Ihr Lieben.
Heute bin ich drei Wochen in Papua-Neuguinea und habe schon eine Menge erlebt. Am vorletzten Freitag bin ich zu einer deutschen Familie gefahren. Tobi und Bine leben mit ihren beiden kleinen Mädchen etwa eine Dreiviertelstunde nördlich von mir. In Heldsbach. Tobi ist mein Mentor. Von der Kilometerzahl her, ist Heldsbach eigentlich gar nicht so weit weg. Nur dauert eine kurze Strecke hier einfach viel länger. Wenn die Brücke kaputt ist, muss man eben durch den Fluss fahren, wenn er nicht zu tief ist. Tobis Auto ist dafür ausgelegt. Wenn ich im Auto sitze, denke ich viel an Gerbau und vor allem Jonas! Das wäre was für euch:D
Das Wochenende in Heldsbach war ein Traum. Tobi und Bine schaffen es, dort im Busch eine kleine deutsche Oase zu betreiben. Die Kinder haben ein Bobbycar und „Puki-Fahrräder“. Es gibt Nutella und Brezeln. Das Motto des Hauses: „Wer nicht genießt, wird ungenießbar“. Ein sehr gutes Motto, wie ich finde.
Bevor diese Familie ungenießbar wird, muss wirklich einiges passieren.
Am Samstag sind wir auf den Sattelberg gefahren, um Judith (eine andere Freiwillige, bleibt bis Dezember) abzuholen. Eine traumhafte Fahrt. Auf dem Rückweg meinte es der Reisegott leider weniger gut mit uns. Ein Schlammloch ließ sogar den sonst so robusten „Toyota Hilux“ aufgeben. Also wurde im Lehm gegraben, Steine wurden zusammengesucht und so weiter. Dummerweise bückte ich mich einmal direkt hinter dem Auto, als der Fahrer Vollgas gab. Wie ich danach aussah, muss ich jetzt nicht beschreiben. Es war auf jeden Fall interessant!
Am Sonntag waren wir in Nugidu Beach. Ein traumhafter Platz, wie aus dem Bilderbuch.
Das Schnorcheln war unfassbar. Korallen und eben alles was so dazugehört.
Am Dienstag ging es dann mit dem Schiff nach Lae. Am Wochenende war ein Treffen in Goroka, im Hochland.
Wenn man von Finschhafen irgendwo hin will, muss man eigentlich immer erst nach Lae. Das Schiff fährt nicht täglich, daher ist man meistens noch mindestens eine Nacht in Lae.
Die zwei Tage in Lae waren super. Tobi hat mir alle Läden gezeigt. Eigentlich kriegt man in Lae fast alles, man muss eben nur wissen wo. Und es gibt wirklich eine Menge. In einem Supermarkt gab es sogar „Original German Sauerkraut“. Das ist dann nur eben furchtbar teuer. Wie eigentlich alles, was Richtung typisch westliche Nahrung geht. Bei Wurst und Käse fängt es an.
In mehreren Supermärkten habe ich mich mit Vielem eingedeckt. Zudem habe ich mir eine Gitarre gekauft. Gitarre lernen ist eines meiner Projekte hier. In Logaweng hab ich einen sehr netten Mann getroffen, der mir das Spielen beibringen wird. Natürlich wollte ich am ersten Abend anfangen. Wie das dann so ist, habe ich versucht das Ding zu stimmen und leider am falschen Rad gedreht. Plötzlich machte es „Zing“ die Hand tat weh und das scheiß Ding war gerissen:D Zum Glück passiert mir sowas ja sonst nie..:)
Zudem werde ich jetzt zum Star am Herd. So habe ich mir das zumindest gedacht. Ab morgen wird hier fleißig gebacken. Ich habe sogar die Zutaten für Brezeln;)
Am Freitag ging es dann mit einer ganzen Gruppe nach Goroka. Die Fahrt mit dem Auto war ein Traum. Nach ca. zwei Stunden Fahrt geht es ins Hochland. Oben angekommen ist alles anders. Nach Tropen, Palmen und etc. ist man plötzlich in einem warmen Frühling. Die Natur ist anders, die Stimmung, die Menschen. Wirklich beeindruckend. Ich muss da unbedingt wieder hin!
Das Treffen in Goroka war sehr nett. Am Sonntag bin ich dann abgereist und wieder zurück nach Lae gefahren. Da ich der einzige war, der nach Lae musste, fuhr natürlich kein Auto. Hier in PNG gibt es kleine Busse, die von Stadt zu Stadt fahren. Gerne sind die Fahrer high vom Buai (Betelnuss) kauen oder ähnliches. Alle Fahrer versuchen durch lautes Geschrei auf ihre Karre aufmerksam zu machen. Wenn ein Weißer kommt, geht das Geschrei erst so richtig los;)
Als Fahrgast sucht man dann das PMV, welches am wenigsten kaputt aussieht. Den Fahrer sollte man sich auch angucken.
