zwei Kinder

zwei Kinder
drei Gesichter aus PNG

Dienstag, 7. Juni 2011

Mai

Moin Moin!

 

Ich hoffe sehr, dass es euch allen gut geht, im hoffentlich frühsommerlich warmen Hamburg. Von Frühsommer kann ich leider nicht berichten, im Gegenteil, die Regenzeit beginnt.

Papua-Neuguinea hat viele verschiedene Wetterzonen. Vom Hochland habe ich bereits berichtet. Wenn ich nun schreibe, dass bei uns die Regenzeit beginnt, bedeutet das nicht, dass es in ganz Neuguinea regnet. In der Madang-Region an der Nordküste sollte die Sonne scheinen, denn dort begintn die Trockenzeit. Wie genau es im Hochland ist weiß ich nicht. Ich glaube, dass die da oben jetzt auch Trockenzeit haben.

Besonders die Regenzeit in der Finschhafen-Region ist etwas Besonderes. Es kann vorkommen, dass es hier wochenlang fast ununterbrochen regnet.  Logaweng liegt auf einem Berg, direkt am Meer. (Ganz unten in meinem Blog findet ihr einen Link zu einer Karte von googlemaps..) Die erhöhte Lage Logawengs lässt uns zurzeit regelmäßig in dichtem Nebel und Wolken verschwinden. Wenn ich vergesse die Fenster zu schließen, wabert die Wolke durch mein Zimmer. Ich bin mir sicher, dass jedes Luftfeuchtigkeitmessgeraet kollabieren würde!

Die enorm hohe Luftfeuchtigkeit ist in der Tat bemerkenswert. Nichts wird mehr trocken. Abends decke ich mich mit einem klammen Bettlaaken zu, morgens ist es noch schlimmer. Bücher verformen sich, Papier ist morgens so feucht, dass man nicht mit Tinte darauf schreiben kann, da diese zerläuft. Ich selber habe das jedoch noch nicht ausprobiert.  Streichhölzer funktionieren sowieso nur, wenn ich sie in meinem kleinen Trockenschrank gelagert habe. Diesen habe ich mir im letzten Jahr eingerichtet. In eine kleine Komdoe habe ich ein Stromkabel verlegt und daran eine kleine Heizung angeschlossen. In dem kleinen Schrank ist es nun immer warm und Wärme bedeutet ja bekanntlich Trockenheit. Alle meine elektrischen Geräte wie Laptop, iPod etc. lagere ich in diesem Trockenschrank. Hinzu kommen allerlei Zubehör und mir wichtige Bücher und Dokumente.

Die Feuchtigkeit beschert mir und meinem Haushalt einen neuen Erzfeind: den Schimmel. Es erstaunt mich, was alles schimmeln kann und vor allem wie schnell. Mitte Mai war ich etwa eine Woche nicht in Logaweng. Ich fuhr zu einem Retreat auf eine Insel an der Nordkueste. Dazu später mehr. Während meiner Abwesenheit (an der Nordküste ist gerade Trockenzeit) regnete es in Finschhafen eine Woche lang ununterbrochen. Als ich wieder in meinem Haus stand, konnte ich Schimmel in allen Variationen bewundern. Papier jeder Art (Bücher, Toilettenpapier(!!)), Holz (meinen Holzlöffel in der Küche traf es besonders hart) und vor allem Leder. Meine Schuhe erfreuten sich nach meiner Ankunft einer intensiven Pflege mit einer Buerste. Nun stehen auch sie im Trockenschrank.

Am hartnäckigsten ist der Schimmel jedoch an Decken, Wänden und Türen. Wenn man ihn nicht sofort entfernt, setzt er sich fest. Auf mich als alleinstehenden Hauswirtschaftler kommen also zwei harte Monate zu. Es ist eiserne Disziplin gefragt..;)

Leider habe ich seit zwei Wochen kein fließendes Wasser mehr im Haus. In den letzten Wochen hat es hier viele Erdbeben gegeben, einige waren stärker. Die Stromleitung wurde beschädigt, was zu ständigen Schwankungen der Stromspannung führte. Diese Spannungschwankungen scheint meine elektrische Wasserpumpe nicht gut vertragen zu haben, auf jeden Fall streikt sie seitdem. Die Neueste ist sie auch nicht gerade. Bereits im Februar/März verlebte ich einige Wochen ohne fließend Wasser im Haus. Damals lag es schlicht an Wassermangel, mein Tank war leer. Die Trockenzeit hatte länger angedauert als sonst. Unter einer Trockenzeit in Papua-Neuguinea darf man sich keine Trockenzeit vorstellen, wie sie in nordafrikanischen Ländern vorkommt. Ich bin zwar nie dort gewesen, aber wenn ich in Trockenheit denke, denke ich immer an Nordafrika. In der Regel regnet es in der Trockenzeit ab und zu. In der Regel... In diesem Jahr regnete es jedoch wochenlang nicht. Viele Bäche führten überhaupt kein Wasser mehr, die Pegel in den Flüssen sanken sehr. Ich hatte kein Wasser mehr im Tank, was den Alltag unbequemer gestaltete, aber kein großes Problem war. Ich musste das Wasser eben schleppen. Die waren Folgen dieser außergewöhnlich trockenen Trockenzeit erleben wir nun. Die Studenten haben Probleme in ihren Gaerten, da diese nicht rechtzeitig bestellt werden konnten. Viele Bananenpflanzen sind umgekippt, Süßkartoffeln, Taro etc. gibt es noch nicht. Besonders hart trifft die Nahrungsknappheit die Studenten mit vielen Kindern.

 

Die Regenzeit geht, grob gesagt, von Ende Mai bis Mitte September. Im letzten Jahr erlebte ich bereits einen kleinen Teil der Regenzeit. Eines ist jetzt wieder zurückgekehrt:  Die Schlaflosigkeit in den Nächten, in denen es besonders stark regnet. Die Lautstärke, die der auf das Wellblechdach prasselnde Regen erzeugt, ist fast ohrenbetäubend. Ich kann kann in meinem Haus schreien und sicher sein, dass man mich vor meinem Fenster nicht hören kann. Abgesehen davon, dass sich vor meinem Fenster nachts sowieso niemand aufhält. Das hoffe ich zumindest..;)

Irgendwie ist es ein spezielles Gefühl von Einsamkeit, welches ich nachts in der Dunkelheit und der tosenden Lautstärke des Regens erlebe. Das mag wertend klingen, so ist es jedoch nicht gemeint.

Ich bin sehr gespannt, wie die zwei Monate Regenzeit werden, die ich jetzt vor mir habe. Auf Dauer mag dieses Wetter sicherlich deprimirend sein, doch hat es auch etwas Gutes.

