum. Irgendwann kamen dann Wachen mit Gewehren. Der Kommentar von einem Begleiter war: „Nichts wie weg, die schießen, bevor sie warnen.“

Ein paar Sachen habe ich in Lae besorgt, eben das Nötigste an Essen.

Am nächsten Morgen um neun Uhr war es dann soweit. Die Weiterreise nach Finschhafen stand an. Ich muss zugeben, dass ich wirklich ziemlich aufgeregt war. Das Schiff sollte gegen neun ablegen, um viertel vor elf war es dann soweit. Mit der Zeit ist das hier so eine Sache. Es geht eben dann los, wenn alle da sind, was ja auch irgendwo verständlich ist.

Die Fahrt nach Finschhafen gestaltete sich eher unspektakulär. An einer wunderschönen Küste, grün und hügelig, ging es Richtung neue Heimat. Gesehen habe ich davon wenig, da ich ganz einfach durchgeschlafen habe. Ich habe schon von einigen gehört, die diese Zeit auf dem Klo oder über der Reling hängend verbracht haben sollen. Ein gutes Schläfchen war da sicherlich die bessere Variante!

Als ich schließlich aufwachte waren wir da. Das Schiff legte in Gagidu, dem kleinen Ort an der Küste (ist auf der Karte als Finschhafen verzeichnet), an. Der erste Blick aus dem Fenster hat mich gleich schwer beeindruckt. Zwei kleine Inselchen, verbunden durch eine Sandbank, auf welcher sich die Wellen brachen, machen Gagidu zu einer Art Naturhafen.

Abgeholt wurde ich von Jutta (sie lebt auch hier in Logaweng), meinem Waspapa und ein paar Studenten. Jeder Student hier hat einen Waspapa. Einen Tutor, der für einen zuständig ist und ein Auge auf einen hat. Es entsteht dann eine „Waspapa-Gruppe“ die sich regelmäßig trifft und etwas zusammen unternimmt. Mein Waspapa ist ein unglaublich lieber und netter Mann. Ich habe ihn sofort ins Herz geschlossen.

Als unser Grüppchen sich im Auto zusammengefunden hatte, konnte es losgehen. Zwei Studenten, die Frau des einen mit ihrem kleinen Kind, Jutta, mein Waspapa, ich und… ein Huhn.

Die Straße hier in Finschhafen ist nicht mit denen in Lae zu vergleichen. Zwar gibt es hier auch ausschließlich Geländewagen, die Schlaglöcher sind jedoch nicht so schlimm wie in Lae. Die Straße kam mir im ersten Augenblick wie eine Art Kanal vor. Links meterhoher, dichter Wald, rechts dasselbe. In der Mitte die Sandstraße. Zwischen den Bäumen tauchten immer mal wieder kleine Hüttenansammlungen auf.

Logaweng liegt auf einem Berg. Von hier oben hat man einen wunderschönen Ausblick. Auf der einen Seite ist Wald, viel Wald, auf der anderen der Pazifik. Dieser Ausblick lässt einem wirklich das Herz höher schlagen.

In Logaweng wurde ich mit einem Singsing begrüßt. Einer traditionellen Willkommenszeremonie. Kinder versperrten den Eingang des Dorfes. Ich dürfe erst hinein, wenn ich eingeladen werde, sagte Jutta. Und das wurde ich. Ein paar Studenten kamen in traditioneller Kleidung (schminke und irgendwelche Röcke und Trommeln und was bében so alles dazugehört) und hießen mich willkommen. Es wurde gesungen und getanzt, ich bekam etwas auf den Kopf gesetzt. Enden tat das Singsing vor meinem Haus. Kinder legten Zweige und ein paar Blumen vor die Tür, anschließend bekam ich den Schlüssel und es wurde noch etwas gesagt. Ziemlich rührend das Ganze. Alle haben sich wirklich viel Mühe gegeben.

Das Haus, welches ich bewohne hat mir von Anfang an sehr gut gefallen. Es gibt ein Schlafzimmer mit zwei Betten (das eine nutze ich als Sofa), eine ziemlich geräumige Küche und ein kleines Badezimmer mit Dusche. Kalt, versteht sich, aber das reicht hier vollkommen.