Mein PMV war randvoll, 29 Leute in einem Kleinbus. Dazu Taschen etc, ein Huhn fuhr auch mit. Ziemlich schnell kam eine gute Stimmung auf. Ich habe jede Story rausgeholt, die mir so eingefallen ist. Natürlich geht es immer zuerst um meine Körpergröße. Als ich dann die Größe meiner Mutter erwähnte, war erst einmal Ruhe;) Von deutschen Autobahnen habe ich diesmal nicht erzählt. Ich wollte den Fahrer nicht dazu zwingen, seine Männlichkeit unter Beweis zu stellen!
Mit dem PMV braucht man von Goroka nach Lae knappe 6 Stunden. Meistens fahren die ziemlich schnell (war bei mir auch so). Um den nächsten Berg gut hochzukommen, wird am Hang möglichst wenig gebremst. Gerne ist dann in der Senke ein Fluss mit einer kleinen Brücke. Jedes Mal hofft man dann, dass der Fahrer gut zielen kann. Am besten ist es einfach nicht hinzusehen. Fazit: Eine sehr spannende und interessante Fahrt. Ich habe mehr erlebt, als in jedem Auto!
Mit Kisten, Taschen und Tüten ging es am Montag in Lae aufs Schiff. Neuguineas Küste zeigte sich von ihrer schönsten Seite und vor allem die Einfahrt in Buki ist einfach unglaublich schön. In Gagidu ist in der letzten Woche überall eingebrochen worden. Bei uns in Logaweng ist zum Glück nichts passiert. Dennoch hat irgendein Affe an meiner Wasserpumpe rumgeschraubt. Ich hatte sie ausgestellt. Als ich wiederkam, war der Strom an und nichts ging mehr. Irgendjemand war unters Haus gekrabbelt, hatte den Deckel abgeschraubt und in der Pumpe rumgewerkelt. Was soll denn sowas!?
Heute hatte ich meine erste Englischstunde. Es war echt nett. Leider ist der Leistungsstand einfach ziemlich unterschiedlich. Der Großteil versteht gerade mal Bahnhof, die anderen etwas mehr. Mal sehen wie ich das mache.
Ich hoffe sehr, dass ich jetzt in einen Alltag reinrutsche, der mir viel Arbeit gibt. Morgen werde ich im Office mein Büro beziehen. Das Guesthouse habe ich übernommen und immer mehr Aufgaben fallen mir zu. Am Samstag gehe ich mit den Studenten in den Busch, um mit Buschmessern eine Fläche für einen neuen Garten zu roden. Das soll wohl eine zioemlich anstrengende Arbeit sein, die Europäer verbinden sie mit Blasen überall an den Händen. Mal sehen.
„Nur die Harten komm’n in Garten!;)“
Eben hat mich ein wirklich sehr netter Mann hier aus dem Dorf in sein Haus Win eingeladen. Das ist eine Buschhütte aus Bambus etc. Die Hütte ist zu den Seiten hin fast ganz offen und steht erhöht. Direkt an der Kante vom Berg. Man hat einen unglaublichen Ausblick auf Wald und vor allem den Pazifik. Wir haben Feuer gemacht, Tee getrunken und uns unterhalten. Als dann über dem Meer der Mond aufging, war ich einfach sprachlos. Das werde ich niemals mit Worten beschreiben können…
Generell sehe ich Vieles mit dem Gedanken, es für mich zu erleben, da ich es weder mit Fotos, noch mit Worten werde angemessen beschreiben können. Ein komisches Gefühl. Manchmal lege ich die Kamera dann einfach weg, da der Moment ohne Fotos und den „Festhaltegedanke“ einfach schöner ist.
Internet nutze ich nur, um Mails hoch- und runterzuladen. Facebook liegt jetzt erstmal ein Jahr auf Eis, ich bin noch nicht einmal online gewesen. Das stört mich nicht, ich bin da nur jetzt einfach nicht mehr erreichbar. Leider habe ich von vielen die Mailadresse nicht. Wenn ihr Lust habt, schreibt mir einfach, ich schreibe dann so schnell es geht zurück.
Leider habe ich ein kleines Problem mit meiner Malariapille. Aber das kriege ich auch noch in den Griff. Das Ding schlaucht mich einfach ziemlich doll. Ich werde sie wohl bald absetzten.
Ich hoffe sehr, dass es euch allen gut geht und freue mich sehr von hoffentlich einigen zu hören.
Macht es gut, Johann.