In meinem Haus ist nun am Tag erträglicher. An normalen Sonnentagen war es unmöglich, sich tagsüber lange in meinem Haus aufzuhalten, ohne den Fan zu benutzen. Bereits morgens um halb neun waren die der Sonne zugewandten Wände warm, wenn ich sie von innen berührte. Um die Mittagszeit wurde es so heiß, dass es kaum auszuhalten war.

Andere Deutsche nennen die Regenzeit „tropischen Winter“. Gestrickte Socken und Fleecejacken sind dann keine Seltenheit, doch soweit bin ich zum Glück noch nicht. Im August werde ich nach Melbourne fliegen welche, nebenbei gesagt, die südlichste Metropole der Welt ist. Obwohl ich seit meiner Tour ins Hochland keine Socken mehr getragen habe und ich hier kaum lange Hosen trage (ich habe nur eine dabei) fühle ich mich doch für Melbourne gewappnet. Schon in Deutschland ging es mir oft so: Ich freute mich auf die Jahreszeit, die gerade nicht war. Im Sommer freute ich mich auf meine Winterjacke, im Winter konnte ich es kaum erwarte endlich in kurzen Hosen auf irgendeiner Terrasse zu sitzen. Nach diesem Jahr freue ich mich auf den Herbst! Jahreszeiten sind einfach Gold wert!!!

Genug von Regen- und Trockenzeiten, es gibt mehr was mich beschäftigt und was ich erlebt habe.

Wie ich bereits erwähnte, war ich im Mai etwa eine Woche nicht hier. In regelmäßigen Abständen gibt es sogenannte Retreats auf welchen sich Mitarbeiter der evangelischen Partnerkirchen aus Übersee treffen. Im Oktober letzten Jahres bin ich auf so einem Retreat in der Nähe der Stadt Madang gewesen. Im Mai fand nun das sogenannte „International Men`s Retreat“ statt. Die Einladung, welche auch an uns Voluntäre ging, nahm ich sehr gerne an. Das Retreat sollte auf Karkar Island, einer der Küste von Madang vorgelagerten Vulkaninsel, stattfinden. Ich hatte viel von dieser Insel gehört, nun hatte ich also die Möglichkeit, selbst diese Insel zu sehen.

Reisen ist in PNG keine entspannende Angelegenheit. Der Tourismus konzentriert sich auf wenige Gegenden und selbst dort ist er mehr als rar.

Zeit und Geduld sowie Vorsicht und Aufmerksamkeit sollten einen auf allen Reisen stets begleiten. Wenn eine Etappe an einem Tag nicht zu schaffen ist, zum Beispiel, weil die Ankunft in die Dunkelheit fallen würde, dann fährt man eben am nächsten Tag. Eines kann ich jedoch versichern: jede Fahrt, die ich bisher unternahm, war irgendwie einzigartig. Immer erlebte ich etwas.

Über Lae fuhr ich also in die Stadt Madang. Nach Lae mit einem der Speedoote, die Fähre fuhr noch immer nicht, nach Madang mit einem PMV (Public Motor Vehicle). Von Madang ging es dann per Schiff nach Karkar.

Karkar Island zeigte sich von seiner schönsten Seite. Eine wunderschöne Insel. Mit Sicherheit ist Karkar der tropischste Ort den ich in diesem Land bisher gesehen habe. Die ganze Insel ist ein einziger Vulkan, über und über mit Bäumen bedeckt. An den Hängen des Berges leben Menschen, viele Menschen. Karkar Island ist ein Ort, an welchem man das Phänomen Bevölkerungswachstum praktisch sehen kann. Im Dezember machte ich diese Erfahrung bereits auf Tami Island nur ist Tami deutlich kleiner als Karkar. Schon hier in Logaweng hatten mich die Studenten vor den Frauen auf Karkar gewarnt. Meine Leute in der Bücherei hatten mir erklärt wie ich mit möglichen Annäherungsversuchen umzugehen habe. Natürlich passierte nichts, ich hatte mit nichts anderem gerechnet. Schließich war ich in einer Grippe Weißer unterwegs. Der hohe Anteil an Jugendlichen und Frauen an der Bevölkerung Karkars war jedoch deutlich sichtbar. Jeder dieser Jugendlichen wird irgendwann heiraten, ein Haus bauen, einen Garten anlegen und Kinder kriegen wollen. Letzteres bezieht sich natuerlich auf die Frauen, wobei Männer an an diesem Prozess ja bekanntlich auch beteiligt sind. Viele haben schon im Jugendalter mit der Vermehrung begonnen. Kurz gesagt: Diese Insel wird Probleme bekommen.

 

Meine Rückreise nach Finschhafen dauerte länger, als ich geplant hatte. Ich schaffte es nicht an einem Tag von Karkar nach Lae, die Weiterreise nach Finsch per Speedboat musste wetterbedingt verschoben werden. Es regnete stark, außerdem bebte in Finschhafen mal wieder die Erde.

Mein erstes Erdbeben erlebte ich im letzten Jahr in Lae. Immer wieder gab es danach schwache Beben. Dieses Jahr ist aber irgendetwas anders. Teilweise sind die Beben so stark, dass Gegenstände aus Regalen fallen. Erst letzte Woche fiel mein grosser Wasserfilter, welcher eigentlich ziemlichs schwer ist, bei einem der Beben von meinem Kühlschrank, was mich als bekennenden Wasserträger natürlich besonders freute! Das stärkste Beben soll laut National Desaster Centre die Stärke 5,6 gehabt haben, es geht also noch. Keine Tsunamis.

 

In Logaweng ist alles beim Alten. Es gibt mehr als genug zu tun. Fünf Studenten schreiben gerade ihre Diplomarbeiten, was bedeutet, dass ich deutlich mehr Zeit als sonst in der Bücherei verbringe. Viel beschäftigen mich zurzeit die Computer des Seminares. Das tropische Klima und die nun besonders hohe Luftfeuchtigkeit sind ein wahrer Computer-Killer. Ständig funktioniert irgendetwas nicht. Ich gebe mein Bestes…

Mein Englischunterricht läuft sehr gut. Zurzeit behandeln wir das Futur. Der kleine Hosenpinkler im Kindergarten ist seit einigen Wochen trocken..;)

 

Irgendwie muss ich muss realisieren, dass mir hier die Zeit abläuft. Das Datum meiner Abreise steht mittlerweile fest. Am fünften August werde ich Finschhafen verlassen, am siebten August werde ich früh morgens in Lae starten. Obwohl es noch zwei Monate sind, wird irgendwie schon häufig darüber gesprochen, was mir nicht recht ist. Gerade herrscht hier sowieso eine gewisse Abschiedsstimmung. Mein Mentor, welcher eine Autostunde nördlich von hier, in Heldsbach, gelebt hat, ist letzte Woche mit seiner Familie ausgereist. Nächste Woche wird die deutsche Lehrerin, welche hier in Logaweng lebt, folgen.

