zwei Kinder

zwei Kinder
drei Gesichter aus PNG

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Drei Mädchen aus dem Dorf Nanduo

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Mr. Johann Hempel
Senior Fierl Seminary
Private Mailbag "Logaweng"
Finschhafen 435
Morobe Province
Papua New Guinea

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Sonntag, 26. Dezember 2010

Frohe Weihnachten!

Ich hoffe sehr, dass ihr ruhige und gemütliche Weihnachtstage verlebt habt. Die jugendlicheren unter euch sind nach 22 Uhr hoffentlich auf ihre Kosten gekommen;)

Den letzten Bericht habe ich vor Weihnachten geschrieben, doch erst jetzt rausgeschickt. Ich habe ihn nicht mehr verändert. Weihnachten habe ich dieses Jahr in kleinem Kreise gefeiert. Doch so richtige Weihnachtsstimmung kam in diesem tropischen Klima nicht auf. Adventssonntage vergingen, ohne dass mir auffiel, dass es ein Sonntag des Advents war.

Aber nun geht es ja auf Neujahr zu…

 

Gerade bin ich damit beschäftigt, meine Fotos zu sortieren, von welchen ihr in den nächsten Tagen einige zu sehen bekommen werdet. Bei all den Erzählungen von weißen Weihnachten, muss ich jetzt langsam mal gegenhalten!

 

Halbwegs weihnachtliche Grüße aus dem sonnigen Neuguinea,

 

Johann.

 

 

Samstag, 25. Dezember 2010

Sandmann statt Schneemann

Weihnachten steht vor der Tür, höchste Zeit, dass ich mal wieder etwas von mir hören lasse. Ich habe in den letzten vier Wochen viel erlebt. Ende November reiste ein deutscher Pastor ab, der sieben Wochen am Seminar unterrichtet hatte. Nun habe ich keinen Nachbar mehr, schade. Aber im Januar wird sich das wieder ändern, was mich sehr freut!

Am 5ten September hatten wir in Logaweng Graduation. Ein großes Ereignis, fast 600 Gäste waren angereist. In den Wochen vorher hatten die Studenten diverse Vorbereitungen getroffen. So waren überall Bambusunterstände hochgezogen worden, unter welchen die Gäste schlafen sollten. An den Stränden hatte man Steine für das Mumu gesammelt.

Mumu ist eine traditionelle Art zu kochen. Steine werden in einem Feuer erhitzt und dann in ein Erdloch gelegt. In Schichten füllt man das Erdloch nun mit Schweine- oder Rindfleisch, Kaukaus, Taro, Kochbananen, Taweng, Kumu etc.. Wenn alle Zutaten in das Loch gelegt wurden, wird dieses mit Bananenblättern abgedeckt. Nach mehreren Stunden kann man die Blätter abnehmen und ein herrliches Essen genießen.

Am Wochenende vor der Graduation waren wir in verschiedene Dörfer gefahren und hatte Kokusnüsse und Schweine geholt. Das Schlachten und der Umgang mit Schlachttieren werden hier anders gehandhabt, als in Deutschland. Da die Menschen keine Kühlschränke haben, muss das Fleisch sofort verzehrt werden. Meistens wird das Schwein erst geschlachtet, wenn anderes Essen bereits zubereitet wurde. Da ein Schwein ziemlich teuer ist, wird nur zu besonderen Anlässen geschlachtet. Mit den Beinen an Bambusstangen gebunden, brachte man viele Scheine heran. Zwei Kühe fielen der Graduation ebenfalls zum Opfer. Einer der Studenten hatte sein Vikariatsjahr in Sialum (85 Kilometer nördlich von hier) verbracht. Zur Graduation spendete man zwei Kühe. Da es hier natürlich keine Viehtransporter gibt, legte man mit den Kühen einen zweitägigen Gewaltmarsch zurück. Und das bei diesen Temperaturen, dass muss man sich mal vorstellen.

Das Graduationwochenende habe ich wirklich sehr genossen. Überall waren Menschen, überall war etwas los. Ich konnte beim Schlachten helfen, was sehr spannend war. Nachdem mir Studenten erklärt hatten, wie man hier eine Kuh tötet, hatte ich der Schlachtung etwas skeptisch entgegengesehen. Letztendlich war ich jedoch erleichtert, wie gut die Männer ihr Handwerk verstanden. Die Art zu zerwirken war mir allerdings etwas fremd. Das Schwein wurde einfach in Streifen geschnitten. Sozusagen portionsfertig. Hier wird wirklich nichts weggeschmissen. Dinge, die in Deutschland niemand essen würde, werden hier verschenkt und mit großem Appetit gegessen. Zwei Tage vor der Graduation war es zu einer Art Notschlachtung gekommen. Eines der Schweine hatte den Transport nicht überlebt. Also musste schnell zerwirkt werden. Vor einem machen die Niuginis dennoch halt und das sind die Borsten. So gnädig ist man immerhin. So wickelten wir den leblosen Tierkörper in Bananenblätter ein, um das Ganze dann anzuzünden. Die Borsten, die nicht verbrennen, kann man dann später zwischen seinen Zähnen wiederfinden. Ja, das macht Spaß..!;)

Ich hoffe, ich verderbe euch jetzt nicht den Appetit auf Weihnachtsgänse, welche ihr hoffentlich verzehren könnt. Zum Glück haben diese Tiere bekanntlich ja keine Borsten und Federn lassen sich leichter entfernen.

Zurück zu unserem Schwein. Da alle Stücke gleich groß sein sollten, dauerte es etwas, bis man endlich genaue „Ziellinien“ auf den Tierkörper gezeichnet hatte, denen dann das Messer folgen sollte. Ich ahnte bereits was folgen sollte und zog mich langsam aber sicher zurück. Zwei Stunden später passierte das, was ich befürchtet hatte. Ein Student rief an und fragte, ob er einen „kleinen Teil“ seines Schweines in meinem Kühlschrank verstauen dürfe. Es sei wirklich nicht viel. Auf die Frage, wo er denn den Rest des Schweines lagern wolle, sagte er, dass er das längst alles organisiert hätte. Ich solle mir keine Sorgen machen. Zehn Minuten später standen vier Männer bei mir auf der Matte – natürlich mit dem ganzen Schwein. Das Fleisch war bereits eine Liebesbeziehung mit einem halben Ameisenhaufen eingegangen. Und als Liebesnest sollte also mein Kühlschrank dienen.