 

So viel Zeit wie nur möglich verbringe ich mit den Studenten. Schon zweimal haben wir zusammen gekocht. Ich bin unten im Dorm gewesen, wir haben Stories rausgeholt. Das man auf einer deutschen Straße teilweise 200 km/h fahren kann, oder das in Norwegen über einen Meter Schnee liegt hat hier eingeschlagen wie eine Bombe. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich alle überzeugt hatte;)

Am Dienstag bin ich mit einem Studenten nach Butaweng gelaufen. Wir haben seine Mutter im Krankenhaus abgeholt.

Am Sonntag haben wir mit dem Truck Studenten aus ihren Dörfern abgeholt. Natürlich saßen am Ende noch diverse Frauen und Kinder mit auf dem Lkw. Hinzukamen Massen an Säcken mit Kaukau, Bananen etc.

Gestern und heute war ich in Gagidu. Dort unten gibt es ein paar kleine Shops, in denen man das Nötigste besorgen kann. Ich habe mich mal ein bisschen umgesehen, was ich da so alles kriegen kann. Eine enorme Herausforderung wird sein, nächste Woche in Lae in einem Supermarkt zu stehen und zu überlegen, was ich denn so für die nächsten zwei Monate einkaufen soll. Da muss ich dann mal meine hauswirtschaftlichen Fähigkeiten unter Beweis stellen, welche leider noch nicht sooo ausgeprägt sind:D

Heute war Independanceday. In Gagidu fand ein Fußballturnier statt. In einer Gruppe, bestehend aus ein paar Studenten, ihren Söhnen und mir, sind wir nach unten gelaufen. Einen kleinen Trampelpfad durch den Busch. Alle haben aufgepasst, dass sich der Große nicht hinlegt, hat er aber leider doch. War auch zu erwarten;) Danach hat sich jeder einzelne bei mir entschuldigt, nicht genug aufgepasst zu haben. Das sind so die kleinen Dinge, die einfach anders sind. Ich bin anders als alle anderen, werde immer besser und besonders behandelt und stehe fast immer im Mittelpunkt. Ich bin dankbar für jeden Moment, in dem ich mal nicht den Hauptdarsteller spiele, sondern einfach dabei bin und normal einbezogen werde. Ich stehe außen vor, daran muss ich mich gewöhnen.

Mit allen hier verstehe ich mich gut. Alle sind unglaublich freundlich und interessiert. Über jeden Schritt, der von mir kommt ist man dankbar.  Ich bitte hier jeden mich einzubeziehen und mitzunehmen wenn es geht. Ich kann nicht dauernd alleine in meinem Haus sitzen, der Typ bin ich nicht.

 

Morgen werde ich nach Heldsbach zu einer unglaublich lieben Familie fahren. Obwohl ich Tobi und Sabine nur vom Telefon kenne, weiß ich jetzt schon, dass es eine super Zeit wird. Am Dienstag geht es dann nach Lae und dann ins Hochland, nach Goroka. Am nächsten Wochenende findet dort ein Treffen aller NMZ Mitarbeiter statt. Am folgenden Montag beginnt für mich dann hier der Ernst des Lebens.

In Unterrichtsmaterialien arbeite ich mich so langsam ein. Mein Tok Pisin wird von Tag zu Tag besser, was mit hilft. Anstatt im Voraus viel zu lernen, habe ich wie immer auf die Variante „learning by doing“ vertraut und siehe da, es klappt!

 

Es ist nicht so einfach, von einem solchen Leben, welches ich in Deutschland hatte, auf mein neues Leben hier umzusatteln. Alles ist einfach anders. Einsamkeit ist ein Gefühl, welches ich ein bisschen erlebe. Ich bin jedoch sicher, dass sich das alles ändern wird. Ich bin jetzt gerade mal eine Woche hier. Alles braucht seine Zeit.

Ich vermisse das Leben in Hamburg, viele Freunde und natürlich meine unglaubliche Familie. Erst wenn man etwas nicht mehr permanent hat, weiß man, wie wertvoll es ist.

Sobald es geht, melde ich mich wieder. Über Mails freue ich mich wirklich sehr, ich werde mir Mühe geben, so schnell es geht zurückzuschreiben.

 

Alles liebe, Johann.

Dienstag, 7. September 2010

Mi stap long Lae

Ich bin da. Nach einer langen, aber doch erstaunlich angenehmen Reise bin ich in Lae angekommen. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass meine Reise so problemlos verlaufen würde.