Der Abschied von Logaweng wird mir sehr schwer fallen. Ich habe meine Mitmenschen hier sehr ins Herz geschlossen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Abschied ein endgültiger werden wird. Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder in dieses Land kommen werde. Zudem würden in Logaweng ganz andere Menschen leben. Es wird schwer sein Kontakt zu halten. Über eine Postadresse verfügen die meisten nur während ihrer Zeit am Seminar. Eine E-Mail Adresse hat nur der Schulleiter, denn diesem habe ich eine eingerichtet. Die wenigsten Studenten haben jemals einen Computer berührt.

 

Die mir verbleibende Zeit möchte ich natürlich voll und ganz ausnutzen. Das Wetter steht meinen Plänen leider etwas im Wege, aber das wird schon. Mit einem Studenten möchte ich mit einem traditionellen Holzkanu den Mape-Fluss hinauffahren. Ich träume ja immer noch von der Sichtung eines Krokodils. Ob dieser Wunsch am Mape-Fluss in Erfüllung gehen wird, ist leider mehr als fraglich. Ich hoffe es einfach und werde davon berichten!

 

So, jetzt trinke ich schnell meinen Kaffee aus und mache mich dann auf den Weg zur Dusche. Heute ist ein sehr schöner Morgen, die Sonne scheint endlich. Es steht viel an. Unterricht, Bibliothek, ein Treffen im Office, wieder Bibliothek und nachmittags eine kleine Probe mit meiner Kindergartengruppe. Am Pfingstsonntag werden die Kleinen eine kleine Vorstellung geben. Ich bin sehr gespannt.

 

Liebe Grüße aus dem wunderschönen Logaweng,

Johann

 

Wie immer entschuldige ich mich für Rechtschreib- und Grammatikfehler.

 

 

 

Montag, 2. Mai 2011

Vater, Hochland, Erdbeben und ein Hosenpinkler.

Oh je, schon wieder ist es viel zu lange her, dass ich mich gemeldet habe.

So will ich wieder berichten, was ich in den letzten zwei Monaten erlebte.

Den März verbrachte ich vollständig in Logaweng. Ich hatte viel zu tun und genoss einfach das Leben hier. Abgesehen von den zehn Tagen im Februar, hatte ich seit Anfang Dezember nicht mehr unterrichtet. Zwar hatte ich genug zu tun gehabt, doch fand hier in Logaweng nun endlich wieder so etwas wie ein geregelter Alltag statt. Morgenandacht, Unterricht, Nachmittagsaktivitäten.

Es sind doch ein paar herausragende Ereignisse, die ich unbedingt erwähnen muss. Natürlich das Erdbeben in Japan und vor allem der darauf folgende Tsunami. Auch wir hatten eine Tsunamiwarnung. Ich wunderte mich, wie schnell wir gewarnt wurden. Das sogenannte „National Desaster Centre“ hatte über den lokalen Mobilfunkanbieter Warn-Sms verschicken lassen. Wir waren gerade im sogenannten „Haus Bung“ (Haus Treffen, Versammlungshaus) versammelt, als die Handys piepten. Ich war zuallererst irritiert, glaubte an einen Scherz. Als jedoch mein Vater ein paar Minuten später anrief und sich nach meinem Aufenthaltsort erkundigte, wusste ich, dass es ernst war. Nun sind wir hier in Finschhafen jedoch relativ geschützt. Im Norden befinden sich die langgestreckte Insel New Britain und die Insel Siassi. Natürlich können uns Tsunamis aus dem Norden erreichen, es ist jedoch eher unwahrscheinlich. Die Gefahr droht von den Salomonen, von wo in der Vergangenheit schon mehrere Tsunamis kamen.

Das Mobilfunknetz Neuguineas erschließt nur kleine Landstriche. Der Großteil des Landes hat demnach keinen Zugang zu Telefonen, eine Warnung erreichte diese Menschen nicht. Nicht weit nördlich von Logaweng endet die Reichweite des Sendemastes. Eine Gruppe von Studenten war mit einer Lehrerin nach Sialum, nördlich von Finschhafen, gefahren. Wäre ein Tsunami gekommen, hätt er Sialum sicherlich getroffen, der Schutz durch die Inseln besteht dort nicht. Die Gruppe übernachtete in einem Dorf, genau am Wasser. Am Sonntag nach dem Tsunami kamen die Studenten gut gelaunt nach Hause, ohne eine Ahnung davon zu haben, was in Japan geschehen war. Wäre die Nordküste Neuguineas von einem Tsunami getroffen worden, wäre der Großteil der Küstenbewohner nicht gewarnt gewesen. Natürlich hatten alle anderen hier in der Gegend die Tsunamiwarnung ebenfalls erhalten. Den ganzen Abend und die ganze Nacht kamen Menschen den Berg hinauf, um bei uns zu übernachten. Auch als der Tsunami schon längst hätte hier sein müssen.

Zwei Wochen später erfuhr ich, dass die Stadt Wewak im östlichen Sepik-Gebiet von einem Tsunami getroffen worden war. Die Welle war jedoch nicht hoch gewesen. Das örtliche Krankenhaus, dessen Patienten und Personal evakuiert worden waren, wurde überschwemmt. Der größte Schaden entstand jedoch durch Plünderungen. Sobald das Krankenhaus evakuiert worden war, hatte man alles, was nicht festgenagelt war, gestohlen.

Die Kernschmelze in Japan beunruhigte mich sehr. Täglich las ich meine kurze Nachrichtenmail, welche ich von tagesschau.de zugesandt bekam.  Die Texte sind jedoch sehr knapp gehalten und geben einem wirklich nur einen kleinen Überblick über aktuelle Geschehnisse. So gut es ging, versuchte ich mich zu informieren.

Da die Einheimischen ansonsten kaum Zugang zu Informationsquellen haben, informierten wir. An einem Morgen erklärte ich das Phänomen Kernschmelze. Auf Tok Pisin, eine kleine, große Herausforderung. Immer wieder wiederholte ich mich, beschrieb und erklärte mit Hilfe einfachster Schilderungen. Tok Pisin ist eine Bildersprache, also malte ich fleißig. Die Auswirkungen so einer Kernschmelze können sich hier die wenigsten vorstellen. Das alles ist weit weg, man lebt hier fast ohne Einflüsse von außen. Atomkraftwerke gibt es hier nicht.

Abgesehen davon, dass bald Gerüchte aufkamen, Kinder dürften nicht mehr draußen spielen, da der Regen gefährlich sei, wurde die Atomkatastrophe von Japan nicht weiter behandelt. Ein Konflikt zwischen zwei unserer Nachbardörfer überschattete Japan etwas. In der folgenden Woche versuchte ich so gut es ging zu informieren. Regelmäßig holte ich Informationen von der Weltgesundheitsinformationen ein, um den Gerüchten von gefährlichem Regen entgegentreten zu können.

