zwei Kinder

zwei Kinder
drei Gesichter aus PNG

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Drei Mädchen aus dem Dorf Nanduo

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Mr. Johann Hempel
Senior Fierl Seminary
Private Mailbag "Logaweng"
Finschhafen 435
Morobe Province
Papua New Guinea

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Sonntag, 26. Dezember 2010

Frohe Weihnachten!

Ich hoffe sehr, dass ihr ruhige und gemütliche Weihnachtstage verlebt habt. Die jugendlicheren unter euch sind nach 22 Uhr hoffentlich auf ihre Kosten gekommen;)

Den letzten Bericht habe ich vor Weihnachten geschrieben, doch erst jetzt rausgeschickt. Ich habe ihn nicht mehr verändert. Weihnachten habe ich dieses Jahr in kleinem Kreise gefeiert. Doch so richtige Weihnachtsstimmung kam in diesem tropischen Klima nicht auf. Adventssonntage vergingen, ohne dass mir auffiel, dass es ein Sonntag des Advents war.

Aber nun geht es ja auf Neujahr zu…

 

Gerade bin ich damit beschäftigt, meine Fotos zu sortieren, von welchen ihr in den nächsten Tagen einige zu sehen bekommen werdet. Bei all den Erzählungen von weißen Weihnachten, muss ich jetzt langsam mal gegenhalten!

 

Halbwegs weihnachtliche Grüße aus dem sonnigen Neuguinea,

 

Johann.

 

 

Samstag, 25. Dezember 2010

Sandmann statt Schneemann

Weihnachten steht vor der Tür, höchste Zeit, dass ich mal wieder etwas von mir hören lasse. Ich habe in den letzten vier Wochen viel erlebt. Ende November reiste ein deutscher Pastor ab, der sieben Wochen am Seminar unterrichtet hatte. Nun habe ich keinen Nachbar mehr, schade. Aber im Januar wird sich das wieder ändern, was mich sehr freut!

Am 5ten September hatten wir in Logaweng Graduation. Ein großes Ereignis, fast 600 Gäste waren angereist. In den Wochen vorher hatten die Studenten diverse Vorbereitungen getroffen. So waren überall Bambusunterstände hochgezogen worden, unter welchen die Gäste schlafen sollten. An den Stränden hatte man Steine für das Mumu gesammelt.

Mumu ist eine traditionelle Art zu kochen. Steine werden in einem Feuer erhitzt und dann in ein Erdloch gelegt. In Schichten füllt man das Erdloch nun mit Schweine- oder Rindfleisch, Kaukaus, Taro, Kochbananen, Taweng, Kumu etc.. Wenn alle Zutaten in das Loch gelegt wurden, wird dieses mit Bananenblättern abgedeckt. Nach mehreren Stunden kann man die Blätter abnehmen und ein herrliches Essen genießen.

Am Wochenende vor der Graduation waren wir in verschiedene Dörfer gefahren und hatte Kokusnüsse und Schweine geholt. Das Schlachten und der Umgang mit Schlachttieren werden hier anders gehandhabt, als in Deutschland. Da die Menschen keine Kühlschränke haben, muss das Fleisch sofort verzehrt werden. Meistens wird das Schwein erst geschlachtet, wenn anderes Essen bereits zubereitet wurde. Da ein Schwein ziemlich teuer ist, wird nur zu besonderen Anlässen geschlachtet. Mit den Beinen an Bambusstangen gebunden, brachte man viele Scheine heran. Zwei Kühe fielen der Graduation ebenfalls zum Opfer. Einer der Studenten hatte sein Vikariatsjahr in Sialum (85 Kilometer nördlich von hier) verbracht. Zur Graduation spendete man zwei Kühe. Da es hier natürlich keine Viehtransporter gibt, legte man mit den Kühen einen zweitägigen Gewaltmarsch zurück. Und das bei diesen Temperaturen, dass muss man sich mal vorstellen.

