Moin Moin!
Ich hoffe sehr, dass es euch allen gut geht, im hoffentlich frühsommerlich warmen Hamburg. Von Frühsommer kann ich leider nicht berichten, im Gegenteil, die Regenzeit beginnt.
Papua-Neuguinea hat viele verschiedene Wetterzonen. Vom Hochland habe ich bereits berichtet. Wenn ich nun schreibe, dass bei uns die Regenzeit beginnt, bedeutet das nicht, dass es in ganz Neuguinea regnet. In der Madang-Region an der Nordküste sollte die Sonne scheinen, denn dort begintn die Trockenzeit. Wie genau es im Hochland ist weiß ich nicht. Ich glaube, dass die da oben jetzt auch Trockenzeit haben.
Besonders die Regenzeit in der Finschhafen-Region ist etwas Besonderes. Es kann vorkommen, dass es hier wochenlang fast ununterbrochen regnet. Logaweng liegt auf einem Berg, direkt am Meer. (Ganz unten in meinem Blog findet ihr einen Link zu einer Karte von googlemaps..) Die erhöhte Lage Logawengs lässt uns zurzeit regelmäßig in dichtem Nebel und Wolken verschwinden. Wenn ich vergesse die Fenster zu schließen, wabert die Wolke durch mein Zimmer. Ich bin mir sicher, dass jedes Luftfeuchtigkeitmessgeraet kollabieren würde!
Die enorm hohe Luftfeuchtigkeit ist in der Tat bemerkenswert. Nichts wird mehr trocken. Abends decke ich mich mit einem klammen Bettlaaken zu, morgens ist es noch schlimmer. Bücher verformen sich, Papier ist morgens so feucht, dass man nicht mit Tinte darauf schreiben kann, da diese zerläuft. Ich selber habe das jedoch noch nicht ausprobiert. Streichhölzer funktionieren sowieso nur, wenn ich sie in meinem kleinen Trockenschrank gelagert habe. Diesen habe ich mir im letzten Jahr eingerichtet. In eine kleine Komdoe habe ich ein Stromkabel verlegt und daran eine kleine Heizung angeschlossen. In dem kleinen Schrank ist es nun immer warm und Wärme bedeutet ja bekanntlich Trockenheit. Alle meine elektrischen Geräte wie Laptop, iPod etc. lagere ich in diesem Trockenschrank. Hinzu kommen allerlei Zubehör und mir wichtige Bücher und Dokumente.
Die Feuchtigkeit beschert mir und meinem Haushalt einen neuen Erzfeind: den Schimmel. Es erstaunt mich, was alles schimmeln kann und vor allem wie schnell. Mitte Mai war ich etwa eine Woche nicht in Logaweng. Ich fuhr zu einem Retreat auf eine Insel an der Nordkueste. Dazu später mehr. Während meiner Abwesenheit (an der Nordküste ist gerade Trockenzeit) regnete es in Finschhafen eine Woche lang ununterbrochen. Als ich wieder in meinem Haus stand, konnte ich Schimmel in allen Variationen bewundern. Papier jeder Art (Bücher, Toilettenpapier(!!)), Holz (meinen Holzlöffel in der Küche traf es besonders hart) und vor allem Leder. Meine Schuhe erfreuten sich nach meiner Ankunft einer intensiven Pflege mit einer Buerste. Nun stehen auch sie im Trockenschrank.
Am hartnäckigsten ist der Schimmel jedoch an Decken, Wänden und Türen. Wenn man ihn nicht sofort entfernt, setzt er sich fest. Auf mich als alleinstehenden Hauswirtschaftler kommen also zwei harte Monate zu. Es ist eiserne Disziplin gefragt..;)
Leider habe ich seit zwei Wochen kein fließendes Wasser mehr im Haus. In den letzten Wochen hat es hier viele Erdbeben gegeben, einige waren stärker. Die Stromleitung wurde beschädigt, was zu ständigen Schwankungen der Stromspannung führte. Diese Spannungschwankungen scheint meine elektrische Wasserpumpe nicht gut vertragen zu haben, auf jeden Fall streikt sie seitdem. Die Neueste ist sie auch nicht gerade. Bereits im Februar/März verlebte ich einige Wochen ohne fließend Wasser im Haus. Damals lag es schlicht an Wassermangel, mein Tank war leer. Die Trockenzeit hatte länger angedauert als sonst. Unter einer Trockenzeit in Papua-Neuguinea darf man sich keine Trockenzeit vorstellen, wie sie in nordafrikanischen Ländern vorkommt. Ich bin zwar nie dort gewesen, aber wenn ich in Trockenheit denke, denke ich immer an Nordafrika. In der Regel regnet es in der Trockenzeit ab und zu. In der Regel... In diesem Jahr regnete es jedoch wochenlang nicht. Viele Bäche führten überhaupt kein Wasser mehr, die Pegel in den Flüssen sanken sehr. Ich hatte kein Wasser mehr im Tank, was den Alltag unbequemer gestaltete, aber kein großes Problem war. Ich musste das Wasser eben schleppen. Die waren Folgen dieser außergewöhnlich trockenen Trockenzeit erleben wir nun. Die Studenten haben Probleme in ihren Gaerten, da diese nicht rechtzeitig bestellt werden konnten. Viele Bananenpflanzen sind umgekippt, Süßkartoffeln, Taro etc. gibt es noch nicht. Besonders hart trifft die Nahrungsknappheit die Studenten mit vielen Kindern.