In der dritten Märzwoche regnete es eines Nachts. Ich saß wach in meinem Bett, wegen der Lautstärke, aber vor allem weil ich mich so freute. Seit Ende Januar hatte ich nun kein Wasser mehr im Tank gehabt. Jeden Eimer hatte ich schleppen müssen, meine Toilette hatte ich eisern gemieden. Pro Spülung braucht man einen Eimer…

 Als ich am nächsten Morgen meinen Tank überprüfte und feststellte, dass dieser bis zum Rand gefüllt war, konnte ich es kaum glauben. Da guckt man wochenlang in jede Wolke und hofft auf einen kleinen Tropfen und dann füllt sich das gute Ding in einer Nacht. Ich war selber erstaunt, was es mir für eine Freude bereitete, in meinem Haus einen Wasserhahn aufzudrehen. Das merke ich bei jedem Stromausfall. Wenn man kein Licht hat, kann man sich darauf einstellen. Dann wird es eben ein Abend im Kerzenlicht. Mein Gasherd funktioniert trotzdem, ich muss nur mit einem Streichholz zünden. Wirklich mühsam ist  jedoch jedes Mal, dass die Wasserpumpe nicht mehr funktioniert. Das heißt, dass ich nicht duschen kann, die Toilette nicht benutzen kann und auch sonst kein Wasser habe.

Mitte März hatte ich also wieder Wasser und war anschließend zwei Tage mit erfreulichen Arbeiten wie Waschen und Putzen beschäftigt.

In der ersten Aprilwoche kam mein Vater. Ich war nach Lae gefahren, um ihn vom Flughafen abzuholen. Er kam an einem Freitag und flog wieder am Samstag der folgenden Woche. Wir hatten fünf Tage in Finschhafen, die wir wirklich nutzten. Am Sonntag hatte er das große Glück, eine sogenannte „Amamas nait“ miterleben zu können. Ein Guestteacher, welcher drei Monate hier gewesen war, hatte zum Abschied ein Schwein gestiftet. Um dieser Geste einen würdigen Rahmen zu geben, organisierte ein Komitee einen „Freuden Abend“. Es gab das besagte Schwein, welches auf 300 Leute verteilt wenig ausmachte. Auf dem Tisch landete letztendlich alles. Kiefer, Pfoten und so weiter.  Zur Unterhaltung wurden diverse Singsings (traditionelle Tänze und Gesänge) und Ähnliches aufgeführt. Ein rundum gelungener Abend.

Seit Mitte Februar fährt die Fähre nach Lae nicht mehr. Leck am Rumpf, seitdem ist sie in irgendeinem Trockendock in Madang verschwunden. Jede Fahrt nach Lae birgt nun ein gewisses Risiko, da man mit den kleinen Speedboats fahren muss. Erstens weiß man nie, wann sie losfahren. Vor allem in Lae dauert es meist, bis Boote und Skipper fertig zur Abfahrt sind. Meist muss man erst bezahlen, bevor irgendeiner loslaufen kann, um Benzin zu kaufen. Die Schlange an der Tankstelle ist dann sehr lang – oder es gibt gar nichts. Dann müssen sie irgendwo anders Benzin besorgen. In der Regel wartet man drei Stunden. Man wartet und wartet, wie so oft. Meine letzte Speedboatfahrt war keine Freude, das Schiff war vollkommen überladen. Ich bat den Skipper besonders nah am Ufer zu bleiben und überlegte mir für alle Fälle, welches Kind ich mir greifen würde.

Da die Speedboote bei Regen meist nicht fahren, auch nicht, wenn die See zu bewegt ist, muss man immer noch mindestens einen Puffertag einbauen. Obwohl das Flugzeug meines Vaters erst am Samstag abfliegen sollte, mussten wir bereits am Donnerstag aufs Speedboot. So hatten wir noch einen Tag in der wunderschönen Weltstadt Lae. Eine Ernennung der Stadt als Weltkulturerbe der UNESCO betrachte ich als längst überflüssig!;)

Am Samstag flog mein Vater. Ich bestieg einen der kleinen Busse und fuhr ins Hochland.

Im September bin ich bereits zwei Tage dort gewesen. Auch dieses Mal war ich erstaunt, wie anders es dort ist. Das Klima gleicht dem eines nordeuropäischen Frühlings, die Vegetation ist eine andere. Mittlerweile kann ich auch einen Unterschied in dem Aussehen der Menschen erkennen. Vor allem die älteren Menschen unterscheiden sich in ihrem Äußeren von den Küstenbewohnern. Eine Woche blieb ich in der Stadt Goroka. Die Vormittage verbrachte ich in einem Institut, welches sich mit Forschungen und Veröffentlichungen zu gesellschaftlichen und kulturellen Themen Melanesiens beschäftigt. Das melanesische Institut, welches von vier christlichen Kirchen geführt wird, verfügt über eine sehr große und umfangreiche Bücherei. In dieser Bücherei verbrachte ich viel Zeit, nachmittags war ich meist in der Stadt unterwegs. Ich konnte mich mit dem System vertraut machen und las viel. Immer wieder kann ich es kaum glauben, dass im Hochland Neuguineas vor knapp 75 Jahren noch steinzeitähnliche Zustände herrschten. Mitte der 30er Jahre kamen die ersten Weißen, drei australische Goldsucher. Einer der drei war ein begeisterter Filmer. Teile seines Materials konnte ich mir ansehen.

Goroka ist deutlich kleiner als Lae. In der Mitte der Stadt liegt der Flugplatz, es scheint, als habe man die Stadt um den Flugplatz herum angelegt. Anders als in Lae kann man sich in Goroka auch als Weißer fast überall frei bewegen. Das tat ich zumindest.

Besonders faszinierte mich der Markt. Aufgrund des angenehmen Klimas wächst im Hochland fast alles. Von solch einem vielfältigen Angebot kann ich hier nur träumen.

 

Das Osterfest verbrachte ich wieder zu Hause. Nach einem etwas unangenehmen Erlebnis in Lae war ich wieder gut angekommen. Eigentlich hatte ich vorgehabt, Ostern in einem Dorf hinter dem Sattelberg zu verbringen, doch verunglückte eines der Autos, weswegen die ganze Aktion abgeblasen wurde. Die Ruhe tat mir gut, die Zeit im Hochland und die Fahrt zurück waren anstrengend gewesen.

