Liebe Freunde, liebe Familie,
ich hoffe sehr, dass Norddeutschland einen warmen und angenehmen Sommer erlebt. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wie dieser Sommer in Deutschland ist.
In meinem letzten Eintrag schrieb ich von einer geplanten Kanutour. Tja, es kommt immer anders. Bei mir besonders. Zwei Tage nach meinem letzten Eintrag passierte etwas, das meine Pläne durchkreuzte. Ein Energieüberschuss veranlasste mich zu einem kleinen Sprint, in der Regenzeit nicht besonders ratsam. Zwei Stunden später saß ich im Krankenhaus und wurde am Knie genäht. Keine schöne Angelegenheit.
In den letzten Wochen habe ich nun erfahren was es heißt, sich in einem tropischen Land wie Papua-Neuguinea offen zu verletzen. Eine nicht ganz saubere Wunde geht ziemlich bald ihren eigenen Weg.
Jetzt, vier Wochen nach meinem kleinen Unfall, bin ich jedoch wieder gut auf den Beinen. Meine Wunde verwächst. Das Korallengestein von Finschhafen hat sich prachtvoll auf meinem Knie verewigt. Eine Freundin von mir hat es in Mittelamerika zu einem Piercing gebracht, ich trumpfe mit einer weiteren Narbe. Wir werden sehen..;)
Alles in allem habe ich dieses Jahr gesundheitlich jedoch mehr als gut durchgestanden! Mein Körper reagierte nicht im Geringsten auf den Nahrungswechsel. Abgesehen von einem infektionsbedingten Fieber in den letzten Wochen blieb ich auch von diesem Übel verschont. Von Malaria ganz zu schweigen und das, obwohl ich weder dem Inneren meines Körpers, noch dem Äußeren irgendwelche Chemie zumutete.
Dafür wurde ich hier zweimal genäht. Peinlich daran ist die Tatsache, dass ich beim ersten Mal nicht die geringste Ahnung hatte, wie es zu der Verletzung gekommen war.
Ich kann festhalten, dass meine Mobilität in den letzten Wochen deutlich eingeschränkt war. Aus meiner Kanutour wurde nichts und wird auch nichts mehr werden. Schade, ich hatte mich so sehr darauf gefreut. Vor drei Tagen wurden die Fäden gezogen. Nun kann ich mich wieder gut bewegen. Meine wiedergewonnene Mobilität nutze ich so viel es geht. Jeden Tag bin ich unten im Haus Kuk (Kochhaus) der Studenten.
Mit meinen Leuten aus der Bibliothek plane ich zum Abschied ein großes Pizzabacken. Eigentlich hatte ich vorgehabt in den Ferien nach Lae zu fahren, doch kam mir mein kleiner Unfall dazwischen. Nun fährt die Fähre nicht mehr, das Schiff ist mal wieder kaputt. Von Februar bis Ende Mai war das schon so, nun also wieder. Die kleinen Dingis sind nun in der Regenzeit jedoch keine glückliche Alternative. Oft ist die See unruhig, was den Trip sehr gefährlich macht. Von dem Regen ganz zu schweigen. In den letzten Tagen sind zwischen Finschhafen mehrere von den Dingis gekentert.
Ich hoffe sehr, dass das Schiff bis zu meiner Abreise wieder fährt.
Gerne wäre ich vorher noch einmal in der Stadt gewesen. Wie ich bereits schrieb, möchte ich viele Fotos drucken und verschenken. Hier geht das nicht. Vielleicht schaffe ich es ja in der nächsten Woche irgendwie.
Von einem Erlebnis möchte ich noch berichten. Letztes Wochenende war ich in Maneba, ein paar Kilometer nördlich von hier. Vor 125 Jahren ist in Finschhafen der erste Missionar angelandet. Nun fanden anlässlich dieses Jubiläums Feierlichkeiten statt. Das Wochenende in Maneba war traumhaft. Mehrere Schweine wurden geschlachtet. Aus diversen Dörfern Finschhafens waren die Menschen zusammengekommen und führten Singsings (traditionelle Tänze) auf. Singsings beeindrucken mich immer wieder. Ich habe viele Fotos gemacht. Überhaupt ist meine Kamera nun mein ständiger Begleiter. Vieles will ich festhalten, damit ich nichts vergesse. Oft habe ich auch ein kleines Aufnahmegerät dabei um Gesänge aufzunehmen.
So langsam überlege ich mir, was ich wem schenken werde. Ich werde hier in Logaweng leider keinen direkten Nachfolger haben. So muss ich das kleine Haus für den normalen Gästehausbetrieb herrichten. Kurz gesagt: Radikal ausmisten. Es ist erstaunlich, was ich hier in all den Monaten zusammengetragen habe. Mein Rückreisegepäck wird wieder auf 20 Kilo beschränkt sein. Viele Kleidungsstücke werden hier bleiben, schließlich will ich all die Geschenke mitnehmen. Problematisch ist jedoch, dass ich mich nach meinem Aufenthalt hier noch einen Monat in Australien aufhalten werde. Ich frage mich jetzt schon wie ich dem australischen Zoll mein Gepäck erklären soll. Organisches Material ist in Australien nicht gerade willkommen. Wenn mir Studenten nun Dinge wie eine Steinaxt eines Großvaters ankündigen, finde ich das sehr schade. So etwas wird hier bleiben oder eventuell ein Jahr später in anderem Gepäck nachkommen.
Es ist viel, was ich hier zurücklassen muss. Der Gedanke an Abschied fällt mir alles andere als leicht. Ich bin irgendwie jedoch auch froh darüber. Wie wäre es wohl, wenn ich hier sitzen würde und die Tage zählen würde. Wenn ich es nicht erwarten könnte wieder nach Hause zu kommen. Bisher schiebe ich Abschiede vor mir her. Ich habe ja auch noch zwei Wochen Zeit. In Maneba habe ich einige jedoch definitiv das letzte Mal gesehen. Natürlich freue ich mich unglaublich auf Hamburg, auf Freunde und Familie. Ich habe doch auch eine ganze Menge vermisst.
Nach Neuguinea werde ich mit Freunden einen Monat durch Australien reisen. Auf den Tag genau ein Jahr nach meiner Ausreise werde ich wieder in Hamburg landen. Es wird ein sehr stressiger Monat folgen, bevor ich zum Wintersemester ein Studium beginnen werde. Es wird also viel passieren in nächster Zeit. Ich bin gespannt und freue mich.
Doch nun möchte ich mich voll und ganz auf die mir noch bleibende Zeit konzentrieren. Ich werde von mir hören lassen.
Ganz liebe Grüße aus Finschhafen,
Johann