Wie wir dieses Problem lösten, bleibt aus guten Gründen unerwähnt..;)

  

 

In der Woche vor der Graduation war ich von morgens bis abends beschäftigt gewesen, Materialien zu den Themen Gewaltüberwindung und Konfliktmanagement zu sortieren und zu vervielfältigen. Aus Übersee hatte die zuständige Lehrerin eine Spende erhalten, die das Kopieren von Filmen möglich machte. Die meisten Studenten werden allerdings in Gegenden leben und arbeiten, wo es keinen Strom gibt. Manchmal gibt es aber einen Generator, mit dessen Hilfe man ab und zu einen Film zeigen kann. Vielleicht..

Ich hatte in der Woche vor und am Wochenende der Graduation sehr viel zu tun. Dennoch nahm ich mir die Zeit, einfach von einem Feuer zum nächsten zu schlendern und mich mit den Gästen zu unterhalten. Es war wirklich schön, so viel Leben um sich zu haben.

Leider ist hier jetzt Ruhe eingekehrt. Fast alle Studenten haben Logaweng verlassen und sind mit ihren Familien auf ihre Dörfer gegangen. Ab Morgen werden nur noch vier von ihnen hier sein. Alle Häuser sind leer, tagsüber sehe ich nicht mehr viele Menschen. Nachts müssen immer zwei wach bleiben, um aufzupassen, dass dem Seminar keine Beine wachsen. Wir sitzen nachts lange am Feuer und unterhalten uns, trinken Tee oder machen andere Dinge. Vorgestern haben wir nachts fliegende Hunde gejagt. Oft hatte ich nachts die kräftigen Flügelschläge gehört, doch war ich stets davon ausgegangen, dass es sich um Eulen handeln würde. Als ich diese riesige Fledermaus das erste Mal aus der Nähe sah, war ich wirklich erstaunt, wie groß diese Fledermäuse sind. Nachts fressen die Fledermäuse reife Papayas, die noch nicht geerntet wurden. Mit einer Taschenlampe versuchten wir die Tiere zu blenden und dann mit der Zwille zu treffen. Ich war wirklich beeindruckt, wie präzise die Niuginis mit diesen kleinen Waffen umgehen können.

Die Zeit um Weihnachten und Neujahr ist in Neuguinea meist eine etwas unruhigere.

Die Zeit vor und nach Weihnachten ist die Hauptreisezeit des Jahres. Die meisten Menschen gehen auf ihre Dörfer, um dort mit ihren Wantoks zu feiern. Die Reise kostet Geld. Zudem wollen die Menschen das Weihnachtsfest verständlicherweise so festlich wie möglich verbringen. Oft bedeutet das, dass auf den Straßen deutlich mehr betrunkene und gewaltbereite Menschen herumlaufen. Vermehrt kommt es zu Überfällen. Im Januar fallen viele Zahlungen an. So müssen im Januar für ein ganzes Jahr die Schulgebühren gezahlt werden. Viele Menschen haben das Geld nicht und versuchen es sich irgendwie zu besorgen.

In der letzten Woche ist die Fähre aus Lae jedes Mal komplett überfüllt angekommen. Viele Fremde sind in Finschhafe. Zudem ist eine neue Einheit der Taskforce eingetroffen, welcher man nicht gerade sanfte Umgangsformen nachsagt. Wir halten hier oben alle Augen offen.

 

Logaweng ist zu einem stillen Ort geworden, was ich sehr schade finde. Dennoch habe ich nun mehr Zeit, um mehr von Finschhafen zu sehen.

Vor zwei Wochen bin ich mit einer deutschen Lehrerin und zwei Studenten die Küste nach Norden hochgefahren. In Sialum, ca. 85 Kilometer nördlich von hier, übernachteten wir im Haus Win eines Pastors.

Der Ausflug nach Sialum war traumhaft. Wir kamen mit dem Auto nur sehr langsam voran, da die Straße kaum noch eine Bezeichnung als solche verdient. Immer wieder hielten wir an, um in irgendeinem Fluss oder im Meer zu schwimmen. Besonders faszinierend war zu sehen, wie radikal sich das Landschaftsbild veränderte. Nachdem wir einen etwas breiteren Fluss durchquert hatten, war Schluss mit immergrünem Urwald. Von dort an fuhren wir durch eine weite, hügelige Graslandschaft. Immer am türkisen Südpazifik entlang. Wenn das Meer eine etwas dunklere Farbe gehabt hätte und die Palmen nicht da gewesen wären, hätten wir auch in Irland sein können.

Weniger irisch waren allerdings die paradiesischen Strände, an denen wir immer wieder vorbeifuhren. Palmen, weiße Strände und türkisestes Wasser. Einfach nur traumhaft.

In dieser Woche bekam ich die Chance, nach Tami Island zu fahren. Tami liegt vor der Küste Finschhafens. Die Menschen von dieser Insel sind im ganzen Land berühmt für ihre Schnitzereien. Schüsseln, Löffel, Schalen und vieles mehr, schnitzen die Tami mit der Hand. In Malasiga (das Dorf, in welchem der kleine Johann lebt) hatte ich vor ein paar Wochen schon einige Schnitzereien gekauft.

Auf Tami gibt es ein kleines Gästehaus, in welchem wir schlafen konnten. In einem Reiseführer für Neuguinea wird Tami Island als ein Ort beschrieben, an welchem man das Klischee vom Südseeparadies bestätigt findet. So war es auch. Weiße Strände, türkises Wasser. So schön es über Wasser ist, die Unterwasserwelt Tami Islands ließ mich wirklich staunen. Bunte Fische aller Art, kleine Nemos und Korallen. Im August sah ich mir den Film „Verschollen“ an. Tom Hanks spielt in „Verschollen“ einen FedEx-Mitarbeiter, der einen Flugzeugabsturz überlebt und vier Jahr auf einer einsamen Insel im Pazifik lebt. Tami ähnelte dieser Insel sehr, nur dass dort ein paar mehr Menschen leben. Deutlich mehr Menschen. Erschreckend viele mehr. So paradiesisch die Natur dort ist, so hart ist das Leben. Es gibt kaum Süßwasser. Die Menschen haben ein paar Löcher gegraben, wo sie sich in einem dreckigen Brackwassergemisch waschen können. Trinkwasser beziehen die Menschen aus Regenwassertanks, die sie aufgestellt haben. Wenn es nicht regelmäßig regnet, gibt es kein Trinkwasser. Richtige Gärten können die Tamis keine anlegen, da der Boden fast vollständig aus weißem Korallengestein besteht. Jede noch so kleine Lücke im Gestein, hatten die Menschen mit Taro und Taweng bepflanzt.

