zwei Kinder

zwei Kinder
drei Gesichter aus PNG

Donnerstag, 16. September 2010

Nachricht aus Logaweng

Es tut mir furchtbar leid, dass ich mich noch nicht gemeldet habe. Das mit dem Internet war so eine Sache. In Papua-Neuguinea gibt es ein ziemlich gut funktionierendes Mobilfunknetz. Ich habe hier eine Simkarte (Nummer folgt). Geplant war es, dass ich mein Handy via Bluetooth als Modem nutze und so mit meinem Laptop ins Internet komme. Hat leider aber alles nicht geklappt. Ich bin mir sicher, dass ich in den letzten sieben Tagen mit jedem Menschen im Digicelcallcenter gesprochen habe. Alle waren immer nett und taten enorm kompetent, gebracht hat es allerdings wenig. Hier in Logaweng habe ich mir jetzt von einem sehr netten Pastor einen Stick ausgeliehen mit dem es geklappt hat. So viel dazu..

 

Das Einkaufen in Lae am letzten Mittwoch war eine spannende Angelegenheit. Zuerst einmal ist das mit den Straßen da so eine Sache. Ich würde sie eher als leichte Ralleystrecke bezeichnen. Schlaglöcher gibt es alle paar Meter. Und was für welche.. Lustig wird es, wenn Wasser drin steht. Dann weiß man nämlich nicht wie tief sie sind;)

Lae ist keine sehr schöne Stadt. Überall wimmelt es von Menschen. Viele haben nichts zu tun und sitzen einfach nur so herum. Als ich gerade Geld holen war, ging auf einem Platz nebenan gerade eine Schlägerei los. Sie wurde als Ethnical Crash bezeichnet. Da liefen dann ein paar Männer mit Buschmessern herum. Irgendwann kamen dann Wachen mit Gewehren. Der Kommentar von einem Begleiter war: „Nichts wie weg, die schießen, bevor sie warnen.“

Ein paar Sachen habe ich in Lae besorgt, eben das Nötigste an Essen.

Am nächsten Morgen um neun Uhr war es dann soweit. Die Weiterreise nach Finschhafen stand an. Ich muss zugeben, dass ich wirklich ziemlich aufgeregt war. Das Schiff sollte gegen neun ablegen, um viertel vor elf war es dann soweit. Mit der Zeit ist das hier so eine Sache. Es geht eben dann los, wenn alle da sind, was ja auch irgendwo verständlich ist.

Die Fahrt nach Finschhafen gestaltete sich eher unspektakulär. An einer wunderschönen Küste, grün und hügelig, ging es Richtung neue Heimat. Gesehen habe ich davon wenig, da ich ganz einfach durchgeschlafen habe. Ich habe schon von einigen gehört, die diese Zeit auf dem Klo oder über der Reling hängend verbracht haben sollen. Ein gutes Schläfchen war da sicherlich die bessere Variante!

Als ich schließlich aufwachte waren wir da. Das Schiff legte in Gagidu, dem kleinen Ort an der Küste (ist auf der Karte als Finschhafen verzeichnet), an. Der erste Blick aus dem Fenster hat mich gleich schwer beeindruckt. Zwei kleine Inselchen, verbunden durch eine Sandbank, auf welcher sich die Wellen brachen, machen Gagidu zu einer Art Naturhafen.

Abgeholt wurde ich von Jutta (sie lebt auch hier in Logaweng), meinem Waspapa und ein paar Studenten. Jeder Student hier hat einen Waspapa. Einen Tutor, der für einen zuständig ist und ein Auge auf einen hat. Es entsteht dann eine „Waspapa-Gruppe“ die sich regelmäßig trifft und etwas zusammen unternimmt. Mein Waspapa ist ein unglaublich lieber und netter Mann. Ich habe ihn sofort ins Herz geschlossen.

Als unser Grüppchen sich im Auto zusammengefunden hatte, konnte es losgehen. Zwei Studenten, die Frau des einen mit ihrem kleinen Kind, Jutta, mein Waspapa, ich und… ein Huhn.

Die Straße hier in Finschhafen ist nicht mit denen in Lae zu vergleichen. Zwar gibt es hier auch ausschließlich Geländewagen, die Schlaglöcher sind jedoch nicht so schlimm wie in Lae. Die Straße kam mir im ersten Augenblick wie eine Art Kanal vor. Links meterhoher, dichter Wald, rechts dasselbe. In der Mitte die Sandstraße. Zwischen den Bäumen tauchten immer mal wieder kleine Hüttenansammlungen auf.

Logaweng liegt auf einem Berg. Von hier oben hat man einen wunderschönen Ausblick. Auf der einen Seite ist Wald, viel Wald, auf der anderen der Pazifik. Dieser Ausblick lässt einem wirklich das Herz höher schlagen.