Die Regenzeit geht, grob gesagt, von Ende Mai bis Mitte September. Im letzten Jahr erlebte ich bereits einen kleinen Teil der Regenzeit. Eines ist jetzt wieder zurückgekehrt: Die Schlaflosigkeit in den Nächten, in denen es besonders stark regnet. Die Lautstärke, die der auf das Wellblechdach prasselnde Regen erzeugt, ist fast ohrenbetäubend. Ich kann kann in meinem Haus schreien und sicher sein, dass man mich vor meinem Fenster nicht hören kann. Abgesehen davon, dass sich vor meinem Fenster nachts sowieso niemand aufhält. Das hoffe ich zumindest..;)
Irgendwie ist es ein spezielles Gefühl von Einsamkeit, welches ich nachts in der Dunkelheit und der tosenden Lautstärke des Regens erlebe. Das mag wertend klingen, so ist es jedoch nicht gemeint.
Ich bin sehr gespannt, wie die zwei Monate Regenzeit werden, die ich jetzt vor mir habe. Auf Dauer mag dieses Wetter sicherlich deprimirend sein, doch hat es auch etwas Gutes.
In meinem Haus ist nun am Tag erträglicher. An normalen Sonnentagen war es unmöglich, sich tagsüber lange in meinem Haus aufzuhalten, ohne den Fan zu benutzen. Bereits morgens um halb neun waren die der Sonne zugewandten Wände warm, wenn ich sie von innen berührte. Um die Mittagszeit wurde es so heiß, dass es kaum auszuhalten war.
Andere Deutsche nennen die Regenzeit „tropischen Winter“. Gestrickte Socken und Fleecejacken sind dann keine Seltenheit, doch soweit bin ich zum Glück noch nicht. Im August werde ich nach Melbourne fliegen welche, nebenbei gesagt, die südlichste Metropole der Welt ist. Obwohl ich seit meiner Tour ins Hochland keine Socken mehr getragen habe und ich hier kaum lange Hosen trage (ich habe nur eine dabei) fühle ich mich doch für Melbourne gewappnet. Schon in Deutschland ging es mir oft so: Ich freute mich auf die Jahreszeit, die gerade nicht war. Im Sommer freute ich mich auf meine Winterjacke, im Winter konnte ich es kaum erwarte endlich in kurzen Hosen auf irgendeiner Terrasse zu sitzen. Nach diesem Jahr freue ich mich auf den Herbst! Jahreszeiten sind einfach Gold wert!!!
Genug von Regen- und Trockenzeiten, es gibt mehr was mich beschäftigt und was ich erlebt habe.
Wie ich bereits erwähnte, war ich im Mai etwa eine Woche nicht hier. In regelmäßigen Abständen gibt es sogenannte Retreats auf welchen sich Mitarbeiter der evangelischen Partnerkirchen aus Übersee treffen. Im Oktober letzten Jahres bin ich auf so einem Retreat in der Nähe der Stadt Madang gewesen. Im Mai fand nun das sogenannte „International Men`s Retreat“ statt. Die Einladung, welche auch an uns Voluntäre ging, nahm ich sehr gerne an. Das Retreat sollte auf Karkar Island, einer der Küste von Madang vorgelagerten Vulkaninsel, stattfinden. Ich hatte viel von dieser Insel gehört, nun hatte ich also die Möglichkeit, selbst diese Insel zu sehen.
Reisen ist in PNG keine entspannende Angelegenheit. Der Tourismus konzentriert sich auf wenige Gegenden und selbst dort ist er mehr als rar.
Zeit und Geduld sowie Vorsicht und Aufmerksamkeit sollten einen auf allen Reisen stets begleiten. Wenn eine Etappe an einem Tag nicht zu schaffen ist, zum Beispiel, weil die Ankunft in die Dunkelheit fallen würde, dann fährt man eben am nächsten Tag. Eines kann ich jedoch versichern: jede Fahrt, die ich bisher unternahm, war irgendwie einzigartig. Immer erlebte ich etwas.
Über Lae fuhr ich also in die Stadt Madang. Nach Lae mit einem der Speedoote, die Fähre fuhr noch immer nicht, nach Madang mit einem PMV (Public Motor Vehicle). Von Madang ging es dann per Schiff nach Karkar.