Schockiert hat mich, wie viele Kinder auf Tami Island leben. In den beiden Dörfern wimmelte es nur so von Kindern zwischen zwei und sechs. Alle anderen hatten die Insel verlassen, um zur Schule zu gehen.

Heute ist jeder zwei Einwohner Papua Neuguineas unter 18 Jahre alt. Die Wachstumsrate der Bevölkerung ist dramatisch hoch. Die Bewohner Tami Islands können sich nicht mehr ohne Hilfe vom Festland ernähren. Die Regierung PNGs hat für die Tamis vor vielen Jahren Land an der Küste gekauft, damit Menschen von der Insel dort siedeln können. Doch wenn die Folgen des Klimawandels hier einschlagen werden, werden die Menschen die Insel ganz verlassen müssen.

 

Nun bin ich schon über drei Monate in Neuguinea. Ich bin hier angekommen und habe mich hier eingelebt. Vieles, was für mich anfangs ungewohnt und befremdlich war, ist normal geworden. Oft im Mittelpunkt zu stehen oder viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Anfangs war es für mich sehr befremdlich, auf dem Markt oder auf der Straße angestarrt zu werden. Es kommt oft vor, dass ich an einem Ort der einzige Weiße weit und breit bin.  Aufmerksamkeit ist mir dann sicher, doch mich stört das nicht mehr.

Es ist schön, durch die Gegend zu laufen und bekannte Gesichter grüßen zu können. Oft brauche ich dann für eine Strecke länger, da ich unterwegs viele treffe, mit denen ich mich unterhalte. Kontakte sind hier sehr wichtig, in diesem Land läuft alles über das berühmte „Vitamin B“. Auf der Straße bekannte Gesichter zu grüßen, gibt mir das Gefühl, nicht mehr ganz so fremd zu sein. Dennoch bin ich als Weißer immer anders und werde anders behandelt. „Mittendrin und doch am Rand“. Eine bessere Bezeichnung gibt es nicht.

 

In zwei Tagen soll also Weihnachten sein. Bei 33 Grad und einer drückenden Luftfeuchtigkeit sind bei mir bisher keine weihnachtlichen Gefühle aufgekommen. Ab und zu höre kommen ein paar Neuigkeiten zur Wettersituation in Deutschland und dem Rest Europas durch. Weiße Weihnachten scheinen euch allen wohl garantiert. Hier werden es eher heiße Weihnachten werden. Und sollte jemand mich spontan besuchen wollen, die „Flughäfen“ sind alle in Betrieb und werde gewiss nicht geschlossen werden!

Ich bin sehr gespannt, wie dieses Weihnachtsfest werden wird. Hohe Erwartungen habe ich nicht. Ich freue mich einfach darauf.

Gerade ist hier Mangozeit. Ich muss wirklich sagen, dass ich keine Frucht lieber esse, als Mango. Ich könnte mich ausschließlich von ihr ernähren. Zu Weihnachten werde ich einen Mangocrumble machen. Probieren kann ich es ja mal, ich garantiere wie immer für nichts;)

 

Wenn ich an Weihnachten in Deutschland denke, werde ich etwas wehmütig. Schnee, Glühwein und co. sind wirklich etwas Schönes. Doch nächstes Jahr habe ich das alles wieder. Ich freue mich, Weihnachten einmal anders zu erleben. Immerhin muss ich mich dieses Jahr am Heiligen Abend in der Kirche nicht um Plätze prügeln, sondern kann mich hinsetzten, wo ich will. Es wird nämlich kaum jemand da sein.

 

Gerade jetzt in der Weihnachtszeit denke ich besonders viel an Hamburg. Heiße Weihnachten sind eben etwas ganz anderes. Einen Sandmann zu bauen, versuche ich am besten gar nicht erst;)

Ich wünsche euch allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und sende euch allen liebeGrüße aus Neuguinea.

 

--  Mr. Johann Hempel Senior Fierl Seminary Private Mailbag "Logaweng" Finschhafen 435 Morobe Province Papua New Guinea  digicel: 00675 736 18 171 telikom: 00675 431 10 12 www.neuguinea.blogspot.com

Samstag, 20. November 2010

Johann!

 

Ich habe heute einen traumhaften Tag verlebt. Morgens bin ich um kurz vor fünf aufgestanden und mit ein paar Studenten die Straße heruntergegangen, um Grass zu schneiden. Gestern Abend hatten wir länger zusammengesessen, ich war also dementsprechend müde.

Jeden Montag und jeden Mittwoch gibt es zwei Stunden Communitywork. In dieser Zeit werden alle allwöchentlichen Arbeiten erledigt, die am Seminar anfallen. Rasen mähen, Blumenbeete pflegen, etc.

Alle Mitarbeiter der Bibliothek treffen sich während der Communitywork in der Bücherei. Ich teile dann Arbeiten zu, die erledigt werden müssen.

Fällt eine größere Arbeit an, wie zum Beispiel das Roden einer Fläche für einen neuen Garten, dann findet das samstags statt.

Heute Morgen  haben wir an der Straße, die von der Küstenstraße nach Logaweng führt, Grass geschnitten. Die Niuginis benutzen dazu Grassmesser, welche man als längere Buschmesser beschreiben kann. Ich hatte schon vorher Grass geschnitten, jedoch nur wenig. Der alltägliche Kampf gegen den Busch hinter meinem Haus;)

Die Niuginis können mit diesen Messern unglaublich präzise umgehen. Es hätte auch ein Rasenmäher sein können. Während alle um mich herum fröhlich die Messer schwangen, konnte ich bald nicht mehr. Mal wieder hatten sich Blasen gebildet, mein Rücken tat weh. „Whiteskin- Krankheiten“.  Kurz gesagt: Ich war wirklich im Eimer.

Ziemlich schnell übernahm ich die Aufgabe der Unterhaltung. Die üblichen Stories. Deutsche Autobahnen, Hafen, Polizei und so weiter. Ehe und Traditionen behandelten wir auch. Ich musste versprechen ein Foto zu schicken, sollte ich einmal heiraten.

Immer wieder bin ich beeindruckt von der Ausdauer, mit welcher die Menschen körperliche Arbeiten verrichten. Täglich gehen die Menschen in ihre Gärten, um diese zu pflegen und Nahrungsmittel zu beschaffen. Da die Gärten oft nicht in unmittelbarer Nähe liegen, müssen mehre Kilometer zurückgelegt werden. Natürlich zu Fuß.

Während mich das Grass Schneiden wirklich Kraft kostete, zeigten alle Menschen um mich herum eine außergewöhnliche Ausdauer.  Gut, mein Messer war kürzer als die der anderen und ich bin ja bekanntlich auch nicht der Kleinste, aber trotzdem.