Nachdem ich es mir in meinem Gangplatz in der Boeing Maschine nach Singapore gemütlich gemacht hatte, kam eine wirklich ausgesprochen nette Stewardess (Französin) zu meinem Platz und fragte mich, ob ich nicht einen Platz am Notausgang haben wolle, ich sei doch irgendwie ziemlich groß.

Besser ging es wirklich nicht. Beinfreiheit war also bis ins Grenzenlose garantiert. Nette Nachbarn hatte ich auch. Sie, links, Journalistin aus Paris. Er, rechts, keine Ahnung, auf jeden Fall hatte er eine Vorliebe für Rotwein und Spongebob.;)

In Singapore gab es einen Riesenburger bei Burger King (musste nochmal sein), danach ging es mit Air Niugini Flight PX 393 weiter nach Port Moresby. Wieder der Platzjoker: ich hatte zwei Sitze für mich.

Neuguinea begrüßte mich mit einem wunderschönen Sonnenaufgang. Es war ein wirklich schönes und aufregendes Gefühl endlich am Ziel zu sein.

Nach kleiner Diskussion mit dem Zollbeamten durfte dann schließlich auch meine angebrochene Nimm2 Tüte einreisen.

Am Domestik Terminal traf ich ein deutsches Ehepaar, welches auch nach Lae weitereisen wollte. Die beiden besuchen Freunde in Butaweng, genau bei mir um die Ecke. Von Anfang haben wir uns gut verstanden und die lange Reise nach Lae dann gemeinsam beendet.

Der Flughafen in Lae ist wirklich mehr als überschaubar. Erst da habe ich gemerkt, wie heiß und feucht es hier ist. Schwül ist wirklich untertrieben, ich erlerne gerade eine für mich neue Dimension von Körperflüssigkeitsabgabe;)

Der Flughafen von Lae liegt außerhalb, man fährt eine gute halbe Stunde bis nach Ampo, wo das Lutheran Guest House liegt.

Nadja holte mich am Flughafen ab, was wirklich unglaublich nett war. Es ist hilfreich in einer so neuen Umgebung jemanden zu treffen, den man kennt. Denn neu und anders ist hier alles. Überall ist es grün und überall sitzen Menschen. Viele haben einfach nichts zu tun. Die Fahrt nach Ampo war spannend. Der Gedanke, dass als das Gesehene einmal ganz normal und selbstverständlich für mich sein wird begleitete mich ununterbrochen. Die Schlaglöcher (welcher unzählbar sind) gehören für mich jetzt schon genauso dazu, wie die vielen Menschen, die am Straßenrand sitzen. Mal ein überfahrener Hund, mal ein Händler mit einem Berg von Kokusnüssen und sowieso überall Digicel. Digicelist der örtliche Mobilfunknetzbetreiber und wirklich überall präsent. Ob es jetzt ein Sonnenschirm oder einfach nur Werbung an einem Baumstamm oder einer Hütte ist, überall sieht man den rot-weißen Schriftzug.

In Ampo bezog ich ein Zimmer im Guest House, welches Hofagao mir liebevoll hergerichtet hatte. Tausend Dank!

Ich habe noch nicht viel Kontakt zu Menschen hier gehabt, aber die wenigen kleinen Gespräche die ich hatte waren unglaublich nett und herzlich. Von überall kommt ein „Gude" oder „Apinun". Jeder grüßt und jeder grüßt zurück, was einfach Spaß macht. Heute Abend waren Nadja und ich bei einer sehr netten Amerikanerin zum Essen eingeladen. Nancy lebt hier seit neun Monaten mit ihrem Mann, der leider nicht hier war. Morgen früh steht eine kleine Andacht an, in der ich mich der ganzen Gemeinschaft vorstellen werde. Mein Pidgin geht in seinen ersten Einsatz;) Am Flughafen in Port Moresby hatte ich es schon einmal versucht, gar nicht schlecht, wie ich fand. Nur leider kann die Antwort auf Englisch. Ich hätte glaube ich auch nicht anders geantwortet…

Nach der Andacht geht's in die Stadt, einkaufen.

 

Es ist fünf Uhr Morgens und ich kann nicht schlafen. In regelmäßigen Abständen regnet es in einem Umfang, wie ich es noch nicht erlebt habe. Es ist gerade Regenzeit. Der Regen donnert mit einer solchen Lautstärke auf das Dach, dass es fast bedrohlich ist. Es scheint als hätte der Himmel wirklich alle Pforten geöffnet.