Nun bin ich wieder hier und stehe mit beiden Beinen in meinem Alltag. Ich habe mehr als genug zu tun, was ich gutheiße. In der Bibliothek weht nun ein frischer Wind, mein Unterricht läuft gut. Zurzeit behandeln wir Summaries. Die Kinder im Kindergarten sind mehr als friedlich. Vor meiner Fahrt ins Hochland hatte ich einen Tag mit Prügeleien und Hosenpinklern erlebt. Leider gingen alle Vergehen auf mein Konto, ich hatte nicht nachgedacht. In einer Ecke des Lagerraumes hatte ich eine Kiste mit Gummitieren gefunden. Kröten, die quietschen, wenn man ihren Bauch eindrückt, Grashüpfer, Krokodile und Echsen. Ich malte mir erfreute Kindergesichter aus, verursachte jedoch eine Massenpanik. Die Kleinen konnten die Gummitiere nicht einordnen, besonders das Krokodil und einige der Echsen sorgten für große Aufregung. Zwei Jungen trauten sich, das Spielzeug anzufassen. Als die Jungs den anderen zwei der Tiere näherbringen wollten, stand ein Knabe im eigenen Saft, bei den anderen flogen die Fäuste. Während ich dabei war, den Pinkler über die Brüstung zu halten, beruhigte man sich wieder. Zumindest etwas. Es war mir unangenehm, am nächsten Tag ein kleines Mädchen mit geschwollenem Lid begrüßen zu müssen. Meine Lektion habe ich erhalten, nun spielen wir wieder mit Holzklötzchen..;) Gewalt im Kindergarten, auch in Deutschland durchaus ein Thema. Die Akte meiner Familie ist diesbezüglich nicht die sauberste…

Seit ein paar Wochen gibt es in Neuguinea keinen Zucker mehr. Die einzige Fabrik des Landes sattelt auf Ölpalmen um. Damit lässt sich mehr Geld verdienen. Importe gibt es bisher nicht, die Regierung verhängte vor Jahren auf Zucker eine 70 prozentige Importsteuer. Nun habe ich oft Menschen aus den Nachbardörfern bei mir vor der Tür, die um Zucker betteln. Tee ohne Zucker – unmöglich!

Neulich kam ein alter Mann. Grundsätzlich wird niemals geklopft, man macht sich immer anders bemerkbar. Der Alte hustete so laut er konnte. Er sei sehr krank, versuchte er mich zu überzeugen. Husten/Erkältung, sein Tok Pisin war nicht ganz klar. Ich sagte ihm, er solle heißen Tee trinken, das würde helfen. Das wisse er, doch habe er keinen Zucker und könne also keinen Tee trinken. Als er erfuhr, dass auch meine Zuckervorräte erschöpft sind, sagte er, dass er dann wohl sterben werde. Nochmal riet ich ihm zu heißem Tee und Ruhe, dann ging der Alte seiner Wege. In Finschhafen trinkt man keinen Tee, nein, hier heißt es Kande Kulum. Kande macht Sinn, warum es Kulum heißt, weiß ich nicht. Keinen Tee mit Zucker, Zucker mit Tee. Pro Becher 5 bis 6 gehäufte Teelöffel. Die Alten sind diesbezüglich die Schlimmsten. Die ältere Generation Neuguineas erlebt gerade bittere Zeiten.

In den letzten Wochen erlebte ich die Natur von vielen Seiten. Über Ostern fiel kein Tropfen Regen, den ganzen Tag schien die Sonne und es war wahnsinnig heiß.

Nun regnet es seit zwei Tagen fast ununterbrochen. So langsam beginnt hier die Regenzeit, einen kleinen Vorgeschmack habe ich bekommen. Alles ist feucht und klamm. Das Bettlaken, in welchem ich morgens aufwache, vor allem jedoch das Papier. Im Juni wird der Regen wohl richtig einsetzen.   

Seit zwei Wochen gibt es hier regelmäßig Erdbeben. Oft wackelt die Erde leicht, manchmal sind die Stöße jedoch sehr stark. Dann wackelt plötzlich alles, das Geschirr klimpert, einige Dinge fallen um. Wenn ein starker Stoß kommt, dann plötzlich. Passend, dass ich gerade in diesem Moment darüber schreibe, gerade eben wackelte die Erde besonders stark. Ich erschrecke mich jedes Mal, immer wieder dieses Gefühl, nichts kontrollieren zu können. Besonders nachts.  

 

Ich habe begonnen, mich mit der Zeit nach Neuguinea auseinanderzusetzten. Als ich kam, war das alles so weit weg, nun bleibt mir hier nicht mehr viel Zeit. Im Mai ist jedes Wochenende verplant, auch im Juni werde ich viel um die Ohren haben. Nach wie vor glaube ich, dass sich die Uhr hier schneller dreht… Die Verkündung der Ergebnisse unseres schriftlichen Abiturs liegt bald ein Jahr zurück. Ich hoffe sehr, dass der jetzige Abi Jahrgang seinen Rest Schulzeit ebenso genießt und es ordentlich krachen lässt! Natürlich wünsche ich allen viel Glück beim Mündlichen, auch wenn dieses erst im Juni ist.

So, jetzt gibt es noch einen Kaffee und ein Brot, ich habe gestern Abend gebacken, und dann geht es zu meiner Pinkelgruppe. Es regnet und regnet….

 

Ganz liebe Grüße

 

 

 

 

 

 

Ein paar Fotos


Hier nun ein paar Fotos aus den letzten Monaten. Ich hoffe sehr, dass mein Telefon mitspielt und alles ordentlich hochgeladen wird.
Da ich die Fotos per Mail an meinen Blog schicke, können die Bildunterschriften nicht unter den Bildern stehen.
Hier nun die Sätze zu den Fotos.

1.   Mein Arbeitsplatz, die Bibliothek
2.   Studenten in der Englischstunde
3.   Ein Student mit seinem schlafenden Sohn
4.   Die Frau eines Studenten in ihrem Garten
5.   Ein kleine Einwohnerin Logawengs
6.   Ein Teil des Buffets der Amamas Nait
7.   Unterwegs auf dem Highlands Highway 1
8.   Unterwegs auf dem Highlandy Highway 2
9.   Der Markt von Goroka
10. Das Benzin ist endlich da, es kann losgehen
11. Unterwegs nach Finschhafen
12. Der Morgen ist die angenehmste Zeit des Tages
13. Im Hochland
 

Montag, 7. März 2011

Frühjahr 2011

Oh je, viel zu lange habe ich mich nicht gemeldet. Die Zeit vergeht wie im Flug, es ist viel passiert. Ich will versuchen, die letzten zwei Monate zusammenzufassen.

So eine lange Berichtspause soll nicht noch einmal vorkommen.

 

Im Dezember hatte ich dem Januar eher skeptisch entgegengesehen. Logaweng würde weiterhin leer sein, ich hatte nicht damit gerechnet, viel zu tun zu haben.

Doch kommt es meistens anders, als man es sich denkt. Gerade hier.

In Finschhafen gibt es ein Krankenhaus, das Braun Memorial Hospital. Schon im letzten Jahr hatte ich immer den Wunsch gehegt, vielleicht einmal in den Alltag des Krankenhauses hineinschnuppern zu können.  Die Unterrichtsfreie Zeit im Januar wäre doch perfekt, so dachte ich. So fragte ich eine Ärztin, ob ich zwei Wochen im Krankenhaus arbeiten könne. Ich würde alles machen, versicherte ich. Diese Zusicherung hörte man sehr gerne, denn zu tun gab es genug.