Um neun war ich zu Hause, frühstückte und fuhr dann in ein Dorf direkt am Meer. Ein traumhafter Ort, Südseeparadies. Die Bambushütten liegen unmittelbar am Wasser, dazwischen Palmen. Die Menschen in Malasiga und auf Tami Island (kleine Insel vor Malasiga) sind berühmt für ihre Schnitzereien. In mühsamer Handarbeit stellen die Einwohner Malasigas und der Taiinseln kunstvoll gearbeitete Schüsseln, Skulpturen und viele andere beeindruckende Dinge her. Ich kaufte etwas, einen wunderschönen Stab.

Wir sahen uns das Dorf an. Eine junge Frau schenkte mir eine schöne Muschel, was mich sehr freute. Ich genoss es in Malasiga, ein traumhafter Ort.

 

Als ich gerade ins Auto steigen wollte, passierte etwas, was mich zutiefst rührte. Eine Frau kam auf mich zu. In dem einen Arm hielt sie Geschenke für mich -  in dem anderen ein Baby. Sie sagte mir, dass sie ihrem Kind soeben den Namen „Johann“ gegeben hatte. Ich muss sagen, dass ich in diesem Moment wirklich sprachlos war. Ich war so gerührt, dass mir dir Worte fehlten. Diese Frau hatte mir eine enorme Ehre zu Teil werden lassen, zumindest empfand ich es als solche. Meine Sprachlosigkeit wurde schnell durch äußerste Freude und Dankbarkeit verdrängt, doch ein flaues Gefühl im Magen blieb.

 

Und nun zu meinem Namensvetter. Johann ist ein wunderschönes Kind, vielleicht das Schönste, das ich jemals sah. Perfekter Körperbau, er wird bestimmt groß werden! Strahlende Augen, ein elegant geformter Mund und eine perfekt geformte Nase! Als Baby hatte ich weißblonde Haare, „Malasiga-Johann“ hat das nicht. In allem anderen sehen wir uns aber seeeehr ähnlich!

Zumindest in seinem Aussehen macht er seinem Namen wirklich alle Ehre!

Könnte glatt von mir sein – ist er aber nicht! Die Haare..;)

Johann wurde von allen Seiten fotografiert. Ich werde ihn besuchen und bin sehr gespannt, wie er sich entwickelt! Foto folgt!

 

Den restlichen Tag verbrachte ich in Butaweng. Kaffee bei einem deutschen Ärzteehepaar, anschließend schwimmen mit Judith im Butaweng-Pool. Im Mondlicht lief ich den Berg nach Logaweng hinauf.

Und nun sitze ich in meinem Haus und freue mich über den vergangenen Tag. Morgen steht eine Menge an. Meine Waspapagruppe feiert ihre Abschlussfeier. Kochen mit allen Familien, irgendwelche Spiele spielen und dann Essen, bis der Arzt kommt. Gutes Programm!

Mittwoch, 17. November 2010

Er lebt noch...

Jetzt ist es schon fast fünf Wochen her, dass ich mich das letzte Mal gemeldet habe. Sorry!!! Ich war eine Woche nicht hier. Dann brach mein Internet zusammen, beziehungsweise mein Mailprogramm.

Über das örtliche Handynetz kann ich Mails herunterladen, was allerdings nicht ganz billig ist. Nun hat mir irgendjemand eine Mail mit Anhang geschickt. Der Anhang muss wirklich groß sein, wahrscheinlich viele wunderschöne bunte Bilder oder ähnliches. Wenn ich Glück habe mit einer gaanz modernen Kamera aufgenommen. Je mehr Pixel, desto größer die Datei und so weiter. Diese Mail schwirrte also in meinem Posteingang herum und blockierte jeglichen Download. Nun klappt es zum Glück wieder. Seit Tagen suche ich nach einer Einstellung, mit welcher ich Mails ab einer bestimmten Größe für den Download sperren kann. Wenn jemand weiß, wo das bei Outlook 2010 geht, bitte melden!

Noch einmal die Bitte: Sollte mir jemand eine Mail schicken, bitte KEINE ANHÄNGE!

 

Was ist passiert, seit ich das letzte Mal schrieb? Eine ganze Menge!

Zuerst einmal eine etwas unglückliche Geschichte. Ich habe mich an der Unterseite meines kleinen Zehes geschnitten. Wie mir das passiert ist, bleibt aus guten Gründen unerwähnt;)

Der Zeh musste genäht werden. Bei diesem Klima braucht es sehr lange, bis so etwas verheilt. Entzündungen sind keine Seltenheit. Aus einem kleinen aufgekratzten Mückenstich kann schnell etwas werden, das einen mehr als zwei Minuten am Tag beschäftigt.

Der Fuß musste also genäht und verbunden werden. Das heißt auf Deutsch: Kein Schwimmen, eingeschränkte Mobilität und so weiter. Die Aktion kam mir wirklich mehr als ungelegen. Doch so bin ich eben;)

Da mein Fuß trocken bleiben musste, durfte er leider nicht mehr mit dem Rest des Körpers duschen. Also Stuhl neben die Dusche, Fuß einpacken, Vorhang drüber und los geht’s. Nach einer Woche war das eigentlich ganz normal, am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig.

Am Tag nachdem mein Fuß genäht wurde, flog ich nach Madang. Madang ist eine Stadt an der Nordküste Neuguineas.  Mit einer kleinen Cessna-Maschine starteten wir morgens in Gagidu.

Während des zweiten Weltkrieges spielte sich hier in Finschhafen eine ganze Menge ab. Japaner und Amerikaner lieferten sich härteste Kämpfe. Von der Straße sieht man manchmal Stellen im Wald, an welchen der Boden betoniert ist. Der Busch hat sich einen Großteil wieder zurückerobert. Altes Kriegsgerät, aus welchem Bäume und Sträucher wachsen, ein interessanter Anblick.

Ein paar Männer erzählten, dass der Flughafen in Gagidu einmal der weltweit am zweitöftesten angeflogene gewesen sei. Ob ich dem wirklich Glauben schenken kann, weiß ich nicht so recht.

Egal, wir sollten also nach Madang fliegen. Tags zuvor musste der Flughafen erst einmal gemäht werden. Eine anstrengende Arbeit, die ich zum Glück nicht erledigen musste. Der Flug war wunderschön, ich konnte tolle Bilder von Logaweng und der Küste aus der Luft machen. Plötzlich meinte ich jedoch einen etwas säuerlichen Geruch wahrzunehmen. Irritiert drehte ich an dem Schalter für die Belüftung, bis sich dann herausstellte, dass einem etwas jüngeren Passagier ein kleines Malheur passiert war. Da half auch die beste Tüte nichts mehr. Ich saß genau hinter dem besagten Passagier, was sich dann jedoch als Vorteil herausstellte. Da das Flugzeug eine leichte Rücklage hatte, war das Problem bald an mir vorbeigezogen;)

In einem kleinen Flugzeug sorgt so ein Vorfall schnell für gute Laune. Ich fand den Vorfall in der Tat amüsant, andere Insassen leider weniger.