Das Graduationwochenende habe ich wirklich sehr genossen. Überall waren Menschen, überall war etwas los. Ich konnte beim Schlachten helfen, was sehr spannend war. Nachdem mir Studenten erklärt hatten, wie man hier eine Kuh tötet, hatte ich der Schlachtung etwas skeptisch entgegengesehen. Letztendlich war ich jedoch erleichtert, wie gut die Männer ihr Handwerk verstanden. Die Art zu zerwirken war mir allerdings etwas fremd. Das Schwein wurde einfach in Streifen geschnitten. Sozusagen portionsfertig. Hier wird wirklich nichts weggeschmissen. Dinge, die in Deutschland niemand essen würde, werden hier verschenkt und mit großem Appetit gegessen. Zwei Tage vor der Graduation war es zu einer Art Notschlachtung gekommen. Eines der Schweine hatte den Transport nicht überlebt. Also musste schnell zerwirkt werden. Vor einem machen die Niuginis dennoch halt und das sind die Borsten. So gnädig ist man immerhin. So wickelten wir den leblosen Tierkörper in Bananenblätter ein, um das Ganze dann anzuzünden. Die Borsten, die nicht verbrennen, kann man dann später zwischen seinen Zähnen wiederfinden. Ja, das macht Spaß..!;)

Ich hoffe, ich verderbe euch jetzt nicht den Appetit auf Weihnachtsgänse, welche ihr hoffentlich verzehren könnt. Zum Glück haben diese Tiere bekanntlich ja keine Borsten und Federn lassen sich leichter entfernen.

Zurück zu unserem Schwein. Da alle Stücke gleich groß sein sollten, dauerte es etwas, bis man endlich genaue „Ziellinien“ auf den Tierkörper gezeichnet hatte, denen dann das Messer folgen sollte. Ich ahnte bereits was folgen sollte und zog mich langsam aber sicher zurück. Zwei Stunden später passierte das, was ich befürchtet hatte. Ein Student rief an und fragte, ob er einen „kleinen Teil“ seines Schweines in meinem Kühlschrank verstauen dürfe. Es sei wirklich nicht viel. Auf die Frage, wo er denn den Rest des Schweines lagern wolle, sagte er, dass er das längst alles organisiert hätte. Ich solle mir keine Sorgen machen. Zehn Minuten später standen vier Männer bei mir auf der Matte – natürlich mit dem ganzen Schwein. Das Fleisch war bereits eine Liebesbeziehung mit einem halben Ameisenhaufen eingegangen. Und als Liebesnest sollte also mein Kühlschrank dienen.

Wie wir dieses Problem lösten, bleibt aus guten Gründen unerwähnt..;)

  

 

In der Woche vor der Graduation war ich von morgens bis abends beschäftigt gewesen, Materialien zu den Themen Gewaltüberwindung und Konfliktmanagement zu sortieren und zu vervielfältigen. Aus Übersee hatte die zuständige Lehrerin eine Spende erhalten, die das Kopieren von Filmen möglich machte. Die meisten Studenten werden allerdings in Gegenden leben und arbeiten, wo es keinen Strom gibt. Manchmal gibt es aber einen Generator, mit dessen Hilfe man ab und zu einen Film zeigen kann. Vielleicht..

Ich hatte in der Woche vor und am Wochenende der Graduation sehr viel zu tun. Dennoch nahm ich mir die Zeit, einfach von einem Feuer zum nächsten zu schlendern und mich mit den Gästen zu unterhalten. Es war wirklich schön, so viel Leben um sich zu haben.

Leider ist hier jetzt Ruhe eingekehrt. Fast alle Studenten haben Logaweng verlassen und sind mit ihren Familien auf ihre Dörfer gegangen. Ab Morgen werden nur noch vier von ihnen hier sein. Alle Häuser sind leer, tagsüber sehe ich nicht mehr viele Menschen. Nachts müssen immer zwei wach bleiben, um aufzupassen, dass dem Seminar keine Beine wachsen. Wir sitzen nachts lange am Feuer und unterhalten uns, trinken Tee oder machen andere Dinge. Vorgestern haben wir nachts fliegende Hunde gejagt. Oft hatte ich nachts die kräftigen Flügelschläge gehört, doch war ich stets davon ausgegangen, dass es sich um Eulen handeln würde. Als ich diese riesige Fledermaus das erste Mal aus der Nähe sah, war ich wirklich erstaunt, wie groß diese Fledermäuse sind. Nachts fressen die Fledermäuse reife Papayas, die noch nicht geerntet wurden. Mit einer Taschenlampe versuchten wir die Tiere zu blenden und dann mit der Zwille zu treffen. Ich war wirklich beeindruckt, wie präzise die Niuginis mit diesen kleinen Waffen umgehen können.