So fuhr ich am dritten Januar das erste Mal mit ins Krankenhaus. Die besagte Ärztin lebt in Logaweng, was mir den Transport sehr erleichterte. Ziemlich schnell fand ich meine Aufgaben im OP, wo ich am besten helfen konnte. Personalmanagement wird in Neuguinea anders als in Europa gehandhabt. So auch im Krankenhaus. Ein Großteil des medizinischen Personals war nach Neujahr noch nicht im Krankenhaus erschienen. Man war krank, im Urlaub oder hatte sich überhaupt nicht abgemeldet. Anfangs war im OP nur eine Krankenschwester anwesend. Eine sehr nette, jedoch etwas wuselige, ältere Dame. Sie war immer mal hier, mal dort. Oft verschwand sie während einer kleinen Operation und tauchte dann irgendwann wieder auf. Ich würde sie wirklich als gute Seele des OP´s bezeichnen, jedoch nichts als fähig, den Betrieb im OP alleine zu schmeißen. Was man allerdings auch von niemandem erwarten kann. Für mich gab es auf jeden Fall genug zu tun.

An einem Tag räumte ich einen der beiden Säle aus und sorgte für eine kleine Grundreinigung, die der Saal so langsam mal wieder nötig hatte. Da war ich mit den Ärzten einer Meinung.

Da die hygienischen Zustände auf den Stationen einen Verbandswechsel meist nicht zulassen, finden Verbandswechsel oft in einem der OP-Räume statt. Grundsätzlich gibt es zwei Räume, einen für die infizierten und blutigen Wunden und einen für größere Eingriffe. Im kleinen OP-Raum wechselten wir täglich Verbände und versorgten „frische“ Wunden. Ein Großteil der Verbandswechsel fand unter Vollnarkose statt, da ein Entfernen der meist festgeklebten Verbände für die Patienten ohne die Narkose zu schmerzhaft gewesen wäre. Verständlich, wenn man die Schwere der Verletzungen betrachtet, die in dem kleinen OP-Raum verbunden wurden.

Neujahr war vergangen, eine Zeit, in welcher ausgiebig gefeiert und getrunken wurde. Die Zeit um Weihnachten und Neujahr ist in Neuguinea meist nicht die Sicherste und Ruhigste. Vor Weihnachten war es in Finschhafen zu ein paar Zwischenfällen gekommen, weswegen eine Sondereinheit der Polizei, die sogenannte Taskforce, in Finschhafen weilte. Es waren Männer der Taskforce, die dem Krankenhaus einige Patienten bescherten. Über die Schamlosigkeit der Beamten war ich erstaunt. Erst vernehmen sie Kriminelle, vielleicht sind es auch nur Verdächtige, auf eine Art und Weise, die den jungen Männern einen längeren Krankenhausaufenthalt beschert, um dann ständig auf der Matte zu stehen, um zu fragen, wann sie die Patienten denn mitnehmen könnten. Ganz selbstverständlich. Als sei es das Normalste auf der Welt. Anderes Land, andere Sitten..

 

Besonders ans Herz gewachsen ist mir ein Junge, der in seinem Dorf ins Feuer gefallen war und daraufhin mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus gebracht worden war. Der rechte Arm war bis auf das Fleisch verbrannt, ein großer Teile des Rippenbereiches ebenfalls. Die Verbände konnten wir nur unter Vollnarkose wechseln. Der Mut und die Kraft des Jungen beeindruckten mich sehr. Es war rührend, wie er sich bedankte. Einmal hörte er nicht mal unter Narkose auf. Ich habe den Jungen noch ein paar Mal auf der Kinderstation besucht und hoffe sehr, dass er es bald geschafft hat und mit seiner Familie nach Hause gehen kann.

In meinen zwei Wochen im Krankenhaus bekam ich eine Menge zu sehen und zu hören. Es waren aber nicht nur traurige Dinge, es gab auch wirklich lustige Situationen. Ein paar Mal die Woche gibt es die sogenannte Doctor´s Clinic. Die Menschen aus Finschhafen können dann vor einem Arzt vorsprechen, wie in einer Hausarztpraxis. Nur das ein deutscher Hausarzt sicherlich weniger lustige Krankheitsbilder vorgestellt bekommt. Eine Frau kam mit Kopfschmerzen, die sie habe, so sagte sie, seitdem ein Blitz in ihren Kopf eingeschlagen sei. Von ihrem Krankheitsverlauf war sie nicht abzubringen. Eine andere kam mit Fingernägelschmerzen.

Eines Nachmittags war ich mit dem deutschen Chirurgen im OP, als eine andere Ärztin in der Tür stand. Sie hätte einen Patienten, dessen Familie geträumt habe, dass er unfruchtbar sei. Und tatsächlich funktioniere seine Männlichkeit sein einigen Wochen nicht mehr so richtig, das würde er zumindest sagen. Er wolle nun nicht gehen, bis man ihn untersucht habe. Um ihn besser überzeugen zu können, solle ich mitkommen. Um älter auszusehen kam ich mit Mundschutz und Haarnetz. Nachdem die Ärztin den Alten ausführlich untersucht und ich mich bemüht hatte, möglichst professionelle Laute von mir zu geben, konnte ich den Raum wieder verlassen. Der Patient war zufrieden. Ich muss jedoch so gegrinst haben, dass meine verzerrten Gesichtszüge auch unter dem Mundschutz zu erkennen gewesen waren. Egal, ich hoffe, dass die Familie des Patienten wieder in Ruhe von Fruchtbarkeit und Kindern träumen konnte…

Immer wieder eine Freude ist die Kommunikation. Das melanesische Pidgin ist einer Sprache, in welcher man sich oft in Bildern ausdrückt. Es gibt wenige Wörter, vieles muss umschrieben werden, was zwangsläufig zu Missverständnissen führt. Einmal übersetzte ich für einen Arzt. Auf die Frage, ob das Bein seit drei Tagen schmerzen könnte, bejahte die gute Frau. Ob es nicht doch schon eine Woche schmerzhaft sei? „Ja.“ „Ja, was denn nun?“ Schon wieder ein ja. Klasse, so macht das Spaß. Man braucht eben viel Geduld. Wie bei so vielem hier.

Während meiner zweiten Woche im Krankenhaus war ein Team von Augenärzten in Finschhafen, um zu operieren. Die beiden Ärzte waren von der Christoffel-Blinden-Mission entsendet worden. Einer, Amerikaner, kam eines Tages auf dem Flur zu mir und fragte, ob wir irgendetwas hätten, womit man eine Schlage entfernen könne. Zuerst war ich etwas irritiert, doch dann zeigte mir der Arzt hinter einer Kiste eine Schlange. Das Tier war jedoch so klein, dass wir es mit einer langen Pinzette hinter dem Kopf greifen und entfernen konnten.