Es war sehr nett in Madang alle Überseemitarbeiter der Kirche zu treffen. Gerade in so einem Land ist es immer gut zu wissen, wer wo ist und wen man wann kontaktieren kann.

Am Montag den 25 Oktober fuhren wir dann nach Lae. Dieses Mal allerdings mit dem Auto und nicht mit dem Flugzeug. Mit dem Auto zu fahren hat den großen Vorteil, dass man einfach mehr sieht.

Die Fahrt nach Goroka ins Hochland hatte mich sehr fasziniert. Die Fahrt von Madang nach Lae war allerdings etwas weniger spannend. Immer wieder spaßig sind jedoch die Straßenverhältnisse. So eine Straße in Deutschland würde dafür sorgen, dass das Landschaftsbild durch unzählige Schilder mit der Aufschrift „Straßenschäden“ verschandelt werden würde. Wenn man jedoch die jetzige Verkehrssituation auf deutschen Autobahnen bedenkt, kann man davon ausgehen, dass eine Dauerbaustelle entstehen würde.

Wir konnten auch erst losfahren, nachdem noch ein Reifen gewechselt und ein neuer Ersatzreifen gekauft worden war. Jeder Autofahrer sollte niemals losfahren, ohne mindestens einen Ersatzreifen bei sich zu haben.

In Lae wohnte ich bei einem amerikanischen Ehepaar. Ich habe die Abende, die wir zusammen verbrachten, wirklich sehr genossen.

Die Tage verbrachten wir mit Einkaufen und anderen Erledigungen. Um halb acht am Morgen ging es los, um fünf Uhr nachmittags waren wir wieder da. Da ich wahrscheinlich erst im Januar wieder nach Lae kommen werde, kaufte ich eine Menge ein. Den ganzen Tag fuhren wir von Supermarkt zu Supermarkt. Apotheken, Stationaries und diverse andere Läden standen auch noch auf unserer Liste.

In Lae gibt es ein paar Restaurants und Hotels, wo man abends hingehen kann. Den „Lae Yachtclub“ ein chinesisches Restaurant beim Golfclub und die zwei Hotels der Stadt. So nett es dort ist, so befremdlich ist es auch zu sehen, dass in diesen Restaurants fast nur Weiße verkehren. Manche haben dann noch irgendein junges Mädchen dabei, welches in kürzestem Rock und übertrieben geschminkt auftritt. Die Männer sind meistens australische Geschäftsleute.

Am Donnerstagmorgen (28.10) waren wir noch auf dem Markt, bevor es auf das Schiff nach Finschhafen ging. In und um Lae herum wachsen nicht viele Obst- und Gemüsesorten. Genau wie hier gibt es Suesskartoffeln, Tarowurzeln, Kumu, etc.. Eben das typische Essen. Im Hochland hingegen wächst viel mehr. Gemüse und Obst gibt es dort oben in Hülle und Fülle. Mit Lastwagen wird vieles nach Lae gebracht und dann dort auf dem großen Markt verkauft. Leider hatten wir nur sehr wenig Zeit. Ich kaufte alles, was ich irgendwie in die Hände bekam. Wie gerne hätte ich hier in Finschhafen ein Angebot, welches nur annährend so vielfältig ist.

An den Stellen, wo eine Straße aus den höher gelegenen Ebenen auf die Küstenstraße trifft, kann man auch einiges kriegen. Doch meistens leider nicht in Gagidu.

 

Das erste Wochenende wieder in Finschhafen verbrachte ich auf einem Dorf. Um halb sechs am Samstag fuhren wir in Logaweng los. Vier Studenten, zwei Lehrer und ich. Die Fahrt ging Richtung Norden an der Küste entlang. Nach einer Dreiviertelstunde bogen wir ab und fuhren auf den Sattelberg und dann noch ein wenig weiter.

Wenn man die Küstenstraße verlässt geht es sofort bergauf. Ziemlich schnell wird es kühler.

Ziel unseres Wochenendausfluges war ein Dorf namens Nanduo.  Ein Guestteacher aus Deutschland, der für zwei Monate hier ist, sollte dort am Sonntag predigen.

Um halb sechs waren wir in Logaweng aufgebrochen. Bis war dann letztendlich in Nanduo waren, war es fast fünf Uhr am Nachmittag. Unterwegs hatten wir noch einen Spaziergang zu einem andern Dorf unternommen. Geplant war es, dort eine kurze Rast einzulegen um dann wieder zurück zur Straße zu laufen.

Doch es kam alles anders. Ich lernte ziemlich schnell, dass man zu einem Besuch auf einem Dorf sehr, sehr viel Zeit mitbringen sollte. Nichts wird so kommen, wie man es geplant hat. 

Als wir in dem Dorf ankamen, wurden wir in das „Haus Bung“ des Dorfes gebeten. Eine Versammlungshütte, in welcher sich die Dorfältesten und andere wichtige Personen treffen, wenn es etwas zu besprechen gibt. Nach Begrüßungsformeln aßen wir Ananas und Zuckerrohr. Allerdings nur wir Gäste, die Dorfältesten aßen nicht. Als wir später eine warme Mahlzeit serviert bekamen, aßen anfangs auch nur wir Gäste. Die Dorfältesten aßen nicht, obwohl genug Essen für alle da war. Als wir Gäste gegessen hatten, füllte einer der Studenten Essen auf weitere Teller und gab diese den Dorfältesten. Fünf Minuten ließen diese ihre Teller unangerührt vor sich stehen, bevor sie sich mit Heißhunger über ihre Portionen hermachten. War es eine Reaktion des Stolzes, dass die Dorfältesten ihre Teller erst nicht anrührten, gar nicht beachteten, bevor sie aßen? Ich weiß es nicht.

Als wir das Dorf verließen, waren wir mehrere Stunden dort gewesen. Wir hatten zwei Mal gegessen, hatten einen Rundgang durch das Dorf gemacht, mit den Dorfältesten Mittagsschlaf gemacht, Geschichten erzählt und gehört und herumgesessen. Wir brachen auf, als man der Meinung war, wir könnten jetzt aufbrechen und das dauerte eben ein bisschen.

