zwei Kinder

zwei Kinder
drei Gesichter aus PNG

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Sori tru!

Es ist wirklich allerhöchste Zeit, dass ich mich mal wieder melde.

Zuallererst, mir geht es super! Seit fast drei Wochen bin ich jetzt hier in Logaweng und habe mich wirklich gut eingelebt. Arbeit gibt es ohne Ende, aber dazu später mehr.

Leider hatte ich ein Problem mit meiner Malariaprofilaxe. Bereits in Deutschland hatte ich damit begonnen, Lariam zu nehmen. Alles war gut, ich habe nichts gemerkt.

Die Nebenwirkungen haben mich dann anscheinend erst hier erwischt. Es ging in Richtung Depressionen, was wirklich anstrengend war. Ich habe hier jetzt einen Monat ein Gefühl in mir herumgetragen, welches mich leider in vielem bremste und behinderte. Seit ich das Lariam abgesetzt habe und mein Mefloquinspiegel gesunken ist, gedeihe ich prächtig;) Ich fühle mich hier wirklich wohl und genieße jede Minute.

Wie ich schon geschrieben habe, fallen mir Sozialkontakte hier nicht schwer, was einfach daran liegt, dass die Menschen alle unglaublich interessiert sind. Ich bin mit offenen Armen empfangen worden, jeder lässt mich an seinem Leben teilhaben, ist froh und dankbar, wenn ich daran teilnehme.

So viel ich kann, unternehme ich mit den Menschen hier. Mehrmals waren wir im Busch, um eine Fläche für einen neuen Garten zu roden. Man darf sich die Gärten nicht wie deutsche Gärten vorstellen. Die Menschen hier leben fast ausschließlich von dem, was in ihren Gärten wächst. Gärten sind in den Busch gerodete Flächen, wo alles Mögliche wächst. Mittlerweile bin ich zu einem wirklichen Kumu-Fan geworden (Grünzeug). Das Roden des Busches ist eine spannende aber anstrengende Arbeit. Mit Buschmessern und Äxten prügelt man auf alles ein, was grün ist und aus Blättern oder Holz besteht. Eine hervorragende Arbeit um Aggressionen loszuwerden, welche ich ja zum Glück nicht habe! Es ist wirklich erstaunlich, was man mit so einem Buschmesser alles fällen kann. Wenn das Unterholz und die kleinen Bäume und Sträucher weggeschlagen sind, geht’s an die großen Bäume. Kurz vorm Fallen und während des Fallens jodelt man so laut man kann, damit alle gewarnt sind. Jeder der das jodeln hört, steigt mit ein. Das ist teilweise etwas schwierig, weil durch das ganze Gejodel irgendwann nicht mehr klar ist, von wo eigentlich der Baum kommt. In zwei Wochen, wenn alles getrocknet ist, wird dann alles angezündet. Dann muss man noch ein paar Wochen warten und der Garten ist fertig. Jeder Student bekommt dann eine kleine Parzelle zugewiesen. Jeder Garten wird drei Jahre genutzt, bevor er dann einige Jahre brach liegt und wieder zuwächst. So kann sich der Boden erholen. 

Buschroden, auf Kokuspalmen klettern, schwimmen gehen oder einfach am Feuer sitzen und reden. Das sind die Momente, die ich einfach unglaublich genieße.

Kokuspalmen stehen hier alle paar Meter. In Hamburg habe ich eine Hängematte geschenkt bekommen. Vorletzten Sonntag dachte ich, dass es doch ganz schön wäre diese aufzuhängen und einfach aufs Meer zu blicken und zu lesen. Natürlich schlief ich ein, der Schlaf war mir jedoch nur einige Minuten vergönnt. Zwei Frauen kamen laut schreiend angerannt. Ich war ehrlich verunsichert. Ich sei in Lebensgefahr – die Kokusnüsse!! Und tatsächlich hatte ich meine Hängematte zwischen zwei Kokuspalmen gehängt und war seelenruhig eingeschlafen, während jede Menge Kokusnüsse nur darauf warteten, sich der Schwerkraft ausliefern zu dürfen. Das sind so die Dinge, an die ich mich einfach gewöhnen muss. Sehr nett auch eine andere Geschichte. Ich wollte backen, doch meine Gasflasche war leer. Am nächsten Tag bin ich also mit dem Schulleiter losgefahren, um eine neue zu besorgen. In Gagidu gibt es eine kleine „Tankstelle“. Wenn vorrätig, werden dort auch Gasflaschen verkauft. Neben Gas und Benzin gibt es Kerosin. Der Tankwart, ein sehr kleiner alter Mann, war gerade dabei an einer Kerosinzapfsäule Kerosin in einen Kanister zu zapfen. Die Zapfsäule war ziemlich kaputt und leckte. Zwischen seinen Füßen bildete sich eine immer größer werdende Pfütze – und er rauchte. Seelenruhig stand er da und rauchte. Das Aschen befand er offensichtlich als überbewertet. Sein Aschestängel wurde immer länger und länger. Ich habe mich wirklich gefragt, wann er fallen und es brennen würde. Als der Gute dann genau vor seinem Gesicht meine Gasflasche aufdrehte, um zu prüfen, ob diese auch wirklich leer sei, bin ich in Deckung gegangen. Das war dann doch zu viel, aber der Knall blieb aus. Zu gerne hätte ich diesen Moment festgehalten. Ein kleiner alter Mann steht in einer Kerosinpfütze und prüft mit der Nase, ob eine knapp 1,5 Meter hohe Gasflasche leer ist oder nicht -- und raucht dabei! Ein herrliches Postkartenmotiv!