Zwei Wochen sind nicht lang. So kam mir meine Zeit im Krankenhaus sehr kurz vor. Ich habe jeden Tag genossen und Spannendes erlebt, auch wenn ich Abend nichts mehr ging.

 

Am 18ten fuhr ich nach Lae um einen Freund abzuholen, der mich für zehn Tage besuchen kam. Ich habe die Zeit mit ihm unglaublich genossen. Ich wurde ausführlichst über Hamburger Gossip informiert, sehr spannend. Natürlich war es traurig, als er am 30ten Januar wieder ins Flugzeug stieg, doch ist der Abschied ja nur für ein halbes Jahr.

 

In der ersten Februarwoche lief hier in Logaweng der Unterricht wieder an. Ich blieb jedoch nur eine Woche, um dann zu meinem Weltwärts-Zwischenseminar aufzubrechen. Im Südpaziik gibt es vier Weltwärts-Freiwillige. Von zweien erfuhr ich erst im Februar. Da bin ich in Neuguinea, zwei sind auf einer der Fiji-Inseln und ein vierter ist auf einem Atoll in Kiribati. Der junge in Kiribati und ich sind beide mit ddem NMZ unterwegs, während die anderen beiden mit einer anderen Organisation ausgereist sind. Um besser reflektieren zu können, sollten alle Weltwärts-Leute im Südpazifik an dem gleichen Zwischenseminar teilnehmen. Beklagen konnte ich mich nicht!;)

Es ist generell etwas aufwendig nach Neuguinea zu kommen, denn viele Flüge gibt es nicht. Jeder internationale Flug geht über die Hauptstadt Port Moresby. So auch der nach Fiji, doch bevor ich das angebliche Südseeparadies erreichen sollte, stand noch eine Nacht in Brisbane an.

Zuerst also Port Moresby. Ich reiste mit einer NMZ-Mitarbeiterin, die in Lae lebt und arbeitet. Da sie viel Erfahrung mir Freiwilligen-Arbeit hat, sollte sie das Zwischenseminar leiten. In Port Moresby hatten wir einige Stunden Zeit, die wir nutzen, um mit einem Fahrer durch die Stadt zu fahren und uns diese etwas anzusehen.

Port Moresby hat keine Straßenanbindung an den Rest des Landes. Eine, für eine Hauptstadt eines Landes im einundzwanzigsten Jahrhundert, etwas ungewöhnliche Eigenschaft. Port Moresby unterscheidet sich sehr von den Teilen Neuguineas, die ich bisher gesehen habe. Es gibt gute Straßen, Ampeln, hohe Gebäude, mit meterhohen Elekrozäunen und Mauern gesicherte Botschaften, einen richtigen Hafen. Armut ist allgegenwärtig, die Kriminalitätsrate ist sehr hoch. Der westliche Einfluss ist deutlich sichtbar. Man sieht wirklich, das Port Moresby von dem Rest des Landes abgekapselt ist. Für viele Menschen hier ist die Hauptstadt des eigenen Landes weit, weit weg. Ein teurer Flug oder eine längere Schiffsreise wären nötig um sie zu erreichen und das können sich die meisten nicht leisten.

Von Port Moresby flogen wir nach Brisbane und dann früh am nächsten Morgen weiter nach Nadi, in Fiji. Von dort ging es mit einem Bus weiter in die Hauptstadt, nach Suva. Insgesamt war ich zehn Tage in Fiji.  

Der Kurs war inspirierend und hilfreich. Wir haben viel reflektiert und zudem die Vorzüge einer westlichen Stadt wie Suva genossen. Denn westlich ist Fiji, zumindest das, was ich von der Hauptinsel Viti Levu sah. Landschaftlich ähnelt Viti Levu Neuseeland. Zwischendurch konnte man denken, man sei in Irland. Grüne, saftige Wiesen, Kühe, eine sehr geordnete Natur. Mit Neuguinea hatte das Ganze nichts zu tun.

In Fiji kann man sich tagsüber frei bewegen. Es gibt viele Touristen, Bars, Restaurants, Mc Donald’s, Geldautomaten, die zur Straße rausgehen. Für wenig Geld kann man überallhin mit einem Taxi fahren. Es gab Wireless, eine tolle Erfindung!;)

So einiges, was im letzten halben Jahr zwangsläufig auf der Strecke blieb, konnte erfolgreich aufgeholt werden.;) Eben die Vorzüge der westlichen Freizügigkeit.

Am 21ten flog ich dann wieder zurück nach Neuguinea. Nach einigen Stunden Wartezeit in Port Moresby, war ich wieder in Lae.

Ich habe die zehn Tage in Fiji sehr genossen. Ich habe doch so einiges erlebt, womit ich nicht wirklich gerechnet hatte. Dass es ein ungewohntes Gefühl sein würde, wenn ein Auto, ohne auf Schlaglöcher achten zu müssen, wie selbstverständlich 100 fährt. Das ganze Leben in Suva, die ganzen Weißen in Brisbane. Als ich in Fiji war freute ich mich bereits wieder auf Neuguinea. Wenn man einen Ort verlassen hat, weiß man eigentlich erst, wie gerne man ihn hat. Die Erfahrung habe ich bereits im September letzten Jahres gemacht. Ja, mir ist das hier alles irgendwie sehr ans Herz gewachsen. Die Menschen, die Natur, das ganze Leben. Fiji zeigte mir, wie anders es hier ist und gerade das habe ich in Fiji vermisst. Voller Vorfreude reiste ich wieder in Neuguinea ein.

Ich bin jetzt ein halbes Jahr hier und habe, wenn ich meinen Urlaub miteinrechne, nur noch fünf Monate. Einen Teil der Wochenenden ist bereits verplant. Ich muss gewisse Dinge, die ich mir vorgenommen habe, jetzt langsam angehen. Im Mai kommt die Regenzeit und dann wird einiges sicherlich nicht mehr gehen. Regenzeit, wie das wohl wird. Zurzeit ist es hier selbst für die Trockenzeit ungewöhnlich trocken. Die Rasenflächen werden braun. Seit Ende Januar habe ich kein Wasser mehr. Der Tank ist leer. Ich muss das Wasser seitdem von außerhalb holen. Duschen kann ich in einem Haus, doch ist das Wasser nicht das Beste. Daher hole ich mein Wasser für den alltäglichen Gebrauch an einem anderen Ort und das Trinkwasser  nochmal woanders. Jetzt, wo ich jeden Liter schleppen muss, merke ich, wie viel Wasser man so verbraucht. Allein die Spülung der Toilette, oh je.

Es ist zwar etwas mühsam, das ganze Wasser zu schleppen, doch schlimm ist es nicht. Kritisch wird es hingegen in den Gärten der Leute. Da die Menschen hier Selbstversorger sind, sind sie von ihren Gärten abhängig. Wenn es nicht bald regnet, wenn Bananen und Süßkartoffeln nicht geerntet werden können, kommt irgendwann der Hunger. So war es vor ein paar Jahren.