Gegen fünf kamen wir in Nanduo an, wo wir sehr herzlich begrüßt wurden. Eine Familie hatte uns ihre Hütte überlassen, in welcher wir die Nacht verbringen sollten. Auch hier bekamen wir Essen und man kümmerte sich rührend um uns. Immer wieder begegnet mir in diesem Land eine unglaublich herzliche Gastfreundschaft.

Strom gibt es in Finschhafen nur sehr begrenzt. Gagidu, die größte Ortschaft Finschhafens, hat Strom. Weiter in Richtung Norden gehen die Leitungen bis nach Butaweng, wo das Krankenhaus ist. Logaweng liegt auf einem Berg zwischen Gagidu und Butaweng und hat daher Strom. Bis auf Heldsbach haben die anderen Ortschaften keinen Strom. Alles was nicht an der Küstenstraße liegt, sowieso nicht. Heldsbach verfügt über ein kleines durch Spenden finanziertes Wasserkraftwerk.

Das erste Mal in meinem Leben habe ich in einem Dorf übernachtet, welches dauerhaft keinen Strom hat. Dessen wurde ich mir erst bewusst, als ich dort war und mir am Wasserkanister die Zähne putzte. Ohne durch Strom erzeugtes Licht die Abende zu verbringen, ist nicht das Problem. Es gibt genug andere Möglichkeiten. Ohne Strom gibt es jedoch kein fließendes Wasser und das ist es, was man wirklich merkt. Auf den Dörfern müssen die Menschen jeden Liter irgendwo herholen.

In Naduo hatte man uns ein Haus zur Verfügung gestellt. Eine Hütte, welche aus Buschholz gebaut worden war. Das Dach bestand aus Bambusblättern. Hier an der Küste nimmt man Blätter der Sagopalme, doch die wächst in den etwas höheren Gegenden nicht mehr.

Zum Glück hatte ich mir morgens eine Wolldecke eingepackt, es wurde nachts empfindlich kühl. Wieder war ich beeindruckt, wie schnell sich mit der Höhe das Klima ändert. Als wir am Sonntag wieder ans Meer fuhren, konnte ich richtig spüren, wie es mit jedem schwindenden Höhenmeter wieder heißer und schwüler wurde.

 

Den Tag und die Nacht in Nanduo habe ich sehr genossen. Unbedingt möchte ich wieder auf ein Dorf, wenn es geht für längere Zeit. Natürlich ist vieles beschwerlicher, doch man kann sich sicherlich an einiges gewöhnen.

Es gibt keine Wellblechdächer, keine maschinell gefertigten Türen. Alles wird aus Materialen gefertigt, die der Busch hergibt. Bretter müssen eigenhändig hergestellt werden. Das Dach besteht aus Bambusblättern, der Boden aus Bambusmatten. Alle Hütten stehen auf Stelzen, um die Hütte vor Wasser und Kriechtieren zu schützen.

In Nanduo ist es abends um sechs komplett dunkel. Die Menschen sitzen in ihren Hütten um ein Feuer, draußen ist es stockfinster. Keine Straßenlaternen oder hell erleuchteten Fenster. Lange stand ich auf der verlassenen Straße und blickte in den nächtlichen Himmel, welcher aufgrund der vollkommenen Dunkelheit unglaublich beeindruckend aussah. Ein Vorteil des Dorfes ohne Strom!

Es hat mich aber gewundert, wie nachtaktiv die Menschen trotzdem sind. Nachts um eins trugen irgendwelche Mütter Kaukaus und Tee auf, geredet wurde noch deutlich länger.

Ich merke hier wirklich, wie sich mein körperlicher Rhythmus verändert. Ich bin zum Frühaufsteher geworden.

In Logaweng stehe ich morgens um sechs auf. Die erste Stunde beginnt um sieben. Manchmal muss ich aber auch erst um viertel vor acht los. Die frühen Morgenstunden sind meist die Schönsten eines Tages. Ich kann in Ruhe Tee trinken, lesen oder irgendetwas arbeiten. Leider habe ich meine „Lastminute- Eigenschaften“ nicht ganz ablegen können. Oft bin ich morgens daher noch mit Unterricht vorbereiten beschäftigt.

Manchmal setzte ich mich in ein „Haus Win“ (eine kleine offene Buschhütte, welche für Tee und Gespräche gebaut ist) und gucke mir an, wie die Sonne aus dem Meer aufgeht. Ein atemberaubender Anblick.

 

Am 5ten Dezember ist hier am Seminar Graduation. Danach schließt Logaweng für knappe zwei Monate seine Pforten. Die meisten Studenten verbringen die Weihnachtszeit auf ihren Dörfern. Ein Jahrgang muss jedoch hier bleiben um aufzupassen, dass alles an seinem Platz bleibt. Während hier gerade noch sehr viel los ist, wird in der Weihnachtszeit einiges ruhiger. Zeit für Buschwanderungen und andere spaßige Dinge.

Mein Englischunterricht nimmt langsam Form an. Es fiel mir Anfangs etwas schwer von einem Tag auf den anderen ein gutes Unterrichtskonzept zu erarbeiten. In den letzten zwei Monaten konnte ich einiges ausprobieren. In den Ferien möchte ich dann einen Lehrplan erstellen, an welchem ich mich nächstes Jahr orientieren kann. Schwierig ist eben nach wie vor, dass die Kenntnisständer der einzelnen so unterschiedlich sind.

Zurzeit arbeiten wir die verschiedenen Zeiten ab. Gerade sind wir beim „Present Perfect“ angelangt.

Die Bücherei gibt es auch noch. Zum Ende des Jahres besteht meine Hauptaufgabe darin, dafür zu sorgen, dass alle verliehenen Bücher ihren Weg zurück finden, ehe die Studenten Logaweng verlassen. Ich habe vor in der Bücherei vermehrt politische und gesundheitliche Themen zu behandeln. Im ersten Jahr unterrichte ich ein Fach namens „Library Studies“. Ich weise die Studenten in das System der Bibliothek ein und versuche ihnen zu erklären, wie man Gelesenes bewertet und einordnet. Praktisch das, was ich zur Behandlung von Quellen im Geschichtsleistungskurs lernte. Immer wieder kommen Studenten mit Büchern zu mir, deren Inhalt sie als vollkommenen Schwachsinn oder befremdlich bezeichnen. Ich versuche ihnen dann zu erklären, wie man unterschiedliche Autoren behandelt und dass es eben auch interessant sein kann, Texte von Autoren zu lesen, die eine andere Meinung als man selbst haben, da sie vielleicht in einer Gesellschaft mit einem anderen politischen System leben.