Die Zeit um Weihnachten und Neujahr ist in Neuguinea meist eine etwas unruhigere.

Die Zeit vor und nach Weihnachten ist die Hauptreisezeit des Jahres. Die meisten Menschen gehen auf ihre Dörfer, um dort mit ihren Wantoks zu feiern. Die Reise kostet Geld. Zudem wollen die Menschen das Weihnachtsfest verständlicherweise so festlich wie möglich verbringen. Oft bedeutet das, dass auf den Straßen deutlich mehr betrunkene und gewaltbereite Menschen herumlaufen. Vermehrt kommt es zu Überfällen. Im Januar fallen viele Zahlungen an. So müssen im Januar für ein ganzes Jahr die Schulgebühren gezahlt werden. Viele Menschen haben das Geld nicht und versuchen es sich irgendwie zu besorgen.

In der letzten Woche ist die Fähre aus Lae jedes Mal komplett überfüllt angekommen. Viele Fremde sind in Finschhafe. Zudem ist eine neue Einheit der Taskforce eingetroffen, welcher man nicht gerade sanfte Umgangsformen nachsagt. Wir halten hier oben alle Augen offen.

 

Logaweng ist zu einem stillen Ort geworden, was ich sehr schade finde. Dennoch habe ich nun mehr Zeit, um mehr von Finschhafen zu sehen.

Vor zwei Wochen bin ich mit einer deutschen Lehrerin und zwei Studenten die Küste nach Norden hochgefahren. In Sialum, ca. 85 Kilometer nördlich von hier, übernachteten wir im Haus Win eines Pastors.

Der Ausflug nach Sialum war traumhaft. Wir kamen mit dem Auto nur sehr langsam voran, da die Straße kaum noch eine Bezeichnung als solche verdient. Immer wieder hielten wir an, um in irgendeinem Fluss oder im Meer zu schwimmen. Besonders faszinierend war zu sehen, wie radikal sich das Landschaftsbild veränderte. Nachdem wir einen etwas breiteren Fluss durchquert hatten, war Schluss mit immergrünem Urwald. Von dort an fuhren wir durch eine weite, hügelige Graslandschaft. Immer am türkisen Südpazifik entlang. Wenn das Meer eine etwas dunklere Farbe gehabt hätte und die Palmen nicht da gewesen wären, hätten wir auch in Irland sein können.

Weniger irisch waren allerdings die paradiesischen Strände, an denen wir immer wieder vorbeifuhren. Palmen, weiße Strände und türkisestes Wasser. Einfach nur traumhaft.

In dieser Woche bekam ich die Chance, nach Tami Island zu fahren. Tami liegt vor der Küste Finschhafens. Die Menschen von dieser Insel sind im ganzen Land berühmt für ihre Schnitzereien. Schüsseln, Löffel, Schalen und vieles mehr, schnitzen die Tami mit der Hand. In Malasiga (das Dorf, in welchem der kleine Johann lebt) hatte ich vor ein paar Wochen schon einige Schnitzereien gekauft.

Auf Tami gibt es ein kleines Gästehaus, in welchem wir schlafen konnten. In einem Reiseführer für Neuguinea wird Tami Island als ein Ort beschrieben, an welchem man das Klischee vom Südseeparadies bestätigt findet. So war es auch. Weiße Strände, türkises Wasser. So schön es über Wasser ist, die Unterwasserwelt Tami Islands ließ mich wirklich staunen. Bunte Fische aller Art, kleine Nemos und Korallen. Im August sah ich mir den Film „Verschollen“ an. Tom Hanks spielt in „Verschollen“ einen FedEx-Mitarbeiter, der einen Flugzeugabsturz überlebt und vier Jahr auf einer einsamen Insel im Pazifik lebt. Tami ähnelte dieser Insel sehr, nur dass dort ein paar mehr Menschen leben. Deutlich mehr Menschen. Erschreckend viele mehr. So paradiesisch die Natur dort ist, so hart ist das Leben. Es gibt kaum Süßwasser. Die Menschen haben ein paar Löcher gegraben, wo sie sich in einem dreckigen Brackwassergemisch waschen können. Trinkwasser beziehen die Menschen aus Regenwassertanks, die sie aufgestellt haben. Wenn es nicht regelmäßig regnet, gibt es kein Trinkwasser. Richtige Gärten können die Tamis keine anlegen, da der Boden fast vollständig aus weißem Korallengestein besteht. Jede noch so kleine Lücke im Gestein, hatten die Menschen mit Taro und Taweng bepflanzt.