Mein Haus richte ich mir nach und nach ein. Das Mückennetz über dem Bett hängt mittlerweile auch, an den Wänden sind einige Landarten und Fotos zu finden. Ich bin überhaupt kein Freund von Neonröhren und habe mir daher von überall kleinere Lampen besorgt. Entgegen aller Erwartungen sieht es mit Ordnung in Sauberkeit auch gar nicht schlecht aus. Ich bin jedoch sicherlich nicht gerade der objektivste Beobachter;)

Im Brotbacken bin ich mittlerweile wirklich fit. Meine erste Bananenstaude ist abgeschlagen und hängt vor dem Haus.

Waschen ist hier deutlich aufwendiger als zu Hause und das hat mir eigentlich schon gereicht. Immerhin habe ich eine Waschmaschine. Man muss jedoch mehrmals das Wasser wechseln und die Wäsche zwischen Spinner und „Normalwaschraum“ (wie auch immer ich das nennen soll)  hin und her bugsieren. Bis das Brot aus dem Ofen ist sind über zwei Stunden vergangen. Alles braucht einfach seine Zeit.

Hier am Seminar habe ich viele verschiedene Aufgaben. Jeden Tag gebe ich Englischunterricht. Ich unterrichte junge Männer, die allesamt älter sind als ich. Einige sind über dreißig. Morgens bin ich ein Lehrer, der Hausaufgaben aufgibt (läuft leider noch nicht so gut), erklärt, korrigiert und respektiert wird. Abends sitzen wir dann zusammen am Feuer oder ziehen am Wochenende durch den Busch. Damit der Unterricht läuft, muss ich eine gewisse Disziplin fordern, deren Einhaltung ich überwache. Ich muss die gesunde Mitte finden, doch ich glaube, dass mir das ganz gut gelingt. Was die Unterrichtsvorbereitung jedoch als schwierig gestaltet ist die Tatsasche, dass kaum Unterrichtsmaterial besteht und die Leistungsständer der Studenten oft sehr unterschiedlich sind. So sitzt zum Beispiel ein ausgebildeter Highschoollehrer neben einem Mann, der mir auf Englisch nicht erklären kann, wie viele Kinder er hat. Und die wollen zusammen unterrichtet werden. In einer Klasse läuft also Parallelunterricht. Während die einen etwas lesen, machen die anderen eine Grammatikübung und so weiter.

Neben dem Unterricht, leite ich die Bibliothek. Zusammen mit einigen Studenten sortiere ich, katalogisiere und halte den ganzen Laden in Schuss. Zudem bin ich für das Guesthouse zuständig. Ich muss zusehen, dass alles sauber und ordentlich ist, gewaschen und geputzt wird und das Inventar stimmt. Zweimal in der Woche arbeite ich im Kindergarten mit. „Der Plumssack geht rum“ und „Topfschlagen“ sind mit Begeisterung aufgenommen worden!

Grundsätzlich geht jeder davon aus, dass ein junger Weißer einen Computer und das dazugehörende Zubehör so gut beherrscht, wie das ABC. Ich gebe mein Bestes;) Vieles geht sogar ganz gut.

Meine Gitarrenkenntnisse nehmen Kontur an. Zudem habe ich mir vorgenommen deutsche und englische Lieder in Tok Pisin zu übersetzten. „Morning is broken“ kommt bereits sehr gut an.