 

Gerade lerne ich hier eine ganze Menge zu Konflikten in der melanesischen Kultur. Es gab hier in letzter Zeit zwei Vorfälle, welche uns hier in Logaweng zurzeit sehr beschäftigen.

Im Krankenhaus ist nach langem Leiden der Schwager meines Waspapas (Mentor) gestorben. Aus einem mir unbekannten Grund ist der Verstorbene immer eifersüchtig auf meinen Mentor gewesen. Der Erfolg eines Mannes führt hier oft zu Neidgefühlen anderer. Bei uns ist das ja nicht anders.

Nun ist der Schwager verstorben. In Finschhafen geht nun das Gerücht um, mein Waspapa habe seinen Schwager verzaubert. Der Tod sei aufgrund dieses Zaubers eingetreten. Das ist natürlich kompletter Unsinn, aber die Menschen glauben so etwas.

Hier in Neuguinea funktioniert alles nach dem „Wantok-System“. „Wantok“ bedeutet so etwas wie Clan. In der Regel bestehen diese Clans aus Verwandschaftsverbänden, Sprachgruppen und Dorfgemeinschaften.

Auf knappe sieben Millionen Einwohner kommen in Neuguinea etwa 800 verschiedene Sprachen. Es ist klar, dass Angehörige einer Sprachgruppe ein besonders Verhältnis und Verbundenheitsgefühl verbindet. Zwar spricht der Großteil der Bevölkerung neben der Ortssprache auch noch Tok Pisin, doch eine traditionelle Sprache verbindet.

Leider sterben viele Stammessprachen aus. In Nanduo traf ich jedoch einige Männer, die nur Kote sprachen. Meine Sprachkenntnisse in Kote beschränken sich jedoch auf die Begrüßungsformeln und das wird wohl auch so bleiben.

Wenn ein Wantok eines Mannes ein Problem hat, hat dieser zu seinem Wantok zu stehen. Das Verbundenheitsgefühl unter Wantoks ist, vor allem in Konfliktsituationen, sehr ausgeprägt.

Wenn einem Wantok Schaden zugefügt wird, wird Rache geübt. Meistens geht es um Land, Schweine oder Frauen. Das mag jetzt vielleicht etwas komisch klingen, ist aber so. Solche kämpfe können brutalste Ausmaße annehmen. Vor ein paar Wochen brach zwischen zwei Nachbardörfern ein Kampf aus, bei welchem mehrere Männer ums Leben kamen. Mit selbstgebastelten Waffen waren Männer erschossen worden. Ein Streit um Land war eskaliert. Land ist die Lebensgrundlage der Menschen. Wenn sich die Population eines Dorfes vergrößert, wird mehr Ackerfläche benötigt. Wenn es keine Expansionsmöglichkeiten gibt, kommt es zu Konflikten.

Als nun der Schwager meines Waspapas starb, und ein böser Zauber als Todesursache genannt wurde, wollte der Clan des Verstorbenen Rache üben. Im Heimatdorf meines Waspapas tauchten also bewaffnete Männer auf und brannten die Häuser des „bösen Zauberers“ nieder. Damit nicht genug. Ein paar Tage später kamen die Männer wieder und zündeten auch noch die Häuser der Familienmitglieder meines Waspapas an. Diese wollen sich dies wiederum nicht gefallen lassen und möchten sich jetzt rächen.  Ein Zauber, den es nebenbei erwähnt gar nicht gibt;), kann also die Ursache für monatelange Konflikte und blutige Kämpfe sein.

Meinem Waspapa ist es nun gelungen, seine Familie vorerst davon zu überzeugen, dass Rache in diesem Fall nicht unbedingt das Richtige ist und nur mehr Schaden anrichten würde. Ob diese Einsicht jedoch länger bestand hat, ist mehr als ungewiss. Zum Glück ist mein Waspapa in seinem Wantok ein Mann mit Einfluss, da er Erfolg hat und vieles finanziert. Sobald ein Mann erfolgreich ist, übernimmt er Verantwortung für seine Wantoks. Oft kommt es vor, dass die Schulgebühren eines Kindes von irgendeinem Wantok aus der Stadt bezahlt werden.

 

Nun zum zweiten Vorfall.

Am Wochenende ist bei einer deutschen Frau eingebrochen worden. Es ist nicht das erste Mal, dass bei ihr gestohlen wurde, doch dieses Mal ist die Tür gewaltsam aufgebrochen worden. Vorhergegangene Diebstähle konnten einem Täter zugeordnet werden. Einem 15jährigen Jungen, der mit seiner Familie in Logaweng lebt. Man hatte damals die Polizei informiert, die jedoch nichts unternommen hatte, da der Junge nicht volljährig war und damit den Gesetzen des Vaters unterstand. Damals war allerdings keine Taskforce in Finschhafen.

Bei dem letzten Einbruch am Wochenende ist das Haus nicht vollständig durchsucht worden. Der Täter hat lediglich die Stellen im Haus aufgesucht, an welchen die Wertgegenstände gelegen hatten, die beim letzten Mal gestohlen worden waren. Es ist naheliegend, dass man nun davon ausgeht, dass es wieder der Junge war der schon vorher gestohlen hatte. Zudem hat dieser Junge heute versucht, Gestohlenes zu verkaufen.

Wenn Männer von den Dörfern in ein Haus einbrechen, nehmen sie alles mit, was ihnen in die Hände fällt. Einer einheimischen Lehrerin ist das passiert. Die Einbrecher hatten alles mitgenommen, was sie irgendwie tragen konnten. Reis, Nudeln, Teller, einen Regenschirm, Schuhe, Geld und vieles mehr. Der deutschen Lehrerin fehlen „nur“ Geld und ihr Handy. Ihr zweites. Das letzte und deutlich mehr Geld war bereits vor ein paar Wochen gestohlen worden.

Der Einbruch bei der deutschen Lehrerin hat hier für Unruhe gesorgt. Noch am selben Abend haben sich alle Deutschen getroffen. Entsprechend des Wantok-Systems hatte man uns geraten, geschlossen aufzutreten.

Um Zusammenhalt zu demonstrieren und um ein Zeichen zu setzten, legten alle Deutschen ihre Arbeit nieder.  Dieser Beschluss stieß am Seminar auf Sympathie. Mir war es anfangs wirklich fremd, wegen so einer Angelegenheit, die Arbeit niederzulegen. Doch in der melanesischen Kultur wird das so praktiziert. Sobald jemand ein Problem hat, ein Mensch stirbt oder ein anderes Unglück passiert, stehen alle Räder still. Und es sollte hier noch weitergehen.

