Liebe Freunde, liebe Familie,
meine Zeit in Logaweng ist unweigerlich zu Ende. Es bleiben mir noch drei Tage hier. Am Freitag, so plane ich es auf jeden Fall, werde ich nach Lae fahren, um dann am Sonntag früh nach Port Moresby und dann am Nachmittag weiter nach Brisbane zu fliegen.
Die letzte Woche habe ich sehr genossen, vor allem das Wochenende. Es ist Ende Juli und es hat ein ganzes Wochenende keinen Tropfen Regen gegeben. Ein Wochenende wie im Januar. Am Freitagabend habe ich mit meinem Library-Staff ein großes Pizzabacken veranstaltet. Mit viiiiieel Dosenfleisch, so wie die das hier mögen. Über die Mengen, die hierverspeist werden können, kann ich nur immer wieder staunen. Der Abend mit meinen Freunden war wunderschön, wir haben bis in die frühen Morgenstunden hinein zusammengesessen.
Am Samstag habe ich das gute Wetter genutzt und bin nach Butaweng gelaufen. Ich habe mir dabei viel Zeit gelassen, viele Fotos gemacht und viel Smalltalk betrieben. Es war mein letzter Fußmarsch nach Butaweng und einer der schönsten, die ich jemals hatte. Ich habe sehr viele bekannte Gesichter getroffen, auch viele unbekannte.
Das werde ich in Deutschland sehr vermissen. Die Gespräche auf der Straße, an jeder Ecke und aus jedem Haus gegrüßt zu werden und zu grüßen. In Fiji Menschen auf der Straße zu begegnen, die nicht gegrüßt haben, war mir sehr fremd.
Am Samstag war ich ein letztes Mal im Butaweng-Pool schwimmen. Es war anders als sonst. Der viele Regen hat sich bemerkbar gemacht. Später habe ich Freunde besucht.
Am späten Abend war ich wieder zu Hause und habe mir anschließend ein paar Worte für den folgenden Tag zurechtgelegt.
Am Sonntag bin ich hier offiziell verabschiedet worden. Am Morgen gab es ein Singsing der Kinder, danach einen Gottesdienst. Anschließend trafen wir uns alle im Haus Bung, wo es eine kleine Stärkung und anschließend Programm gab. Studenten haben Lieder gesungen und gesprochen. Ich bin großzügigst beschenkt worden. Zum Schluss sprach ich.
Mir ist dieser Tag, vom Singsing bis zur letzten Unterhaltung am späten Abend, sehr sehr schwer gefallen. Ich habe das nicht verbergen können.
Ich muss hier nun wahnsinnig viel zurücklassen. Jetzt, wo ich Dinge zum letzten Mal tue und meine Stunden gezählt sind, weiß ich wirklich wie sehr mir meine Mitmenschen und dieser Ort ans Herz gewachsen sind. Ich versuche mich daran zu erinnern, wie es war all das zu sehen und sich fremd zu fühlen. Wie es war auf dem Truck zu sitzen und auf fremden Straßen zu fahren, die Menschen zu sehen und nicht auseinanderhalten zu können, da sie doch alle gleich aussahen. Die so fremde Vegetation, die Gerüche. Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nicht mehr wie es war, sich hier fremd zu fühlen. Ich fühle mich hier zuhause.
Jeden Tag kommt nun viel Besuch. Ich habe immer einen heißen Kessel Wasser auf dem Herd.
Ich müsste eigentlich von jedem ein Foto machen, der auf dem Sessel in der Küche Platz nimmt und später zählen.
Mein Haus leert sich so langsam. Die Weltkarte in der Küche sowie einige andere Karten haben ihren Platz in der Bibliothek gefunden. Nun sitze ich also wieder vor einer weißen Wand. Viel Kleidung wird hierbleiben. Dazu noch diverser Kleinkram.
Ich spiele gedanklich mehrmals täglich „Ich packe meinen Koffer“. Eigentlich ziemlich einfach. Ich muss deutlich weniger bedenken, als ich es in Deutschland musste. Kleidung und Geschenke. Dazu mein Computer, mein Messer, meine Aufladekabel, meine Sonnenbrille, Tagebücher etc. und Zahnbürste und Co. Kein Mückennetz, keine Medikamente und und und . Dennoch bereitet mir mein Rückreisegepäck mehr sorgen, denn ich muss durch den australischen Zoll. Im Februar durfte ich mich ja bereits einmal als Krimineller fühlen und überall von Hunden beschnuppern lassen. Wie ich den freundlichen Beamten meine Holzspeere, die Steinaxt, die vielen Muschelketten, die Schnitzereien, die Jagdtrophäe und die vielen natural Bilums erklären soll, weiß ich noch nicht. Mit einem freundlichen Lächeln komme ich sicher nicht weit. Wir werden sehen.
Jetzt genieße ich meine letzten Tage und hoffe dass ich heil nach Lae kommen werde. Natürlich fährt das Schiff immer noch nicht.
Bis ganz bald und viele Grüße,
Johann