Um 6 Uhr abends ist es hier dunkel. Dann sitze ich entweder irgendwo am Feuer, bin bei einem der Überseemitarbeiter oder bei mir zu Hause. Langweilen tue ich mich auf jeden Fall nicht! Bücher habe ich genug, ich komme jedoch gerade einfach kaum zum Lesen. Gäste aus Deutschland haben mir eine „ZEIT“ mitgebracht, worüber ich mich sehr gefreut habe. Das sind so die kleinen Dinge, die man hier wirklich zu schätzen lernt. Es ist ein lustiges Gefühl in Papua-Neuguinea zu sitzen und über die Fusion von deutschen Landesbanken oder irgendeinen Bürgermeister in einer ostdeutschen Kleinstadt zu lesen. Ein Stück Heimat..

Nachdem ich die Zeitung gelesen habe, geht sie so lange herum, bis sie schließlich von irgendwelchen Leuten geraucht wird. Recycling wie aus dem Handbuch!

Ich werde hier wirklich zum Frühaufsteher. Um punkt halb sechs geht die Sonne auf, um halb sieben bin ich munter. Wirklich anstrengend. Letzten Sonntag hatte ich mir vorgenommen auszuschlafen – bis neun. Doch nicht einmal das habe ich geschafft. Doch wenn ich dann früh aufstehe und die Sonne über der Salomonensee aufgehen sehe, vergesse ich einfach alles um mich herum. Ein unbeschreibliches Gefühl…

Ich habe kein warmes Wasser. Die kalte Dusche ist jeden Morgen wieder eine Freude.:D Denn das „Morgenfrösteln“ gibt es auch hier, besonders um halb sieben.

Das Klima ist etwas gewöhnungsbedürftig. Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit ist alles klamm. Papier wellt sich und so weiter. Ich habe etwas Angst um meine Elektronik, einen Trockenschrank habe ich nicht. Demnächst werde ich mir jedoch einen basteln. Ebenso wird mein Garten Form annehmen. Hinter meinem Haus, rode ich mit Studenten eine Fläche für einen kleinen Garten. Ich will dort Bananen, Ananas, Kaukau, Kumu, Frühlingszwiebeln, Tomaten, Chili und Zuckerrohr anbauen. Zuckerrohr ist wirklich etwas Feines. Mit den Zähnen schält man das Rohr, beißt dann ein Stück ab, kaut es, saugt den Saft heraus und spuckt den Rest anschließend aus. Das Zeug schmeckt wirklich gut! Da ich gerade viel geschenkt bekommen habe, ist mein Kühlschrank voll davon. Kalt schmeckt Zuckerrohr noch besser. Morgen veranstalte ich hier ein großes „Zuckerrinken“ (so nennen de Niuginis das). Im Kokosnuss öffnen und im Herstellen von Kokosmilch bin ich mittlerweile gar nicht schlecht. Traumhaft schmecken unreife Kokosnüsse. Die Nuss hat dann noch wenig Fruchtfleisch und besteht hauptsächlich aus Kokoswasser. Man schlägt ein kleines Loch oben herein und trinkt dann das Wasser. Das Ganze nennt sich dann Kulau (Trinkkokusnuss) und schmeckt wirklich gut!

Um ein bisschen in Form zu bleiben, habe ich mir ein kleines Sportprogramm aufgezwungen. Ich bin heute höchst motiviert in Logaweng losgelaufen. Den Berg runter ging alles gut, doch als ich dann oben wieder ankam, war ich wirklich fix und fertig. Als ich bei mir vor der Tür stand, fragte mich ein Kind, ob ich „waswas“ (baden) gemacht hätte. „Waswas“ kam hin, aber eben nur mit mir selber, ohne Wasser.;) Ich bin eben noch an norddeutsche Temperaturen gewöhnt.

 

Nächste Woche werde ich zum einem Treffen aller Überseemitarbeiter in Papua-Neuguinea nach Madang fahren. Die Gegend um Madang (Nordküste) muss unglaublich schön sein. Es ist immer spannend, ein bisschen herumzukommen und ich freue mich wirklich sehr auf das Wochenende. Wenn ich Glück habe, fahre ich wieder mit dem PMV..;)

 

Ich hoffe sehr, dass es euch allen gut geht! Gerne würde ich euch viele Fotos zeigen. Da ich jedoch pro Kilobyte zahle, ist das ziemlich teuer. Ich muss die Bilder erst bearbeiten, um die Dateigröße zu verringern. Ich arbeite dran und bitte daher um Geduld.

 

Ganz liebe Grüße aus PNG,

Johann