Schockiert hat mich, wie viele Kinder auf Tami Island leben. In den beiden Dörfern wimmelte es nur so von Kindern zwischen zwei und sechs. Alle anderen hatten die Insel verlassen, um zur Schule zu gehen.

Heute ist jeder zwei Einwohner Papua Neuguineas unter 18 Jahre alt. Die Wachstumsrate der Bevölkerung ist dramatisch hoch. Die Bewohner Tami Islands können sich nicht mehr ohne Hilfe vom Festland ernähren. Die Regierung PNGs hat für die Tamis vor vielen Jahren Land an der Küste gekauft, damit Menschen von der Insel dort siedeln können. Doch wenn die Folgen des Klimawandels hier einschlagen werden, werden die Menschen die Insel ganz verlassen müssen.

 

Nun bin ich schon über drei Monate in Neuguinea. Ich bin hier angekommen und habe mich hier eingelebt. Vieles, was für mich anfangs ungewohnt und befremdlich war, ist normal geworden. Oft im Mittelpunkt zu stehen oder viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Anfangs war es für mich sehr befremdlich, auf dem Markt oder auf der Straße angestarrt zu werden. Es kommt oft vor, dass ich an einem Ort der einzige Weiße weit und breit bin.  Aufmerksamkeit ist mir dann sicher, doch mich stört das nicht mehr.

Es ist schön, durch die Gegend zu laufen und bekannte Gesichter grüßen zu können. Oft brauche ich dann für eine Strecke länger, da ich unterwegs viele treffe, mit denen ich mich unterhalte. Kontakte sind hier sehr wichtig, in diesem Land läuft alles über das berühmte „Vitamin B“. Auf der Straße bekannte Gesichter zu grüßen, gibt mir das Gefühl, nicht mehr ganz so fremd zu sein. Dennoch bin ich als Weißer immer anders und werde anders behandelt. „Mittendrin und doch am Rand“. Eine bessere Bezeichnung gibt es nicht.

 

In zwei Tagen soll also Weihnachten sein. Bei 33 Grad und einer drückenden Luftfeuchtigkeit sind bei mir bisher keine weihnachtlichen Gefühle aufgekommen. Ab und zu höre kommen ein paar Neuigkeiten zur Wettersituation in Deutschland und dem Rest Europas durch. Weiße Weihnachten scheinen euch allen wohl garantiert. Hier werden es eher heiße Weihnachten werden. Und sollte jemand mich spontan besuchen wollen, die „Flughäfen“ sind alle in Betrieb und werde gewiss nicht geschlossen werden!

Ich bin sehr gespannt, wie dieses Weihnachtsfest werden wird. Hohe Erwartungen habe ich nicht. Ich freue mich einfach darauf.

Gerade ist hier Mangozeit. Ich muss wirklich sagen, dass ich keine Frucht lieber esse, als Mango. Ich könnte mich ausschließlich von ihr ernähren. Zu Weihnachten werde ich einen Mangocrumble machen. Probieren kann ich es ja mal, ich garantiere wie immer für nichts;)

 

Wenn ich an Weihnachten in Deutschland denke, werde ich etwas wehmütig. Schnee, Glühwein und co. sind wirklich etwas Schönes. Doch nächstes Jahr habe ich das alles wieder. Ich freue mich, Weihnachten einmal anders zu erleben. Immerhin muss ich mich dieses Jahr am Heiligen Abend in der Kirche nicht um Plätze prügeln, sondern kann mich hinsetzten, wo ich will. Es wird nämlich kaum jemand da sein.

 

Gerade jetzt in der Weihnachtszeit denke ich besonders viel an Hamburg. Heiße Weihnachten sind eben etwas ganz anderes. Einen Sandmann zu bauen, versuche ich am besten gar nicht erst;)

Ich wünsche euch allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und sende euch allen liebeGrüße aus Neuguinea.

 

--  Mr. Johann Hempel Senior Fierl Seminary Private Mailbag "Logaweng" Finschhafen 435 Morobe Province Papua New Guinea  digicel: 00675 736 18 171 telikom: 00675 431 10 12 www.neuguinea.blogspot.com