Am nächsten Tag suspendierte der Schulleiter das gesamte Seminar. Seit Montag läuft hier gar nichts mehr. Es findet kein Unterricht statt, die Bibliothek, der Kindergarten und die Grundschule bleiben ebenfalls geschlossen. Hier wird erst wieder Normalität einkehren, wenn der Einbrecher Finschhafen verlassen hat. Das Leitungsgremium des Seminars hat der Familie ein Ultimatum gestellt.

Ich finde es sehr spannend und interessant zu sehen, wie hier mit diesem Einbruch umgegangen wird. Die Lehrerin ist beliebt. Sofort sind Studenten zu ihrem Haus gekommen um sie zu bewachen. Nachts schlafen nun Studenten vor ihrem Haus, den ganzen Tag sind Menschen vor Ort. Wenn einem Melanesier Schaden zugefügt wird, den ein anderer sehr gerne hat, fühlt dieser andere sich persönlich angegriffen.

Der Einbruch wird als Angriff auf die Persönlichkeit der Lehrerin gesehen. Da die Lehrerin in der Gemeinschaft Logaweng lebt, fühlt sich nun die Gemeinschaft geschädigt. Viele Studenten sind sehr erbost und sprachen davon, den jungen Täter zu verprügeln. Es ist zum Glück gelungen, die Wogen insofern zu glätten, dass dem Jungen bisher nichts passiert ist.

Noch immer ist die Taskforce der Polizei, eine Art paramilitärische Einheit, in Finschhafen stationiert. Die Taskforce war angerückt, als es hier die Kämpfe zwischen den beiden Dörfern gab und es vermehrt zu Einbrüchen und Überfällen gekommen war. Leider sind diese Männer nicht gerade für ihr sanftes und friedliches Vorgehen bekannt. Straftäter oder Verdächtige werden regelmäßig auf übelste Art und Weise verprügelt. Eine sehr beliebte Präventionsmaßnahme ist das Ausschlagen von Zähnen, Brechen von diversen Knochen oder ein gezielter Schuss ins Knie oder den Fuß. Kaum vorstellbar, aber leider war. Wenn die Opfer Glück haben, werden sie anschließend ins Krankenhaus gebracht.

Diese Männer mit ihren Gewehren zu sehen, ist für mich mehr als befremdlich. Der junge Täter muss vor jeglicher Gewalt geschützt werden, vor allem vor der Taskforce der Polizei. Sollte der Junge ins Gefängnis kommen, droht ihm dort ebenfalls außerordentliche Gewalt. Die deutsche Lehrerin ist Seelsorgerin und mit Studenten regelmäßig im Gefängnis, um mit den Insassen zu sprechen. Sie ist dort sehr beliebt. Einem Jungen, der bei der Seelsorgerin eingebrochen ist, würde es dort sicherlich nicht gut ergehen. Vor allem auch von Seiten der Wärter, welche nicht gerade für ihre ruhige Hand bekannt sind.

Eigentlich hätten diese Woche die Finaltests geschrieben werden müssen. In zwei Wochen ist Graduation. Doch solange es diesen Konflikt gibt, werden die Testbögen unangerührt bleiben. Arbeiten können noch so wichtig sein, es passiert wirklich nichts.

Ich mache mir Sorgen, dass einige Bücher nicht mehr abgegeben werden, während ein Jahrgang seine Exams nicht schreibt. So eine Situation an einer deutschen Hochschule – unvorstellbar! Man hält hier sehr zusammen und zeigt Mitgefühl. Auf wirklich besondere Art und Weise.

 

Während es in Deutschland immer kälter wird, geht es hier in die trockene Phase des Jahres. Tagsüber ist es extrem heiß, regnen tut es nicht mehr so oft. Da ich mein Wasser über einen Regenwassertank beziehe, ist jetzt haushalten angesagt.

Am letzten Wochenende bin ich auf einer Buschwanderung gewesen. Die Schönheit der Natur raubt einem schier den Atem. Regenwald, wie aus dem Bilderbuch. Besonders faszinieren mich die Schmarotzerpflanzen, die beinahe jeden Baum zu befallen scheinen. Lianen sieht man sehr oft, aber auch viele andere Pflanzen dieser Art. Teilweise schaffen es Schmarotzer sogar, einen großen Baum in die Knie zu zwingen. Der Baum ist dann fast vollständig von der Schmarotzerpflanze befallen und scheint unter der Last zusammenzubrechen.

Oft kann man nur ein paar Meter weit sehen, da das Unterholz sehr dicht ist. Hin und wieder schlängelt sich ein Fluss durch das Unterholz, welcher in Wasserfällen abfallend, dem Meer entgegenfließt. Unter den Wasserfällen haben sich meistens Pools gebildet, in welchen man herrlich schwimmen kann. Einfach traumhaft!

 

Ja, mir geht es hier sehr gut. Ich wundere mich, dass ich bald schon drei Monate hier bin. Wie schnell die Zeit vergeht…

Ich bin sehr gespannt, wie es ist, Weihnachten in den Tropen zu verbringen. Und so etwas wie Advent gibt es ja auch noch. Glühwein bei 38 Grad und extrem hoher Luftfeuchtigkeit, ich werde ein Foto machen! Wenn ich nachmittags einen Tee trinke, bin ich anschließend stets reif für Dusche. Ein guter Freund von mir würde die Situation mit der Aussage „ich zerlaufe“ beschreiben..;)

Beste Voraussetzung für meinen Glühwein, doch der muss einfach sein!

 

Ihr Lieben, ich hoffe sehr, dass es euch allen gut geht.

Ich stelle gerade ein paar Fotos zusammen, die ich demnächst hier hochladen möchte. So warum und herrlich dieses Wetter auch ist, das graue Hamburger Novemberwetter fehlt mir natürlich. Manchmal denke ich mir, dass man erst so richtig schätzen kann, was man zu Hause hat, wenn man länger weit weg ist.

 

An die, die im Februar ihr Abi schreiben: Macht euch keinen Stress, ab Januar lernen, reicht vollkommen!

In diesem Sinne, ich wünsche euch allen eine geruhsame Adventszeit auch wenn ich weiß, dass die Zeit vor Weihnachten meist alles andere als entspannt ist.

 

Liebe Grüße aus Neuguinea,

Johann

 

p.S.: Bitte entschuldigt Zeichensetzungs- und Rechtschreibfehler. Ich bin seit fünf Monaten nicht mehr in der Schule gewesen und etwas aus der Übung.;)

Am Computer übersehe ich außerdem Vieles und jetzt noch einmal alles durchlesen – ne, tut mir Leid!