Karkar Island zeigte sich von seiner schönsten Seite. Eine wunderschöne Insel. Mit Sicherheit ist Karkar der tropischste Ort den ich in diesem Land bisher gesehen habe. Die ganze Insel ist ein einziger Vulkan, über und über mit Bäumen bedeckt. An den Hängen des Berges leben Menschen, viele Menschen. Karkar Island ist ein Ort, an welchem man das Phänomen Bevölkerungswachstum praktisch sehen kann. Im Dezember machte ich diese Erfahrung bereits auf Tami Island nur ist Tami deutlich kleiner als Karkar. Schon hier in Logaweng hatten mich die Studenten vor den Frauen auf Karkar gewarnt. Meine Leute in der Bücherei hatten mir erklärt wie ich mit möglichen Annäherungsversuchen umzugehen habe. Natürlich passierte nichts, ich hatte mit nichts anderem gerechnet. Schließich war ich in einer Grippe Weißer unterwegs. Der hohe Anteil an Jugendlichen und Frauen an der Bevölkerung Karkars war jedoch deutlich sichtbar. Jeder dieser Jugendlichen wird irgendwann heiraten, ein Haus bauen, einen Garten anlegen und Kinder kriegen wollen. Letzteres bezieht sich natuerlich auf die Frauen, wobei Männer an an diesem Prozess ja bekanntlich auch beteiligt sind. Viele haben schon im Jugendalter mit der Vermehrung begonnen. Kurz gesagt: Diese Insel wird Probleme bekommen.
Meine Rückreise nach Finschhafen dauerte länger, als ich geplant hatte. Ich schaffte es nicht an einem Tag von Karkar nach Lae, die Weiterreise nach Finsch per Speedboat musste wetterbedingt verschoben werden. Es regnete stark, außerdem bebte in Finschhafen mal wieder die Erde.
Mein erstes Erdbeben erlebte ich im letzten Jahr in Lae. Immer wieder gab es danach schwache Beben. Dieses Jahr ist aber irgendetwas anders. Teilweise sind die Beben so stark, dass Gegenstände aus Regalen fallen. Erst letzte Woche fiel mein grosser Wasserfilter, welcher eigentlich ziemlichs schwer ist, bei einem der Beben von meinem Kühlschrank, was mich als bekennenden Wasserträger natürlich besonders freute! Das stärkste Beben soll laut National Desaster Centre die Stärke 5,6 gehabt haben, es geht also noch. Keine Tsunamis.
In Logaweng ist alles beim Alten. Es gibt mehr als genug zu tun. Fünf Studenten schreiben gerade ihre Diplomarbeiten, was bedeutet, dass ich deutlich mehr Zeit als sonst in der Bücherei verbringe. Viel beschäftigen mich zurzeit die Computer des Seminares. Das tropische Klima und die nun besonders hohe Luftfeuchtigkeit sind ein wahrer Computer-Killer. Ständig funktioniert irgendetwas nicht. Ich gebe mein Bestes…
Mein Englischunterricht läuft sehr gut. Zurzeit behandeln wir das Futur. Der kleine Hosenpinkler im Kindergarten ist seit einigen Wochen trocken..;)
Irgendwie muss ich muss realisieren, dass mir hier die Zeit abläuft. Das Datum meiner Abreise steht mittlerweile fest. Am fünften August werde ich Finschhafen verlassen, am siebten August werde ich früh morgens in Lae starten. Obwohl es noch zwei Monate sind, wird irgendwie schon häufig darüber gesprochen, was mir nicht recht ist. Gerade herrscht hier sowieso eine gewisse Abschiedsstimmung. Mein Mentor, welcher eine Autostunde nördlich von hier, in Heldsbach, gelebt hat, ist letzte Woche mit seiner Familie ausgereist. Nächste Woche wird die deutsche Lehrerin, welche hier in Logaweng lebt, folgen.
Der Abschied von Logaweng wird mir sehr schwer fallen. Ich habe meine Mitmenschen hier sehr ins Herz geschlossen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Abschied ein endgültiger werden wird. Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder in dieses Land kommen werde. Zudem würden in Logaweng ganz andere Menschen leben. Es wird schwer sein Kontakt zu halten. Über eine Postadresse verfügen die meisten nur während ihrer Zeit am Seminar. Eine E-Mail Adresse hat nur der Schulleiter, denn diesem habe ich eine eingerichtet. Die wenigsten Studenten haben jemals einen Computer berührt.
Die mir verbleibende Zeit möchte ich natürlich voll und ganz ausnutzen. Das Wetter steht meinen Plänen leider etwas im Wege, aber das wird schon. Mit einem Studenten möchte ich mit einem traditionellen Holzkanu den Mape-Fluss hinauffahren. Ich träume ja immer noch von der Sichtung eines Krokodils. Ob dieser Wunsch am Mape-Fluss in Erfüllung gehen wird, ist leider mehr als fraglich. Ich hoffe es einfach und werde davon berichten!
So, jetzt trinke ich schnell meinen Kaffee aus und mache mich dann auf den Weg zur Dusche. Heute ist ein sehr schöner Morgen, die Sonne scheint endlich. Es steht viel an. Unterricht, Bibliothek, ein Treffen im Office, wieder Bibliothek und nachmittags eine kleine Probe mit meiner Kindergartengruppe. Am Pfingstsonntag werden die Kleinen eine kleine Vorstellung geben. Ich bin sehr gespannt.
Liebe Grüße aus dem wunderschönen Logaweng,
Johann
Wie immer entschuldige ich mich für Rechtschreib- und Grammatikfehler.