In Logaweng wurde ich mit einem Singsing begrüßt. Einer traditionellen Willkommenszeremonie. Kinder versperrten den Eingang des Dorfes. Ich dürfe erst hinein, wenn ich eingeladen werde, sagte Jutta. Und das wurde ich. Ein paar Studenten kamen in traditioneller Kleidung (schminke und irgendwelche Röcke und Trommeln und was bében so alles dazugehört) und hießen mich willkommen. Es wurde gesungen und getanzt, ich bekam etwas auf den Kopf gesetzt. Enden tat das Singsing vor meinem Haus. Kinder legten Zweige und ein paar Blumen vor die Tür, anschließend bekam ich den Schlüssel und es wurde noch etwas gesagt. Ziemlich rührend das Ganze. Alle haben sich wirklich viel Mühe gegeben.

Das Haus, welches ich bewohne hat mir von Anfang an sehr gut gefallen. Es gibt ein Schlafzimmer mit zwei Betten (das eine nutze ich als Sofa), eine ziemlich geräumige Küche und ein kleines Badezimmer mit Dusche. Kalt, versteht sich, aber das reicht hier vollkommen.

 

So viel Zeit wie nur möglich verbringe ich mit den Studenten. Schon zweimal haben wir zusammen gekocht. Ich bin unten im Dorm gewesen, wir haben Stories rausgeholt. Das man auf einer deutschen Straße teilweise 200 km/h fahren kann, oder das in Norwegen über einen Meter Schnee liegt hat hier eingeschlagen wie eine Bombe. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich alle überzeugt hatte;)

Am Dienstag bin ich mit einem Studenten nach Butaweng gelaufen. Wir haben seine Mutter im Krankenhaus abgeholt.

Am Sonntag haben wir mit dem Truck Studenten aus ihren Dörfern abgeholt. Natürlich saßen am Ende noch diverse Frauen und Kinder mit auf dem Lkw. Hinzukamen Massen an Säcken mit Kaukau, Bananen etc.

Gestern und heute war ich in Gagidu. Dort unten gibt es ein paar kleine Shops, in denen man das Nötigste besorgen kann. Ich habe mich mal ein bisschen umgesehen, was ich da so alles kriegen kann. Eine enorme Herausforderung wird sein, nächste Woche in Lae in einem Supermarkt zu stehen und zu überlegen, was ich denn so für die nächsten zwei Monate einkaufen soll. Da muss ich dann mal meine hauswirtschaftlichen Fähigkeiten unter Beweis stellen, welche leider noch nicht sooo ausgeprägt sind:D

Heute war Independanceday. In Gagidu fand ein Fußballturnier statt. In einer Gruppe, bestehend aus ein paar Studenten, ihren Söhnen und mir, sind wir nach unten gelaufen. Einen kleinen Trampelpfad durch den Busch. Alle haben aufgepasst, dass sich der Große nicht hinlegt, hat er aber leider doch. War auch zu erwarten;) Danach hat sich jeder einzelne bei mir entschuldigt, nicht genug aufgepasst zu haben. Das sind so die kleinen Dinge, die einfach anders sind. Ich bin anders als alle anderen, werde immer besser und besonders behandelt und stehe fast immer im Mittelpunkt. Ich bin dankbar für jeden Moment, in dem ich mal nicht den Hauptdarsteller spiele, sondern einfach dabei bin und normal einbezogen werde. Ich stehe außen vor, daran muss ich mich gewöhnen.

Mit allen hier verstehe ich mich gut. Alle sind unglaublich freundlich und interessiert. Über jeden Schritt, der von mir kommt ist man dankbar.  Ich bitte hier jeden mich einzubeziehen und mitzunehmen wenn es geht. Ich kann nicht dauernd alleine in meinem Haus sitzen, der Typ bin ich nicht.

 

Morgen werde ich nach Heldsbach zu einer unglaublich lieben Familie fahren. Obwohl ich Tobi und Sabine nur vom Telefon kenne, weiß ich jetzt schon, dass es eine super Zeit wird. Am Dienstag geht es dann nach Lae und dann ins Hochland, nach Goroka. Am nächsten Wochenende findet dort ein Treffen aller NMZ Mitarbeiter statt. Am folgenden Montag beginnt für mich dann hier der Ernst des Lebens.

In Unterrichtsmaterialien arbeite ich mich so langsam ein. Mein Tok Pisin wird von Tag zu Tag besser, was mit hilft. Anstatt im Voraus viel zu lernen, habe ich wie immer auf die Variante „learning by doing“ vertraut und siehe da, es klappt!

 

Es ist nicht so einfach, von einem solchen Leben, welches ich in Deutschland hatte, auf mein neues Leben hier umzusatteln. Alles ist einfach anders. Einsamkeit ist ein Gefühl, welches ich ein bisschen erlebe. Ich bin jedoch sicher, dass sich das alles ändern wird. Ich bin jetzt gerade mal eine Woche hier. Alles braucht seine Zeit.

Ich vermisse das Leben in Hamburg, viele Freunde und natürlich meine unglaubliche Familie. Erst wenn man etwas nicht mehr permanent hat, weiß man, wie wertvoll es ist.

Sobald es geht, melde ich mich wieder. Über Mails freue ich mich wirklich sehr, ich werde mir Mühe geben, so schnell es geht zurückzuschreiben.

 

Alles liebe, Johann.