Viele Dörfer haben Probleme mit der Wasserversorgung, da Flüsse und Bäche nur noch sehr wenig Wasser führen. Bei den Studenten geht es noch. Noch. Immer heißt es, bald kommt ja die Wechselzeit zwischen Trocken- und Regenzeit. Was ist, wenn sich diese Zeiten irgendwann verschieben und man sich auf nichts mehr verlassen kann? Das haben die Menschen nicht begriffen, natürlich nicht. Global Warming wird hier einschlagen wie eine Bombe. Wenn es nicht regnet, kommt der Hunger, so ist das eben. Im Dezember war ich auf einer Insel, Tami Island. Damals sah ich mit erschrecken, wie schlecht die Wasserversorgung dort ist. Gebadet wurde in einem Erdloch, welches mit Brackwasser gefüllt war. Trinkwasser entnahmen die Menschen einigen Regenwassertanks, die schon damals nicht mal mehr bis zur Hälfte gefüllt waren. Ich werde wahrscheinlich bald wieder ein Wochenende auf Tami sein, mal sehen, wie das wird. Ein Südseeparadies mit großen Problemen.

Jetzt bin ich also wieder hier. Es ist früh am Morgen. Um diese Zeit kann ich am besten schreiben, es ist noch nicht so heiß. Demnächst geht die Sonne auf, dann muss ich den Platz wechseln. Es erwartet mich ein normaler Tag, mit Morgenandacht, Unterricht, Kindergarten, Arbeiten in Office und Bibliothek. Ich habe per Post ein paar Spiegel-Hefte bekommen, die ich gerade nacheinander durchlese. Jeden Morgen erhalte ich eine Mail von tagesschau.de, welche mich ein bisschen auf dem Laufenden hält. Spannend, was gerade alles so passiert. Leider fehlen mir die Bilder zu all den Ereignissen. Letzte Woche habe ich einen kleinen Vortrag über die Neuigkeiten aus Nordafrika, dem Nahen Osten und Neuseeland gehalten. Sehr spaßig, auf Tok Pisin. Gavman nogut, die böse Regierung..;) Man muss jedoch aufpassen, wie man sich ausdrückt, denn sobald es in Richtung Kämpfe oder Kriege geht, kann hier vieles falsch verstanden werden.

Den März werde ich hier sein. Anfang April kommt mein Vater, auf welchen ich mich sehr freue. Anschließend werde ich vielleicht eine Woche im Hochland verbringen, was traumhaft wäre. Es ist dort einfach so anders, im September war ich ja schon einmal dort oben.

Ach ja, mein Haare sind ab. Zuerst war ich in Suva bei einem Chinesen, der mir keine Koteletten schneiden wollte, da das gegen sein Prinzip sei. Er sprach kein Englisch, weswegen immer jemand übersetzten musste. Anstrengend, diese Leute! Dort fiel jedoch schon mal ein Großteil meiner Matte. Dann war ich bei einem Inder und bat ihn, mir einen anständigen Herrenschnitt zu verpassen. Kurz, oben nicht zu kurz, genug für einen Scheitel. Was macht der Mann? Rasiert Seiten und Hinterkopf bis auf 2,5 Millimeter und lässt oben alles dran. Stufen unmöglich. Ein Topschnitt wie aus dem Bilderbuch, nur schlimmer! Als der gute Mann Anstalten machte, in meinen Haaren rumzupudern und mir den Kittel abzunehmen, ordnete ich kurzen Prozess an. Jetzt habe ich eine Radikalfritsche von 2,5 Millimetern. Spart Shampoo und ist isoliert nicht..;)

In diesem Sinne, ich hoffe sehr, dass es euch allen gut geht und der Frühling so langsam kommt. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt Socken getragen habe, wo sind die Dinger überhaupt??:D

Sollte mein billigeres Telefonmodem wieder funktionieren, lade ich demnächst Bilder hoch. Noch einmal, es tut mir Leid, dass so lange Pause war, das kommt nicht wieder vor!

 

Ganz liebe Grüße aus Neuguinea,

Johann

  

Sonntag, 2. Januar 2011

Fotos und Neujahr

Euch allen wünsche ich von Herzen ein frohes neues Jahr!
Ich hoffe sehr, dass ihr alle einen schönen Sylvesterabend genossen und anständig gefeiert habt!
Wir haben hier auch eine kleine Feier veranstaltet. Zwar ohne Böller und Raketen, jedoch mit ein paar Wunderkerzen, welche für große Aufregung sorgten..

Unten seht ihr einige Fotos aus PNG. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich begriffen hatte, wie das mit den Fotos klappt.
Die Beschreibungen zu den Fotos lest ihr also nun hier. Nächstes Mal werde ich sie direkt unter die Fotos schreiben.

1. Ein Student klettert auf eine Kokuspalme. Mit einer Art Liane werden die Füße fixiert, dann geht es nach oben, oft viele Meter. Abstürzen bedeutet oftmals den Tod.

2. Um Kokusmilch herzustellen, raspelt man die Kokusnuss, gibt etwas Wasser in die Schüssel, um die Milch zu pressen.

3. Mangos, die zum Verkauf angeboten werden - Dezember ist Mangozeit.

4. Ein Freund von mir aus dem zweiten Jahr und ich.

5. Der Butaweng"fluss"schlängelt sich durch den Wald.

6. Ein kleiner Wasserfall im Butawengfluss.

7. In Finschhafen gibt es eine unglaubliche Vielfalt an Schmetterlingen. Einige sind handgroß. In vielem ist die Ntur hier gewaltiger als in Deutschland. Besonders deutlich sieht man dies an Insekten. Kröten
     und Fledermäuse fallen hier auch "etwas" größer aus.

8. Das Haus einer Familie in einem Dorf vor Nanduo

9. Ein Wunderhübsches Kind! - Mein Namensvetter in Malasiga..;)

10. Südseeklischee auf dem Weg nach Sialum.

11. Mein Haus. Links sieht man einen kleinen Schuppen, dann kommt die Küche. Das rechte Fenster gehört zu meinem Wohn- und
       Schlafzimmer. Mein Badezimmer mit Wirlpool und hervorragener Masseuse geht nach hinten raus. Ganz rechts sieht man meinen
       Wassertank, welcher über die Regenrinnen versorgt wird.


Im vorigen Eintrag sieht man drei Mädchen aus dem Dorf Nanduo.

Da hier in Logaweng gerade nichts los ist, werde ich ab morgen zwei Wochen im Butaweng-Krankenhaus arbeitet. Ich freue mich sehr darauf und bin sehr gespannt, was ich dort erleben werde.

Euch allen wünsche ich einen guten Start in das Arbeitsleben, vor allem natürlich denjenigen, die jetzt so langsam in der Abivorbereitung stecken sollten.;)

Liebe Grüße,
Johann

Hoffentlich klappt es!