 

Übermorgen werde ich mit dem Schiff nach Finschhafen fahren. Nach einer Woche geht es doch bereits wieder zurück nach Lae und dann mit dem Flugzeug nach Goroka. Dort wird ein Mitarbeitertreffen aller NMZ Mitarbeiter stattfinden. Ich freue mich darauf alle NMZler in PNG kennenzulernen. Danach folgt wieder ein Aufenthalt in Lae und dann bin ich erstmal für längere Zeit in Finschhafen.

 

Schon jetzt sind alle Briefe und Papiere klamm. Alles fühlt sich feucht an. In der Tat ist die Luftfeuchtigkeit hier unglaublich hoch. Ich hoffe sehr, dass meine Elektronik das mitmachen wird. Morgen werde ich mir luftdichte Plastikbeutel besorgen, in welchen ich alles verstauen werde.

 

Ich melde ich wieder sobald ich kann. Morgen muss ich erstmal das Internet über mein Handy in Gang bekommen.

 

Lukim yu, Johann.

Samstag, 4. September 2010

Goodbye Deutschland

Morgen werde ich um 17:45 deutschen Boden verlassen. Es geht endlich los.

Leider habe ich mir mal wieder alles auf den letzten Tag gelegt, dementsprechend viel habe ich zu tun. Es ist echt eine Menge, die ich bedenken muss. In meinem Zimmer häufen sich Klamotten, Moskitonetz, Taschenlampe, Taschenmesser, Bücher, Medikamente und noch vieles mehr zu einem übersichtlichen Durcheinander.

Ich freue mich auf den Moment der Gewissheit, dass alles da ist, sollte es diesen Moment überhaupt geben.;)

Über Paris, Singapore und Port Moresby werde ich nach Lae fliegen.  Sollte alles gut gehen, bin ich dann am 7ten um drei Uhr Morgens deutscher Zeit da.

Die ersten zwei Tage in PNG werde ich in Lae verbringen, um die Stadt zu erkunden, Besorgungen zu machen und mich ein bisschen zu erholen. Schließlich wird es dann mit dem Schiff nach Logaweng gehen, mein neues Zuhause.

 

Ankommen, sehen, machen. So wird es sein und ich freue mich unglaublich darauf.

Ein ganz neuer Lebensabschnitt beginnt. Am anderen Ende der Welt.

 

In diesem Sinne,

goodbye Deutschland, ich bin dann mal weg.

Freitag, 20. August 2010

Noch 16 Tage

In 16 Tagen ist es soweit, ich werde nach PNG aufbrechen!!
Obwohl mir der Abschied schwer fallen wird, kann ich es kaum erwarten. Die letzten zwei Wochen werde ich noch einmal intensiv nutzen, um alles vorzubereiten, einzukaufen und vor allem um Pidgin zu lernen. Es läuft eigentlich schon ganz gut, doch es ist schwer, eine Sprache rein aus dem Buch zu lernen. Natürlich lerne ich Vokabeln, doch außer in Selbstgesprächen kann ich das Erlernte kaum anwenden. Schwierig ist Pidgin nicht, in den allermeisten Wörtern sticht einem das Englische ins Auge. Viele Wörter stammen aus dem Englischen und sind einfach nur so aufgeschrieben worden, wie sie ausgesprochen werden. Lehrer heißt "Tisa", Arzt "Dokta". Das Lernen macht wirklich Spaß..;)
Ich habe damit begonnen, Malariaprofilaxetabletten zu nehmen. Obwohl die Packungsbeilage vor Nebenwirkungen wie Angstzuständen, Depressionen und vereinzelt sogar Suizidalität warnt, konnte ich an mir noch rein gar nichts feststellen, worüber ich wirklich sehr erleichtert bin. Das letzte was ich in PNG gebrauchen kann, sind Depressionen etc..
Mit den Impfungen bin ich fast durch, es fehlt nur noch eine Schluckimpfung gegen Cholera. Ich glaube, dass es wenig Arme gibt, die so Spritzenroutiniert sind, wie mein Linker..:D In den letzten drei Monaten bin ich so oft beim Arzt gewesen, wie vielleicht in den letzten vier Jahren zusammen.

Auf bald und liebe Grüße,
Johann